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Biodiversitätsmonitor › Boden

Wie viel Boden verbraucht Österreich pro Tag?

Datenstand 2025 (Versiegelung 2022), Abruf 24. August 2026

Österreich hat zwischen 2022 und 2025 im Mittel 6,5 Hektar Boden pro Tag neu in Anspruch genommen. In der Periode 2013–2016 waren es 14,7 Hektar — ein Rückgang um 55,8 Prozent. Der Rückgang ist echt, und er ändert nichts an der Richtung: Der beanspruchte Bestand ist zwischen 2022 und 2025 von 5.610,0 auf 5.681,2 Quadratkilometer gewachsen, das sind 6,8 Prozent der Landesfläche und 17,4 Prozent des Dauersiedlungsraums (des besiedelbaren Bodens). Ein niedrigerer Tageswert heißt: Die Fläche wächst langsamer. Er heißt nicht, dass Fläche zurückkommt.

Bodenverbrauch in vier Perioden

Was diese Zahl nicht sagt

Der Tageswert misst die Geschwindigkeit, nicht den Bestand. Ein fallender Balken heißt deshalb: Der beanspruchte Boden wächst langsamer. Er heißt nie, dass unter dem Strich Fläche zurückkommt — aus der Nutzung gefallene Flächen (2022–2025: 73 Hektar) sind schon abgezogen. Bodenverbrauch ist eine Bilanz, und ihr Saldo war in jeder Periode positiv.

Vier Perioden, ein Trend

Die Reihe fällt über alle vier Messperioden, und sie fällt ohne Ausreißer:

Periode Hektar pro Tag Jahre in der Periode
2013–2016 14,7 3 rund 16.108 ha
2016–2019 12,0 3 rund 13.149 ha
2019–2022 10,9 3 rund 11.944 ha
2022–2025 6,5 3 rund 7.122 ha

Spalte „in der Periode“ aus dem gerundeten Tageswert gerechnet; für 2022–2025 beträgt die Bestandsdifferenz laut ÖROK-Tabelle 7.087 Hektar (dazu „Ein fallender Balken heißt langsameres Wachstum“).

Die Werte sind Periodenmittel, keine Jahreswerte. „6,5 Hektar pro Tag“ gilt für 2022 bis 2025 als Ganzes, nicht für das Jahr 2025. Eine Linie würde die vier Messpunkte verbinden und damit Jahreswerte behaupten, die niemand erhoben hat. Ein Balken belegt eine Spanne, und genau eine Spanne ist gemeint.

Der größte einzelne Schritt liegt am rechten Rand: von 10,9 auf 6,5 Hektar, ein Minus von gut 40 Prozent innerhalb einer Periode, während die beiden vorherigen Schritte zusammen nur 3,8 Hektar ausmachen. Wer die Reihe zitiert, zitiert fast immer diesen letzten Schritt — und trifft damit genau die Stelle, an der die Erhebungsmethode gewechselt hat. Dazu „Ist der Rückgang belastbar?“.

Was Bodenverbrauch ist — und was mitgezählt wird

Der Fachbegriff der Quelle lautet Flächeninanspruchnahme. Gemeint ist Fläche, die dauerhaft für Siedlung, Verkehr, Freizeit, Ver- und Entsorgung oder Energieerzeugung beansprucht ist und damit für Landwirtschaft und Naturhaushalt ausfällt. Der Bestand 2025 verteilt sich so:

Wofür der Boden 2025 beansprucht war Anteil Fläche
Siedlung im Bauland 49,2 % 2.797 km²
Verkehr 30,4 % 1.725 km²
Siedlung außerhalb 11,9 % 677 km²
Freizeit und Erholung 5,6 % 320 km²
Ver- und Entsorgung 2,7 % 151 km²
Energie 0,2 % 9,3 km²

Die Flächen summieren sich auf rund 5.679 km², knapp unter dem Bestandswert von 5.681,2 km² — Rundung der Quelle. Der Bericht führt diese Aufteilung an zwei Stellen mit geringfügig abweichender Rundung; diese Seite folgt durchgängig der Fassung auf S. 9.

Zwei Dinge fallen an dieser Aufteilung auf. Erstens ist knapp jeder zweite beanspruchte Quadratmeter Siedlung im gewidmeten Bauland, aber weitere 11,9 Prozent sind Siedlung außerhalb jeder Baulandwidmung — Bebauung, die nicht über den Flächenwidmungsplan gesteuert wurde. Zweitens ist Verkehr mit 30,4 Prozent die zweitgrößte Position und damit größer als Freizeit, Ver- und Entsorgung und Energie zusammengenommen. Wofür genau, zeigt die Seite zu den Verkehrsflächen aus derselben Erhebung: Das Netz der Gemeinde- und sonstigen Straßen steht für neuneinhalbmal so viel Fläche wie alle Autobahnen und Schnellstraßen zusammen. Der Flächenfresser ist nicht die Autobahn, sondern das feine Netz darunter.

