Biodiversitätsmonitor › Schutzgebiete
Wie viel Fläche Österreichs steht unter Schutz?
Datenstand 2023, Abruf 11. September 2026
29,3 Prozent der Fläche Österreichs stehen unter Schutz — 24.609 Quadratkilometer, Stand 2023. Das ist derselbe Wert wie 2022 und wie 2021: Die Kurve steht seit drei Erhebungsjahren still. Zwischen 2011 und 2021 war sie um 1,8 Punkte gestiegen, seither um null.
Anteil der Landesfläche unter Schutz, 2011–2023
Was diese Zahl nicht sagt
Gezählt wird geschützte Fläche, nicht Schutz: Eine Nationalpark-Kernzone zählt so viel wie eine bewirtschaftete Kulturlandschaft, streng geschützt sind nur 2,9 Prozent des Landes. Das 30-Prozent-Ziel gilt der EU als Ganzes, nicht Österreich.
Dreizehn Jahre, zwei Phasen
Die Reihe beginnt 2011 bei 27,5 Prozent und endet 2023 bei 29,3. Über die ganze Strecke sind das 1,8 Prozentpunkte oder 1.500 Quadratkilometer. Als Jahresmittel wären das 0,15 Punkte. Nur ist die Reihe kein Mittelwert, sondern eine Folge von Sprüngen und Pausen, und sie zerfällt sauber in zwei Phasen des Anstiegs — und einen Stillstand.
| Jahr | Anteil | Fläche |
|---|---|---|
| 2011 | 27,5 % | 23.109 km² |
| 2012 | 27,9 % | 23.456 km² |
| 2013 | 28,0 % | 23.498 km² |
| 2014 | 28,0 % | 23.544 km² |
| 2015 | 28,1 % | 23.576 km² |
| 2016 | 28,1 % | 23.579 km² |
| 2017 | 28,1 % | 23.581 km² |
| 2018 | 28,2 % | 23.654 km² |
| 2019 | 28,9 % | 24.219 km² |
| 2020 | 29,0 % | 24.380 km² |
| 2021 | 29,3 % | 24.593 km² |
| 2022 | 29,3 % | 24.593 km² |
| 2023 | 29,3 % | 24.609 km² |
Phase eins, 2011 bis 2018: In acht Jahren steigt der Anteil um 0,7 Punkte, also um 545 Quadratkilometer. Drei Jahre in Folge — 2015, 2016, 2017 — stehen auf demselben gerundeten Wert von 28,1 Prozent; zwischen 2016 und 2017 kommen ganze zwei Quadratkilometer dazu. Wer die Kurve nur bis hierher kennt, hält den heutigen Stillstand für den Normalzustand.
Phase zwei, 2019 bis 2021: In drei Jahren kommen 1,1 Punkte dazu, mehr als in den acht Jahren davor. Allein 2019 springt der Wert um 0,7 Punkte und 565 Quadratkilometer — der größte Zuwachs der ganzen Reihe. Was diesen Sprung ausgelöst hat, sagen die Daten nicht; eine Ausweisungswelle, eine Neuvermessung bestehender Gebiete oder eine geänderte Meldepraxis sind daraus nicht zu unterscheiden.
Und dann nichts mehr. 2021, 2022 und 2023 stehen auf 29,3 Prozent. Die Kurve hat sich in drei Erhebungsjahren um keinen Zehntelpunkt bewegt.
Der Stillstand ist kein Meldeausfall
Bei einer Kurve, die drei Jahre lang exakt denselben Wert zeigt, ist der erste Verdacht immer derselbe: Da wird nichts mehr gemeldet, und die Reihe schreibt nur ihren letzten Stand fort. Hier lässt sich das ausschließen, und zwar an der Flächenspalte.
