Wer zahlt für die Natur in Österreich?
Datenstand 2022 bis 2026, Abruf 8. und 22. Oktober 2026
Für den Biodiversitätsfonds sieht der Bund ab 2025 jährlich 5 Millionen Euro vor. Den Bedarf für die biologische Vielfalt in Österreich schätzt die EU-Kommission auf 1,3 Milliarden Euro im Jahr. Klimakontraproduktive Subventionen machen laut Österreichischem Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) 4,1 bis 5,7 Milliarden Euro im Jahr aus. Wetter- und Klimaschäden kosteten Österreich von 2017 bis 2024 laut der Studie COIN 2.0 (englisch kurz für Kosten des Nichthandelns) im Schnitt 3,7 Milliarden Euro im Jahr; Todesfälle sind darin in Geld bewertet.
Geld für die Natur, Bedarf, Subventionen und Schäden
Was diese Zahlen nicht sagen
Die Beträge stammen aus verschiedenen Quellen und Jahren und messen Verschiedenes: Haushaltsmittel, Förderungen, geschätzten Bedarf, Schäden und in Geld bewertete Todesfälle. Sie zeigen Größenordnungen, keine Bilanz. Ob Naturschutz Schäden verhindert hätte, sagt keine der Quellen.
Was der Naturschutz bekommt
Der Biodiversitätsfonds des Bundes hat ab 2025 ein eigenes Förderprogramm mit 5 Millionen Euro im Jahr. 2024 zahlte er 9 Millionen Euro aus, ein großer Teil davon kam aus dem Aufbaufonds der EU. Für die Nationalparks sind im Umweltbudget des Bundes 10 Millionen Euro im Jahr veranschlagt.
Der Staat insgesamt gab 2024 laut Eurostat 125,3 Millionen Euro für den Schutz der Artenvielfalt und der Landschaft aus (siehe Ausgaben für den Naturschutz). Die gesamte laufende Finanzierung der biologischen Vielfalt in Österreich schätzt die EU-Kommission für 2021 bis 2027 auf 397 Millionen Euro im Jahr.
Was gebraucht wird
Den Bedarf schätzt die EU-Kommission auf rund 1,3 Milliarden Euro im Jahr, zu Preisen von 2022. Er setzt sich aus drei Posten zusammen: 117 Millionen Euro für die Natura-2000-Gebiete (das EU-weite Netz von Schutzgebieten nach der Fauna-Flora-Habitat- und der Vogelschutzrichtlinie), 876 Millionen Euro zusätzliche Kosten der EU-Biodiversitätsstrategie und 346 Millionen Euro für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Böden.
Die Lücke zwischen Bedarf und Finanzierung beziffert die EU-Kommission in ihrer Überprüfung der Umsetzung der Umweltpolitik 2025, Länderbericht Österreich (Umweltprüfbericht), an zwei Stellen verschieden: mit 942 Millionen und mit rund 855 Millionen Euro im Jahr.
Subventionen und Agrarumweltprogramm
Das WIFO beziffert die klimakontraproduktiven Subventionen in Österreich im Durchschnitt der letzten Jahre auf 4,1 bis 5,7 Milliarden Euro im Jahr. Gemeint sind vor allem Steuerbegünstigungen, etwa für Treibstoffe, und die kostenlose Zuteilung von Emissionszertifikaten. 61 Prozent betreffen den Verkehr, 38 Prozent Energieerzeugung und -verbrauch. Auf die Landwirtschaft entfallen 28 Millionen Euro. Die Studie nennt ihr Ergebnis eine Untergrenze, weil sich nicht alle Maßnahmen beziffern ließen.
Für 2025 errechnete das Landwirtschaftsministerium im Agrarumweltprogramm ÖPUL Zahlungen von 643,96 Millionen Euro an 89.794 Betriebe. Das Programm fördert 26 Maßnahmen, vom Naturschutz bis zum Tierwohl. Welcher Teil davon der biologischen Vielfalt dient, weist die Quelle nicht aus.
Was die Schäden kosten
Einen Überblick über ausgewählte Daten zu Wetter- und Klimaschäden in Österreich gibt ein Teilbericht der Studie COIN 2.0 vom Oktober 2026, verfasst von Fachleuten des Umweltbundesamts, des WIFO, des Wegener Centers der Universität Graz und der Gesundheit Österreich GmbH. Für 2017 bis 2024 kommt er auf Schäden und Verluste von durchschnittlich 3,7 Milliarden Euro im Jahr, in Preisen von 2025. Eingerechnet sind neben Sachschäden auch Todesfälle durch Hitze, Hochwasser, Muren und andere Massenbewegungen, Blitz und Sturm, in Geld bewertet. Die direkten Schäden an Vermögen, Infrastruktur und in der Landwirtschaft nennt der Bericht für einen kürzeren Zeitraum: durchschnittlich 1 Milliarde Euro im Jahr von 2019 bis 2024. Den Anteil der Todesfälle an den 3,7 Milliarden kann man deshalb nicht durch Abziehen ermitteln. Die Studie sieht in beiden eine Untergrenze. Schleichende Klimafolgen und Verluste an Ökosystemleistungen, also an dem, was die Natur für Menschen leistet, sind in diesen Zahlen nicht enthalten. Das Hochwasser 2024 fällt in beide Zeiträume, die Dürre 2026 in keinen.
Das Hochwasser vom 14. bis 21. September 2024 verursachte nach einer ersten Schätzung von WIFO, Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) und Complexity Science Hub Schäden von 1,3 Milliarden Euro, ohne Schäden an der Infrastruktur. Das Land Niederösterreich allein kommt mit Infrastruktur auf 1,07 Milliarden Euro, davon rund 817 Millionen bei Privatpersonen und Unternehmen. In den Hochwasserschutz fließen laut WIFO jedes Jahr rund 60 Millionen Euro.