Die Position Energie ist mit 0,2 Prozent die kleinste der sechs und zugleich die neueste: Freiflächen-Photovoltaik und Windkraft werden erst seit dem Zyklus 2025 als eigene Klasse geführt. Wer die Debatte über den Flächenbedarf der Energiewende an dieser Zahl misst, misst sie an 9,3 Quadratkilometern — gegen 1.725 für den Verkehr.

Ein fallender Balken heißt langsameres Wachstum

Der Rückgang ist echt, die Fläche wächst trotzdem weiter. Der Grund: Der Tageswert misst nicht, wie viel Boden verbraucht ist, sondern wie schnell der verbrauchte Bestand zunimmt. Es ist eine Steigung, kein Stand. Die Rechnung geht nahezu auf: Der Bestand steigt laut Tabelle der ÖROK (Österreichische Raumordnungskonferenz) zwischen den Stichjahren 2022 und 2025 von 561.035 auf 568.121 Hektar, also um 7.087 Hektar — gerundet von 5.610,0 auf 5.681,2 Quadratkilometer. Verteilt auf drei Jahre sind das 6,47 Hektar am Tag, in der Kurzfassung des Berichts auf 6,5 gerundet. Das ist dieselbe Größe, zweimal ausgedrückt.

Daraus folgt die eigentliche Aussage, und sie ist unbequem: Die Reihe enthält in keiner Periode einen negativen Wert. Der Bestand ist zwischen zwei Stichjahren nie geschrumpft. Ein fallender Balken bedeutet deshalb nur, dass der Bestand langsamer wächst. Er bedeutet nicht, dass unter dem Strich Fläche zurückkommt, und er bedeutet auch nicht, dass der Zuwachs klein wäre: Rechnet man die vier Perioden zusammen, sind seit 2013 rund 48.300 Hektar oder 483 Quadratkilometer hinzugekommen — 8,5 Prozent des heutigen Bestands in zwölf Jahren. Ein Bodenverbrauch von null wäre ein Balken der Höhe null, und der kommt in der Reihe nicht vor.

Bodenverbrauch ist nicht Versiegelung

Die Quelle führt beide Größen, und sie sind nicht dasselbe. Versiegelt heißt: mit einer wasserundurchlässigen Schicht bedeckt. Beansprucht heißt: für Siedlung, Verkehr oder eine der übrigen Nutzungen (Freizeit, Ver- und Entsorgung, Energie) in Anspruch genommen. Die Versiegelung wird innerhalb der beanspruchten Fläche erhoben, ist also eine Teilmenge von ihr — und diese Teilmenge ist beziffert: 2.961 Quadratkilometer, das sind 52,8 Prozent der beanspruchten Fläche und 3,5 Prozent der Landesfläche. Knapp die Hälfte des beanspruchten Bodens ist demnach nicht versiegelt.

Dazu gehören zwei Vorbehalte. Der eine ist das Stichjahr: Die Inanspruchnahme liegt für 2025 vor, die Versiegelung nur für 2022 — sie wird aus Befliegungen abgeleitet und hinkt rund zwei Jahre nach. Die 52,8 Prozent sind deshalb der Anteil am Bestand 2022 von 5.610 km², nicht am Bestand 2025. Wer beide Werte in einem Satz nennt, nennt beide Jahre. Der andere Vorbehalt ist, dass es die Versiegelung nur für dieses eine Jahr gibt; die ÖROK schreibt ausdrücklich, aktualisierte Werte lägen für das Jahr 2022 vor. Eine Versiegelungsreihe existiert nicht, und ein Versiegelungsgrad der neu beanspruchten Flächen ist im Bericht nicht ausgewiesen — ob die 6,5 Hektar pro Tag zur Hälfte versiegelt werden, lässt sich damit nicht sagen.

