Skip to main content

Biodiversitätsmonitor › Boden

Wie viel Fläche brauchen Österreichs Straßen?

Datenstand 2025, Abruf 9. September 2026

Für Verkehr sind in Österreich 172.820 Hektar in Anspruch genommen — 30,4 Prozent der gesamten verbauten und beanspruchten Fläche. Der größte Einzelposten darin sind nicht die Autobahnen, sondern Gemeinde- und sonstige Straßen mit 104.292 Hektar. Alle Autobahnen und Schnellstraßen zusammen kommen auf 10.990 Hektar. Das feine Netz beansprucht damit neuneinhalbmal so viel Fläche wie das Fernnetz, über das gestritten wird.

Verkehrsfläche nach Art

Was diese Zahl nicht sagt

Gemessen ist Fläche, nicht Versiegelung, nicht Verkehr und nicht Bedarf: Wie viel Boden unter den Straßen abgedichtet ist und wie viel Verkehr sie tragen, steht nicht in den Daten. Die Grafik zeigt einen Zustand; Veränderungen auf Gemeindeebene sind laut Umweltbundesamt derzeit nicht valide.

Knapp ein Drittel der beanspruchten Fläche ist Verkehr

Österreich hat zum Stand 2025 insgesamt 568.996 Hektar Fläche in Anspruch genommen, also 5.690,0 Quadratkilometer oder 6,78 Prozent des Staatsgebiets. Von diesem Bestand entfallen 172.820 Hektar auf Verkehr. Damit ist Verkehr nach der Siedlungsfläche im Bauland die zweitgrößte der sechs Klassen, die der Datensatz kennt, und er ist größer als alle übrigen vier zusammen. Wer über Bodenverbrauch spricht, spricht zu einem knappen Drittel über Straßen, Schienen und Rollfelder.

Die interessantere Zahl steht eine Ebene tiefer. Der Datensatz führt den Verkehr nicht als Block, sondern in fünf Arten, und diese fünf Arten sind extrem ungleich groß:

Art Hektar Anteil am Verkehr Anteil an der Inanspruchnahme Bezeichnung in der Quelle
Gemeinde- und sonstige Straßen 104.292 60,3 % 18,3 % Gemeinde- und sonstige Straßen
Landesstraßen (B und L) 42.875 24,8 % 7,5 % Landesstraße B+L
Schiene 12.700 7,3 % 2,2 % Schiene
Autobahnen und Schnellstraßen 10.990 6,4 % 1,9 % Autobahn und Schnellstraße
Flughäfen 1.964 1,1 % 0,3 % Flughafen
Verkehr gesamt 172.820 100,0 % 30,4 % —

Spalte „Anteil am Verkehr“ einzeln gerundet; die fünf Anteile summieren sich auf 99,9 Prozent, die Summenzeile zeigt die Gesamtfläche (100 Prozent).

Drei Dinge fallen an dieser Tabelle auf. Erstens: Der oberste Balken ist größer als die vier darunter zusammen — 60,3 Prozent gegen 39,7. Zweitens: Straßen aller drei Kategorien machen zusammen 158.157 Hektar aus, also 91,5 Prozent der gesamten Verkehrsfläche; Schiene und Flughäfen sind gemeinsam ein Zwölftel. Drittens, und das ist der Kern der Seite: Die Gemeindestraßen allein sind fast doppelt so groß wie Autobahnen und Landesstraßen zusammengenommen — Faktor 1,9 —, und gegenüber den Autobahnen und Schnellstraßen allein steht Faktor 9,5.

Warum das feine Netz so schwer wiegt

Die Grafik erklärt den Befund nicht, sie zeigt ihn. Die naheliegende Erklärung ist die Länge: Ein Autobahnkilometer ist breit, aber es gibt wenige davon; ein Gemeindestraßenkilometer ist schmal, aber es gibt sehr viele. Genau diese Erklärung lässt sich mit dem vorliegenden Datensatz nicht belegen, weil er keine Straßenlängen führt. Er führt Flächen, sonst nichts. Was sich sagen lässt, ist die Konsequenz: Unabhängig davon, wie das Verhältnis zustande kommt, liegt die Fläche dort, wo über sie nicht verhandelt wird. Eine Autobahntrasse ist ein Verfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung, Anrainerbeteiligung und Medienöffentlichkeit. Eine Gemeindestraße, eine Zufahrt, ein Wirtschaftsweg ist eine kommunale Entscheidung, und die Summe dieser Entscheidungen ist der größte Einzelposten der österreichischen Verkehrsfläche.