Die Dürre 2026 kostete die Landwirtschaft nach einer Schätzung der Österreichischen Hagelversicherung vom 10. August rund 1 Milliarde Euro. Frost, Hagel, Sturm und Überschwemmung kamen mit weiteren 80 Millionen dazu.
Verwandte Auswertungen
- Ausgaben für den Naturschutzwie sich die Staatsausgaben seit 1995 entwickelt haben.
- Moore in Österreichwas der Wiederherstellungsplan für die Moore vorsieht.
- Grundwasser in Österreichwie viel Wasser da ist und wie viel gebraucht wird.
Woher die Daten kommen
Budgetdienst des Parlaments (2025): UG 43 – Umwelt, Klima und Kreislaufwirtschaft, Untergliederungsanalyse der Budgets 2025 und 2026. Biodiversitätsfonds S. 7 und S. 22 (Fußnote 9), Nationalparks S. 22. PDF.
Europäische Kommission (2025): Überprüfung der Umsetzung der Umweltpolitik 2025, Länderbericht Österreich, SWD(2025) 300 final vom 7. Juli 2025. Bedarf, Posten und laufende Finanzierung S. 49; Lücke S. 44 und S. 49–50. PDF.
Kletzan-Slamanig D., Köppl A., Sinabell F. u. a. (2022): Analyse klimakontraproduktiver Subventionen in Österreich. Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), Wien. Zahlen aus der Zusammenfassung, S. 3. Studie.
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (Landwirtschaftsministerium, BMLUK): Agrarumweltprogramm ÖPUL, abgerufen am 8. Oktober 2026.
WIFO, ASCII und Complexity Science Hub (2024): Floods Caused 1.3 Billion € in Damage, Meldung vom 8. Oktober 2024. Meldung.
Zibuschka F. (2025): Hochwasser September 2024 in Niederösterreich – Bericht und Empfehlungen. Land Niederösterreich, Juni 2025, S. 3–4. PDF.
Österreichische Hagelversicherung (2026): Rekord-Dürreschäden in der Landwirtschaft, Presseaussendung vom 10. August 2026. Aussendung.
Deubelli-Hwang T. M., Leitner M., Nabernegg S. u. a. (2026): Klima- und wetterbedingte Schäden in Österreich: Datenlage, Trends und Budgetwirkung. Teilbericht im Zuge der Studie COIN 2.0. Umweltbundesamt, WIFO, Wegener Center der Universität Graz, Gesundheit Österreich GmbH; Wien, Graz, 16. Oktober 2026. Zahlen S. 4 und 27. PDF.
Eurostat (2026): Staatsausgaben nach Aufgabenbereichen (COFOG), gov_10a_exp, Gruppe GF0504, Tabellenstand 16. September 2026.
Die Zahlen sind mit Quellenangabe zitiert, die Grafik ist eine eigene Darstellung.
Nächste Aktualisierung: mit dem nächsten Budget, dem nächsten Umweltprüfbericht der EU-Kommission und neuen Schadensbilanzen.
Zitieren und einbetten
Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Wer zahlt für die Natur? biodiversitaet-monitor.at/wer-zahlt/ · Daten: Budgetdienst, EU-Kommission, Eurostat, WIFO, Landwirtschaftsministerium, Land Niederösterreich, Hagelversicherung, Umweltbundesamt u. a. (COIN 2.0) · Datenstand 2022 bis 2026, Abruf 8. und 22. Oktober 2026
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Häufige Fragen
Wie viel Geld gibt Österreich für Naturschutz aus?
Je nach Zählung zwischen 5 Millionen und rund 400 Millionen Euro im Jahr. Der Biodiversitätsfonds des Bundes hat ab 2025 jährlich 5 Millionen Euro, der Staat insgesamt gab im Jahr 2024 125,3 Millionen Euro für Artenvielfalt und Landschaft aus. Die EU-Kommission schätzt die gesamte laufende Finanzierung auf 397 Millionen Euro im Jahr.
Wie viel bräuchte Österreich für die biologische Vielfalt?
Die EU-Kommission schätzt den Bedarf auf 1,3 Milliarden Euro im Jahr, zu Preisen von 2022. Die Lücke zur heutigen Finanzierung nennt ihr Bericht einmal mit 942 und einmal mit rund 855 Millionen Euro.
Wie hoch sind klimaschädliche Subventionen in Österreich?
Das WIFO nennt sie klimakontraproduktiv und beziffert sie auf 4,1 bis 5,7 Milliarden Euro im Jahr, vor allem im Verkehr und bei der Energie. Die Studie versteht den Wert als Untergrenze.
Was kosten Wetter- und Klimaschäden in Österreich?
Laut der Studie COIN 2.0 im Schnitt 3,7 Milliarden Euro im Jahr, gerechnet für 2017 bis 2024 und samt in Geld bewerteten Todesfällen, in Preisen von 2025. Die direkten Schäden an Vermögen, Infrastruktur und in der Landwirtschaft weist die Studie gesondert für 2019 bis 2024 aus: durchschnittlich 1 Milliarde Euro im Jahr. Zwei Ereignisse wurden einzeln geschätzt: Das Hochwasser im September 2024 verursachte laut WIFO, ASCII und Complexity Science Hub rund 1,3 Milliarden Euro Schäden, ohne Infrastruktur; es fällt in den Zeitraum der Studie. Die Dürre 2026 kostete die Landwirtschaft laut Hagelversicherung rund 1 Milliarde Euro.