Es kommt darauf an, wogegen man rechnet

Für den Anteil des beanspruchten Bodens kursieren zwei Zahlen, und beide sind richtig. Gegen die gesamte Landesfläche von rund 83.900 Quadratkilometern sind die 5.681,2 km² 6,8 Prozent. Gegen den Dauersiedlungsraum — jene 32.707 km² oder 39 Prozent des Bundesgebiets, die überhaupt dauerhaft besiedelbar sind, also ohne Fels, Gletscher, Steilhang und Hochwald — sind es 17,4 Prozent. Der Unterschied ist der Faktor 2,6, und er ist keine Feinheit: Aus „ein Fünfzehntel Österreichs“ wird „ein Sechstel des bewohnbaren Österreich“. Wer Österreich mit Flachlandstaaten vergleicht, muss den zweiten Nenner nehmen, sonst vergleicht er Alpen mit Marschland. Wie stark der Nenner wirkt, zeigt die Gemeindekarte der Flächeninanspruchnahme: Dort steht die Gemeindefläche im Nenner, und in Gemeinden mit viel Fels und Wald verschwindet die Bautätigkeit hinter der Topografie.

Ist der Rückgang belastbar?

Die Richtung ja, die Größe des letzten Schritts mit Vorbehalt. Zwischen den Perioden liegt ein dokumentierter Methodenwechsel: Bis 2021 stammte die Abschätzung aus der Digitalen Katastralmappe — der digitalen Grundstückskarte des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen (BEV) — und wurde vom Umweltbundesamt gerechnet, ab 2022 liegt das ÖROK-Monitoring zugrunde. Die Quelle sagt selbst, die beiden seien nicht eins zu eins vergleichbar. Der Sprung von 10,9 auf 6,5 Hektar fällt genau mit diesem Wechsel zusammen — wie viel davon auf die Methode entfällt, beziffert der Bericht selbst. Die Grafik auf S. 10 führt für 2022–2025 zwei Balken: 6,7 Hektar pro Tag nach der alten Abschätzung (mit Sternchen: inklusive Prognose für 2025) und 6,5 nach dem ÖROK-Monitoring. Der Methodenwechsel erklärt damit rund 0,2 Hektar pro Tag; die übrigen gut vier Hektar des Sprungs von 10,9 sind realer Rückgang. Eine Größe sind die vier Balken deshalb trotzdem nicht: Die ersten drei stammen laut Legende aus der alten Abschätzung über die Digitale Katastralmappe (Quelle: BEV), nur der vierte aus dem ÖROK-Monitoring. Die Reihe steht deshalb als vier getrennte Balken, nicht als durchgezogene Kurve.

Zwei weitere Grenzen der Reihe gehören dazu. Ältere Werte als 2013–2016 nennt der Bericht nicht; früher zirkulierende Tageswerte beruhen auf der alten Methode und lassen sich an diese Reihe nicht anhängen. Und die Reihe ist grob getaktet: vier Werte für zwölf Jahre, weil der Monitoringzyklus drei Jahre beträgt. Ein einzelnes Jahr mit auffällig viel oder wenig Bautätigkeit ist in dieser Auflösung nicht sichtbar.

Was die Grafik zeigt: wie schnell Österreich Boden verbraucht und wie sich dieses Tempo über vier Perioden entwickelt hat. Was sie nicht zeigt: wo das passiert — das steht auf der Gemeindekarte der Flächeninanspruchnahme — und wie viel Verbrauch bereits als Bauland gewidmet und damit rechtlich zugesagt ist. Das steht bei den Baulandreserven je Bundesland.

Verwandte Auswertungen

  • Verbaute Fläche je Gemeindedieselbe Größe, eine Ebene tiefer: 6,8 Prozent im Bundesschnitt, je nach Gemeinde zwischen 0,2 und 79 Prozent, Median 7,7 Prozent. Diese Seite zeigt die Entwicklung, jene den Stand — eine Veränderungskarte je Gemeinde gibt es nicht, weil die Gemeindewerte für Veränderungen nicht valide sind.
  • Baulandreservendieselbe Erhebung, die Frage danach: 630,7 km² gewidmetes Bauland sind noch nicht bebaut, knapp jeder fünfte gewidmete Quadratmeter. Zwischen 2022 und 2025 kamen 4.819 ha bebaute Grundstücke im Bauland dazu — und 2.474 ha neu gewidmetes Bauland.
  • Verkehrsflächendie 30,4 Prozent aus „Was Bodenverbrauch ist — und was mitgezählt wird“ aufgeschlüsselt: Gemeinde- und sonstige Straßen 104.292 ha, Autobahnen und Schnellstraßen 10.990 ha.

Woher die Daten kommen

ÖROK (2025): Flächeninanspruchnahme und Versiegelung in Österreich — Bericht zu den Ergebnissen 2022 und 2025. ÖROK-Schriftenreihe Nr. 220, Wien, Dezember 2025. Abgerufen am 24. August 2026. Die Zahlen sind aus dem Bericht abgeschrieben.

