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Methodik
biodiversitaet-monitor.at

Dieses Dashboard zeigt den Zustand der biologischen Vielfalt in Österreich auf Grundlage offener Daten. Alle Zahlen stammen aus amtlichen Quellen oder Fachberichten, die Aufbereitung ist automatisiert und der Rechenweg ist hier offengelegt.

1. Was hier zu sehen ist

Acht Messgrößen: die Fläche unter Schutz, der Bestandsindex der Feld- und Wiesenvögel, der tägliche Bodenverbrauch, das Alter der Roten Listen, der Erhaltungszustand der Lebensraumtypen, die Gefährdung der Biotoptypen, die Waldfläche im Nachbarschaftsvergleich und der Anteil der biologisch bewirtschafteten Agrarfläche.

Sie messen Verschiedenes und lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen. Es gibt keinen belastbaren Index, der sie zu einer Note zusammenfasst — deshalb steht hier keiner.

Drei Abschnitte stellen die nationalen Zahlen in den europäischen Zusammenhang. Das ist keine Zier: der Erhaltungszustand wird ohnehin nach den grenzüberschreitenden biogeografischen Regionen alpin und kontinental beurteilt, nicht nach Staatsgrenzen.

2. Datenquellen

Eurostat — sdg_15_20, terrestrische Schutzgebietsfläche Anteil der Landesfläche unter Schutz, 2011 bis 2023. Umfasst national ausgewiesene Schutzgebiete und Natura-2000-Gebiete; Überschneidungen sind von der Europäischen Umweltagentur herausgerechnet. Wird bei jedem Lauf frisch abgerufen.

Eurostat — sdg_15_60, Index weit verbreiteter Vogelarten EU-Aggregat für gemeine Feldvogelarten, 39 Arten aus 26 Staaten, geglättete Schätzung. Nur das Aggregat, keine Länderwerte. Wird bei jedem Lauf frisch abgerufen.

Eurostat — for_area, Waldfläche Waldfläche nach FAO-Definition, 1990 bis 2025 in sechs Stützjahren. Der einzige geprüfte Datensatz, der auch die Nicht-EU-Nachbarn Schweiz und Liechtenstein mit echten Werten führt. Wird bei jedem Lauf frisch abgerufen.

Eurostat — sdg_02_40, ökologisch bewirtschaftete Fläche Anteil an der landwirtschaftlich genutzten Fläche, umgestellte Flächen und Flächen in Umstellung zusammen. Rund 35 Meldeländer. Wird bei jedem Lauf frisch abgerufen.

BirdLife Österreich / BMLUK — Farmland Bird Index für Österreich Teufelbauer, N. & Seaman, B. (2024): Indikator 2023, Wien, Juni 2024, Tab. 5. Bestandsindex von 23 Vogelarten des Offenlands, 1998 = 100. Abgeschrieben, Stand 2023.

ÖROK — Flächeninanspruchnahme und Versiegelung in Österreich ÖROK-Schriftenreihe Nr. 220, Dezember 2025, Ergebnisse 2022 und 2025. Abgeschrieben, Stand 2025.

Umweltbundesamt — Stand der Aktualisierung der Roten Listen Übersicht Oktober 2025: Erscheinungsjahr und vorgesehener Aktualisierungszeitraum je Tiergruppe. Abgeschrieben, Stand 2025.

Umweltbundesamt — Bericht nach Artikel 17 FFH-Richtlinie REP-0734 Band 2 (2020), S. 6–7, Berichtsperiode 2013–2018. Abgeschrieben, Stand 2020.

Umweltbundesamt — Rote Liste gefährdeter Biotoptypen Österreichs Teilbände M-155 bis M-174, erschienen 2002 bis 2008. Abgeschrieben, Stand 2008 — die älteste Quelle dieser Seite.

3. Zwei Sorten von Zahlen, die nicht vermischt werden

Anders als beim Schwesterprojekt arbeitsmarkt-monitor.at lässt sich hier nicht alles automatisch abrufen. Österreich erhebt zur Biodiversität reichlich, veröffentlicht aber überwiegend PDF-Fachberichte ohne Datenanhang. Die Pipeline unterscheidet deshalb:

  • Laufend: vier Reihen kommen bei jedem Lauf frisch von der Eurostat-Schnittstelle — Schutzgebiete, EU-Vogelindex, Waldfläche und Bio-Anteil.
  • Gepflegt: fünf Reihen sind aus einer Publikation abgeschrieben. Sie tragen im Datensatz Quelle, Berichtsjahr und Abrufdatum.

Jede Quelle in der Fußzeile des Dashboards trägt deshalb eine Marke: laufend oder Stand JJJJ. Ohne sie liest sich eine dreijährige Zahl wie eine tagesaktuelle.

Die Pipeline meldet im Protokoll, wenn eine gepflegte Reihe älter ist als ihr erwarteter Erscheinungsrhythmus — zwei Jahre beim Vogelindex und bei den Roten Listen, vier beim Bodenverbrauch, sieben beim Erhaltungszustand, fünfzehn bei den Biotoptypen. Sie bricht dabei nicht ab: eine veraltete Zahl ist kein Fehler, sondern ein Pflegehinweis. So verfällt keine Zahl unbemerkt.