Die Prozentangabe steht seit 2021 still, die Quadratkilometer nicht ganz: 2021 und 2022 sind mit 24.593 km² identisch, 2023 stehen 24.609 km² in der Quelle. Sechzehn Quadratkilometer mehr. In Prozent der Landesfläche sind das rund 0,02 Punkte, also weniger als die Rundung auf eine Nachkommastelle sichtbar machen kann — der Anteil bleibt 29,3. Aber die Zahl hat sich bewegt, die Reihe wird also fortgeschrieben. Der Stillstand ist ein Befund über die Ausweisung, kein Artefakt der Datenpflege.
Wie die Zahlen zu lesen sind
Erstens: Gemessen wird Fläche, nicht Schutz. Die 29,3 Prozent zählen Quadratkilometer, die in irgendeiner Form unter einer Schutzbestimmung stehen — und behandeln dabei jeden Quadratkilometer gleich, egal wie streng er geschützt ist. Die Spanne ist groß: Von Österreichs geschützter Fläche sind 10,0 Prozent streng geschützt, gemessen an den beiden obersten Schutzstufen der IUCN (Weltnaturschutzunion), das sind 2,9 Prozent der Landesfläche. Wer „29,3 Prozent geschützt“ liest und daraus „29,3 Prozent unberührt“ macht, irrt um eine Größenordnung. Die Seite zur Strenge des Schutzes zerlegt die Fläche nach Schutzstufen.
Zweitens: Die Summe ist keine Erhebung, sondern eine Vereinigungsmenge. Zusammengezählt sind national ausgewiesene Gebiete und Natura-2000-Gebiete. Beides überlappt sich in der Fläche erheblich, weil ein Gebiet nach Landesrecht geschützt und zugleich nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) oder der Vogelschutzrichtlinie der EU gemeldet sein kann. Die Europäische Umweltagentur rechnet diese Überschneidungen heraus: Doppelt geschützte Fläche zählt einmal. Ohne diese Bereinigung wäre der Wert höher und würde nichts bedeuten. Wer die 29,3 Prozent auf die beiden Herkünfte aufteilen will, findet die Aufteilung auf der Seite zur Herkunft der geschützten Fläche — 15,4 Punkte kommen aus Natura 2000, 13,9 aus nationaler Ausweisung.
Drittens: Die Zielmarke ist ein Unionsziel. Die EU-Biodiversitätsstrategie 2030 nennt 30 Prozent geschützte Landfläche für die Union, nicht je Mitgliedstaat. Die EU-27 stehen bei 26,4 Prozent — Österreich liegt also über dem Unionsdurchschnitt, an dem das Ziel gemessen wird, und auf Platz 10 von 27. Neun Mitgliedstaaten liegen bereits über 30 Prozent. Die Marke in der Grafik ist deshalb als „EU-weites Ziel“ beschriftet. (Die österreichische Biodiversitäts-Strategie 2030+ nennt als eigenes Ziel, dass 30 Prozent der Landesfläche naturschutzrechtlich geschützt sind — Zehn-Punkte-Programm, S. 16.)
Verwandte Auswertungen
- Herkunft des Schutzesdieselbe Fläche, nach Rechtsgrundlage zerlegt: 15,4 Punkte Natura 2000, 13,9 Punkte national. Damit stehen 47,6 Prozent von Österreichs Schutzfläche (aus den ungerundeten Quellwerten gerechnet) nicht wegen einer EU-Richtlinie unter Schutz; im EU-Schnitt sind es 29,4 Prozent.
- Strenge des Schutzesdieselbe Fläche, nach IUCN-Stufen zerlegt: 2,9 Prozent der Landesfläche sind streng geschützt, also rund jeder zehnte geschützte Quadratkilometer.
- Bodenverbrauchdie Gegenbewegung bei derselben Größe, der Fläche: 6,5 Hektar pro Tag werden neu beansprucht, während die Schutzfläche seit 2021 stillsteht.