Ein Widerspruch in der Quelle: Die Atlas-Seite Flächeninanspruchnahme nennt für die Versiegelung 2022 2.907 km², die Seite Versiegelung 2.961 km² (beide ÖROK-Atlas, Datenstand 1. Dezember 2025; der Monitoring-Bericht selbst führt die 2.907 nicht). 2.961 km² sind 52,8 Prozent von 5.610 km², wie der Bericht es angibt; 2.907 km² wären 51,8 Prozent — die 2.961 sind richtig, die 2.907 sind ein Fehler der Quelle. Diese Seite verwendet 2.961 km². Fundstellen: ÖROK-Atlas, Indikator Flächeninanspruchnahme (oerok-atlas.at/indikator-uebersicht/siedlungsraum/flaecheninanspruchnahme): „52,8% der Flächen versiegelt (das sind im Jahr 2022 insgesamt 2.907 km²)“; Indikator Versiegelung (oerok-atlas.at/indikator-uebersicht/siedlungsraum/versiegelung): „52,8% der in Anspruch genommenen Fläche vollständig versiegelt (2.961 km²)“; beide „Datenstand ist der 01.12.2025“, abgerufen am 7. Oktober 2026.

Weiterverwendung: Der Bericht selbst nennt keine Lizenz. Das Impressum der ÖROK erlaubt Download und Kopie mit Quellenangabe; jede weitergehende Verwertung bedarf der schriftlichen Zustimmung. Dieselben Zahlen liegen als offener Datensatz unter CC BY 4.0 vor — diese Seite zitiert jedoch den Bericht. Der Rückgang in Prozent, die Hektarsumme seit 2013 und die Kategorienanteile dieser Seite sind gerechnet, nicht abgelesen.

Nächste Aktualisierung: Der Monitoringzyklus läuft dreijährig. Die ÖROK nennt auf ihrer Methodikseite als zweiten Veränderungszeitraum 2025–2028 und schreibt, mit dem Jahr 2028 seien „umfassende und empirisch gestützte Aussagen möglich, ob bzw. in welchem Ausmaß die Flächeninanspruchnahme zu- oder abnimmt“ (oerok.gv.at/monitoring-flaecheninanspruchnahme/methodik, Abschnitt „Ausblick“, abgerufen am 7. Oktober 2026). Bis dahin ändert sich die Zahl nicht.

Zitieren und einbetten

Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Bodenverbrauch in Österreich. biodiversitaet-monitor.at/bodenverbrauch/ · Daten: ÖROK-Schriftenreihe Nr. 220 (2025) · Datenstand 2025 (Versiegelung 2022)

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Häufige Fragen

Wie viel Boden verbraucht Österreich pro Tag?

Im Mittel der Jahre 2022 bis 2025 waren es 6,5 Hektar pro Tag. In der Periode 2013–2016 waren es 14,7 Hektar, der Rückgang beträgt 55,8 Prozent. Der Wert ist ein Periodenmittel, kein Jahreswert: Er gilt für den Zeitraum als Ganzes, nicht für das Jahr 2025.

Was ist Bodenverbrauch?

Der Fachbegriff lautet Flächeninanspruchnahme. Gezählt wird Fläche, die dauerhaft für Siedlung, Verkehr, Freizeit und Erholung, Ver- und Entsorgung oder Energieerzeugung beansprucht ist. In Österreich sind das 5.681,2 km² (Stand 2025) — 6,8 Prozent der Landesfläche und 17,4 Prozent des Dauersiedlungsraums. Knapp die Hälfte davon entfällt auf Siedlung im gewidmeten Bauland, knapp ein Drittel auf Verkehr.

Was ist der Unterschied zwischen Bodenverbrauch und Versiegelung?

Versiegelt ist Boden, der mit einer wasserundurchlässigen Schicht bedeckt ist — beansprucht ist er schon dann, wenn er für Siedlung, Verkehr oder eine der anderen Nutzungen in Anspruch genommen wurde. Die Versiegelung ist eine Teilmenge des Bodenverbrauchs: 2.961 km² oder 52,8 Prozent der beanspruchten Fläche, das sind 3,5 Prozent der Landesfläche. Achtung beim Stichjahr — die Inanspruchnahme liegt für 2025 vor, die Versiegelung nur für 2022.

Sinkt der Bodenverbrauch in Österreich?

Das Tempo sinkt, die Fläche nicht. Der Tageswert ist die Zunahme des beanspruchten Bestands, und er war in keiner der vier Perioden negativ: Der Bestand wuchs von 5.610,0 km² (2022) auf 5.681,2 km² (2025). Ein fallender Wert heißt, dass die beanspruchte Fläche langsamer wächst — nicht, dass sie schrumpft.