Für die Biodiversität ist genau diese Verteilung die relevante, denn sie beschreibt Zerschneidung. Eine große zusammenhängende Fläche und dieselbe Fläche als feines Netz über das ganze Land verteilt sind ökologisch nicht dasselbe. Der Datensatz erlaubt diese Aussage allerdings nur der Richtung nach: Er misst Fläche je Nutzungsart, nicht Zerschneidungsdichte, und ein Zerschneidungsindikator liegt hier nicht vor.

Was „Flächeninanspruchnahme“ bedeutet

Der Fachbegriff heißt Flächeninanspruchnahme, und er ist weiter als das umgangssprachliche „verbaut“. Erfasst ist die Fläche, die für Siedlung, Verkehr, Freizeit, Ver- und Entsorgung sowie neuerdings für Freiflächen-Photovoltaik und Windkraft dauerhaft in Anspruch genommen ist — unabhängig davon, ob sie versiegelt ist. Ein Straßenbankett, ein Schotterweg und ein Grünstreifen zwischen zwei Fahrbahnen zählen mit, obwohl unter ihnen Boden liegt, durch den Wasser sickert. Die Versiegelung ist eine eigene, kleinere Größe: Über den gesamten Bestand gerechnet sind rund 52,8 Prozent der Inanspruchnahme versiegelt, das entspricht 2.961 Quadratkilometern — allerdings zum Stand 2022 und ohne Aufschlüsselung nach Nutzungsart.

Der Datensatz kennt sechs Klassen. Verkehr zerfällt in die fünf Arten, die diese Seite zeigt. Zum Vergleich der Rest: Siedlung innerhalb der Baulandwidmung 280.231 Hektar, Siedlung außerhalb 67.876, Freizeit und Erholung 32.073, Ver-, Entsorgungs- und Abbauflächen 15.062, Freiflächen-PV und Windkraft 934 Hektar. Die letzte Klasse ist 2025 neu — und sie ist mit 0,16 Prozent der Inanspruchnahme so klein, dass allein die Abbauflächen (12.108 Hektar) das Dreizehnfache ausmachen. Wer den Flächenverbrauch der Energiewende gegen den des Verkehrs stellt, vergleicht 934 Hektar mit 172.820.

Wie die Zahlen zu lesen sind

Erstens: Gemessen ist Fläche, nicht Versiegelung. Der Datensatz führt keine Versiegelung; der Versiegelungsgrad ist ein eigener Datensatz auf Basis 2022. Aus den 104.292 Hektar Gemeindestraßen lässt sich deshalb nicht ableiten, wie viel Boden darunter tatsächlich abgedichtet ist — und die Vermutung, dass sich der versiegelte Anteil zwischen Autobahn und Wirtschaftsweg unterscheidet, ist mit diesen Daten weder zu belegen noch zu widerlegen.

Zweitens: Gemessen ist Fläche, nicht Verkehrsleistung. Der Datensatz führt keine Fahrleistung, keine Zählstellen und keine Tonnenkilometer. Autobahn und Gemeindestraße stehen in dieser Auswertung mit ihrer Fläche nebeneinander und mit nichts sonst. Dass eine hochrangige Straße ein Vielfaches des Verkehrs einer Gemeindestraße trägt, ist plausibel und wäre für die Einordnung wichtig — in den hier verwendeten Daten steht es nicht.

Drittens: Gemessen ist Fläche, nicht Notwendigkeit. Die Zahlen sagen nichts darüber, ob eine Fläche gebraucht wird. Ein dichtes Gemeindestraßennetz erschließt Betriebe, Höfe und Ortsteile; es ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen außerhalb der Zentren wohnen. Die Grafik zeigt einen Flächenbedarf und keine Fehlplanung. Sie taugt dazu, die Debatte an die Stelle zu bringen, an der die Fläche wirklich liegt — nicht dazu, eine Kategorie für überflüssig zu erklären.