Woher die Daten kommen
Eurostat sdg_15_20 („Surface of the terrestrial protected areas“), Lieferant sind die Europäische Umweltagentur (EEA) und die Generaldirektion Umwelt (Eurostat-Metadaten sdg_15_20_esmsip2, Abschnitt 4.5 Source data: „European Environment Agency (EEA), European Commission – Directorate-General for Environment (DG ENV)“). Verwendet werden zwei Reihen: der Anteil in Prozent der Landesfläche und die Fläche in Quadratkilometern, jeweils für Österreich und für terrestrische Schutzgebiete. Die Reihe 2011–2023 ist vollständig und lückenlos.
Weiterverwendung: Der Datensatz wird von Eurostat geführt, erhoben hat ihn die Europäische Umweltagentur. Lizenz: Eurostat-Nutzungsbedingungen — frei verwendbar, sofern Eurostat als Quelle genannt und Änderungen kenntlich gemacht werden; die EEA gehört als Erheberin dazu. Die Jahreszuwächse, der Sprung 2019 und die Umrechnung von Prozentpunkten in Quadratkilometer sind gerechnet, nicht abgelesen.
Nächste Aktualisierung: Die Reihe endet mit dem Stichjahr 2023. Wann Eurostat einen Wert für 2024 nachträgt, ist nicht belegt und wird hier nicht geschätzt.
Die Zielmarken: Das EU-Ziel steht in der EU-Biodiversitätsstrategie für 2030, COM(2020) 380, Abschnitt 2.1: „mindestens 30 % der Landfläche und 30 % der Meere in der EU“. Das nationale Ziel steht in der Biodiversitäts-Strategie Österreich 2030+ (BMK, Wien 2022), Zehn-Punkte-Programm, S. 16: „30 % der Landesfläche ist naturschutzrechtlich geschützt“. Beide abgerufen am 7. Oktober 2026.
Zitieren und einbetten
Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Fläche unter Schutz. biodiversitaet-monitor.at/schutzgebiete/ · Daten: Eurostat sdg_15_20 (EEA / DG ENV) · Datenstand 2023
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Häufige Fragen
Wie viel Prozent Österreichs stehen unter Naturschutz?
29,3 Prozent der Landesfläche, das sind 24.609 Quadratkilometer (Stand 2023). Gezählt sind national ausgewiesene Schutzgebiete und Natura-2000-Gebiete zusammen, wobei Flächen, die beides sind, nur einmal zählen. 2011 waren es 27,5 Prozent.
Erreicht Österreich das 30-Prozent-Ziel bis 2030?
Die Frage lässt sich so nicht beantworten, weil die 30 Prozent der EU-Biodiversitätsstrategie der EU als Ganzes gelten, nicht jedem Mitgliedstaat. Österreich steht bei 29,3 Prozent, seit 2021 unverändert. Die EU-27 stehen bei 26,4 Prozent, Österreich liegt darüber und auf Platz 10 von 27; neun Mitgliedstaaten liegen bereits über 30 Prozent.
Seit wann wächst die Schutzfläche in Österreich nicht mehr?
Seit 2021. Die Jahre 2021, 2022 und 2023 stehen alle auf 29,3 Prozent. Davor war der Anteil zwischen 2011 und 2021 mit Pausen um 1,8 Punkte gestiegen, allein 2019 um 0,7 Punkte. Dass die Reihe weiterhin gepflegt wird, zeigt die Flächenspalte: 2023 kamen gegenüber 2022 noch 16 Quadratkilometer dazu — zu wenig, um die erste Nachkommastelle zu bewegen.
Wie viel davon ist streng geschützt?
Deutlich weniger, als die Gesamtzahl vermuten lässt: 2,9 Prozent der Landesfläche, also 10,0 Prozent der geschützten Fläche. Die 29,3 Prozent messen Fläche unter irgendeiner Schutzbestimmung, nicht Schutzintensität — ob ein Quadratkilometer in einer Nationalpark-Kernzone oder in einem Landschaftsschutzgebiet liegt, macht für die Zahl keinen Unterschied.