4. Wie die Daten hierherkommen

Eine automatische Pipeline ruft die vier Eurostat-Reihen ab, rechnet die Auswertungen und legt kompakte Datendateien ab, die diese Seite lädt. Sie läuft wöchentlich am Montag und schreibt nur dann etwas fort, wenn sich die Werte tatsächlich geändert haben — ein täglicher Lauf wäre Leerlauf, weil die Quellen jährlich bis dreijährlich liefern.

Ändert eine Quelle ihren Aufbau, bricht die Pipeline mit einer Meldung ab, statt eine falsche Zahl weiterzureichen. Fällt eine Datendatei aus, fehlt nur ihr Abschnitt, und der Ausfall wird in der Fußzeile des Dashboards benannt.

5. Wie gerechnet wird

  • Schutzgebiete: die Achse beginnt bei 26 % und nicht bei null, weil die Aussage der Abstand zum Ziel von 30 % ist. Der Stillstand seit 2021 wird auf gerundeten Werten gesucht — sonst erzeugen 0,04 Prozentpunkte Differenz eine Scheinbewegung.
  • Vögel: die Achse beginnt bei null, weil dort die Größe des Rückgangs die Aussage ist. Die EU-Reihe hat die Basis 2000, die österreichische die Basis 1998; die EU-Linie wird auf 1998 umbasiert, weil ein Kettenindex bezugsjahrfrei ist. Beide messen Häufigkeit, nicht Artenzahl, und sie zählen unterschiedliche Artenlisten — gleiche Richtung, nicht dieselbe Messgröße.
  • Bodenverbrauch: Balken statt Linie, weil die Werte Periodenmittel sind. Eine Linie würde dazwischen Jahreswerte behaupten, die niemand erhoben hat.
  • Rote Listen: der helle Teil des Balkens ist der Zeitraum, den das Umweltbundesamt selbst für eine Neuauflage vorsieht — sechs Jahre bei Wirbeltieren, zwölf bei den übrigen. Der dunkle Teil ist das, was darüber hinausgeht. Die Schwelle stammt aus der Spalte „Aktualisierungszeitraum“ der Quelle.
  • Erhaltungszustand: gezählt werden Bewertungen, nicht Schutzgüter. Österreich liegt in zwei biogeografischen Regionen, und jeder Lebensraumtyp wird in jeder einzeln beurteilt.
  • Biolandbau: alle Länder werden im selben Jahr verglichen. Der Datensatz reicht weiter, Österreich meldet zuletzt für 2020 — ein Ranking auf „neuestes Jahr je Land“ stellte sonst 2020 gegen 2024. Das EU-Aggregat bleibt aus der Rangliste heraus, sonst verschöbe es Österreichs Platz.

6. Grenzen der Aussagekraft

  • Die Schutzgebietszahl misst Fläche, nicht Schutzintensität: ein Landschaftsschutzgebiet zählt gleich wie eine Nationalpark-Kernzone.
  • Die Waldfläche ist eine Mengenangabe, kein Zustandsmaß — eine Fichtenmonokultur zählt so viel wie ein Auwald. Der eigentliche Indikator im Wald ist das Totholz; sein Anteil am Holzvorrat liegt in Österreich bei rund 3 % (Waldinventur 2018–2023). Eine Zeitreihe dazu ist maschinell nicht abrufbar.
  • Beanspruchter Boden ist nicht dasselbe wie versiegelter: von 5.681 km² Inanspruchnahme waren 2022 rund 52,8 % tatsächlich versiegelt.
  • Bei den Biotoptypen beziehen sich alle Anteile auf die 383 bewerteten Typen, nicht auf alle 488. Die Teilbände erschienen zwischen 2002 und 2008; eine Neuauflage steht aus.
  • Der Erhaltungszustand stammt aus der Berichtsperiode 2013–2018. Der nächste Bericht ist der Sechsjahreszyklus der FFH-Richtlinie.
  • Vier Tiergruppen haben überhaupt keine Rote Liste. Ein Balken der Länge null läse sich als „gerade aktualisiert“ — sie stehen deshalb als Satz unter der Grafik und nicht in ihr.
  • Die Aufbereitung erfolgt automatisiert. Maßgeblich sind die amtlichen Originalquellen. Wer einen Fehler findet: kurze Nachricht an mail@philipreitsperger.com.

7. Lizenz und Weiterverwendung

Grafiken und aufbereitete Daten stehen unter CC BY 4.0, Namensnennung biodiversitaet-monitor.at. Für die Rohdaten gelten die Lizenzen der jeweiligen Quelle; sie stehen oben bei jedem Eintrag.

Die Datenpipeline und die Diagramme liegen offen auf GitHub. Wer eine Zahl nachrechnen will, findet dort den Weg von der Quelle bis zur Grafik.