Viertens: Gemessen ist ein Zustand, nicht eine Entwicklung. Das Umweltbundesamt hat für diesen Datensatz eine ausdrückliche Auflage erteilt: Es weist ihn als Zustandskarte aus; die Veränderungen 2022–2025 sind auf Gemeindeebene derzeit nicht valide. Diese Seite zeigt ohnehin keine Zeitreihe — siehe „Warum es hier keine Zeitreihe gibt“ —, aber der Vorbehalt gehört auch hierher.

Warum es hier keine Zeitreihe gibt

Das Monitoring der ÖROK (Österreichische Raumordnungskonferenz) erhebt in einem dreijährigen Zyklus: Referenzjahr 2022 (veröffentlicht Ende 2023), erster vollständiger Zyklus 2022–2025; der Bericht zum Stand 2025 ist im Dezember 2025 erschienen. Eine Vorperiode existiert (2022), und die Tageswerte des Bodenverbrauchs zeigen sie auch — 10,9 Hektar pro Tag zwischen 2019 und 2022 gegenüber 6,5 zwischen 2022 und 2025. Für die Aufteilung nach Verkehrsarten liegt aber nur der Stand 2025 vor, ein einzelner Schnappschuss. Eine Veränderungsreihe je Verkehrsart müsste aus dem Vorzyklus neu gerechnet werden, und dafür gilt zusätzlich die Auflage aus „Wie die Zahlen zu lesen sind“. Die Seite zeigt deshalb einen Bestand und behauptet keinen Trend.

Was die Gemeindewerte dazu sagen

Die Aufteilung in fünf Verkehrsarten gibt es nur bundesweit. Der Verkehr als Ganzes ist dagegen für jede der 2.092 Gemeinden im Datensatz ausgewiesen, und seine Verteilung ist eine eigene Beobachtung: Im Median entfallen 31,5 Prozent der beanspruchten Fläche einer Gemeinde auf Verkehr, was den Bundeswert von 30,4 Prozent gut trifft. Die Spanne reicht von 7,8 Prozent bis 77,1 Prozent. In 479 der 2.092 Gemeinden ist Verkehr die größte Flächenklasse überhaupt, in 1.546 ist es die Siedlung im Bauland. Wien liegt mit 23,1 Prozent deutlich unter dem Median.

Wie sich der Verkehrsanteil räumlich verteilt, zeigt die Gemeindekarte der Flächeninanspruchnahme.

Verwandte Auswertungen

  • Verbaute Fläche je Gemeinde2.092 Gemeinden zwischen 0,2 und 79 Prozent. Diese Seite sagt, wofür die Fläche verwendet wird; jene, wo sie liegt.
  • Bodenverbrauchdas Tempo statt des Bestands: 6,5 Hektar pro Tag (2022–2025), gegenüber 14,7 in der Periode 2013–2016. Dort steht der Verkehr als eine von sechs Kategorien mit denselben 30,4 Prozent, aus dem ÖROK-Bericht übernommen.
  • Baulandreserven4.819 Hektar bebaut gegenüber 2.474 Hektar neu gewidmet: die Fläche, die noch nicht beansprucht ist, aber schon dafür vorgesehen.

Woher die Daten kommen

Grundlage ist der offene Geodatensatz (GeoPackage) der Flächeninanspruchnahme 2025 des Umweltbundesamts, veröffentlicht im Katalog offener Daten (data.gv.at: Datensatz „ÖROK-Monitoring Flächeninanspruchnahme 2025 (Stand Berechnungsjahr 2025)“, Kennung 46f43f1c-1f8e-47eb-8526-bb0e683361b5, Herausgeber Umweltbundesamt GmbH, Stand 1. Dezember 2025, abgerufen am 7. Oktober 2026). Die Zuordnung zur Gemeinde ist darin als Gemeindekennziffer enthalten; die Summen je Klasse sind daraus gerechnet, nicht abgelesen. Die Klassenbezeichnungen stammen aus der Code-Liste, die dem Datensatz als Excel-Datei beiliegt (FI_Codes_GIS_Stand_OGD_2025_12_01.xlsx; im Infoblatt der ÖROK zu den GIS-Datensätzen, Dezember 2025, S. 3 als „FI_OGD_Codes als begleitendes EXCEL-file“ geführt).

Vergleich mit der Veröffentlichung der ÖROK — Schriftenreihe Nr. 220 vom Dezember 2025, die auch der Seite zum Bodenverbrauch je Tag zugrunde liegt: Alle sechs Klassen treffen auf weniger als ein halbes Prozent genau, der Gesamtbestand auf 0,15 Prozent (5.690,0 gegen 5.681,2 Quadratkilometer); der Bundesanteil fällt mit 6,78 Prozent gegen die berichteten 6,8 Prozent zusammen. Der Prozentsatz 30,4 für den Verkehr ist damit nicht nur eine eigene Rechnung, sondern die amtliche Zahl, unabhängig reproduziert.

Weiterverwendung: Der Datensatz steht im Katalog offener Daten (data.gv.at) unter CC BY 4.0, herausgegeben vom Umweltbundesamt aus dem ÖROK-Monitoring. Die Quellenangabe genügt. Für die ÖROK-Publikation selbst gilt das Impressum der ÖROK: Download und Kopie sind mit Quellenangabe gestattet, jede weitergehende Verwertung bedarf der schriftlichen Zustimmung (oerok.gv.at/impressum). Die Anteile der Verkehrsarten sind aus den Hektarwerten gerechnet, nicht abgelesen.

Nächste Aktualisierung: Der Monitoringzyklus ist dreijährig, der letzte Stand 2025.

Zitieren und einbetten

Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Verkehrsflächen nach Art. biodiversitaet-monitor.at/verkehrsflaechen/ · Daten: Umweltbundesamt, Flächeninanspruchnahme 2025 (OGD) · Datenstand 2025

Herunterladen

Daten als JSON

Häufige Fragen

Wie viel Fläche brauchen Österreichs Straßen?

Straßen aller Kategorien beanspruchen in Österreich 158.157 Hektar, also rund 1.582 Quadratkilometer. Das sind 91,5 Prozent der gesamten Verkehrsfläche von 172.820 Hektar; der Rest entfällt auf Schiene (12.700 ha) und Flughäfen (1.964 ha). Der Verkehr insgesamt macht 30,4 Prozent der beanspruchten Fläche Österreichs aus. Stand der Daten ist 2025.

Brauchen Autobahnen oder Gemeindestraßen mehr Fläche?

Gemeinde- und sonstige Straßen mit deutlichem Abstand: 104.292 Hektar gegenüber 10.990 Hektar für alle Autobahnen und Schnellstraßen zusammen — das 9,5-Fache. Auch gegenüber Autobahnen und Landesstraßen gemeinsam beanspruchen die Gemeindestraßen noch fast das Doppelte. Der Datensatz misst allerdings nur Fläche: Er sagt nichts darüber, wie viel Verkehr auf diesen Flächen abgewickelt wird, und nichts darüber, wie viel davon versiegelt ist.

Was ist Flächeninanspruchnahme?

Die dauerhaft für Siedlung, Verkehr, Freizeit, Ver- und Entsorgung sowie Energieanlagen beanspruchte Fläche — unabhängig davon, ob sie versiegelt ist. Österreich kommt zum Stand 2025 auf 5.690 Quadratkilometer oder 6,78 Prozent des Staatsgebiets. Versiegelt ist davon rund die Hälfte (52,8 Prozent, Stand 2022). Bankette, Schotterwege und Grünstreifen zählen zur Inanspruchnahme, nicht zur Versiegelung.

Wie viel Fläche brauchen Photovoltaik und Windkraft?

Freiflächen-Photovoltaik (632 ha) und Windkraft (301 ha) beanspruchen zusammen rund 934 Hektar (die Summe ist aus den ungerundeten Werten gerechnet; der ÖROK-Bericht nennt für die Klasse 932 Hektar), also 0,16 Prozent der beanspruchten Fläche Österreichs. Zum Vergleich: Die Abbauflächen allein sind mit 12.108 Hektar das Dreizehnfache, die Gemeindestraßen mehr als das Hundertfache. Die Klasse ist im Monitoring 2025 neu.