Wie viel unbebautes Bauland gibt es in Österreich?
Datenstand ÖROK-Monitoring 01.12.2025, Referenzjahre 2022 und 2025, Abruf 9. September 2026
Österreich hat 321.301 Hektar Bauland gewidmet — 3.213 Quadratkilometer. 63.070 Hektar davon sind noch nicht bebaut, das sind 19,6 Prozent oder 630,7 Quadratkilometer. Diese Reserve ist seit 2022 um 2.304 Hektar geschrumpft — um weniger als die Hälfte dessen, was bebaut wurde: Bebaut wurden in diesen drei Jahren 4.819 Hektar, gleichzeitig kamen 2.474 Hektar neu gewidmetes Bauland dazu. Auf 100 Hektar bebautes Land kamen rund 51 Hektar neue Widmung.
Bebaut gegen neu gewidmet, je Bundesland
Was diese Zahl nicht sagt
Zwischen 2022 und 2025 hat sich die Methode geändert; die Differenz mischt Bautätigkeit mit einer strengeren Definition, und wie groß jeder Anteil ist, ist nicht belegt. Gewidmete Reserve heißt nicht verfügbar: Die 63.070 Hektar sind ein Rechtsbestand, kein Bauplatzangebot.
Was eine Baulandreserve ist
Baulandreserve heißt: als Bauland gewidmet, aber noch nicht mit einem Hauptgebäude bebaut. Es ist ein Rechtsstand, kein Naturzustand. Die Fläche kann eine Wiese sein, ein Acker, ein Schotterplatz oder ein Garten — was sie zur Reserve macht, ist der Beschluss einer Gemeinde, dass hier gebaut werden darf. Umgekehrt ist nicht jede unbebaute Fläche eine Reserve: Wo keine Widmung liegt, taucht sie in dieser Erhebung gar nicht auf.
Das erklärt eine Eigenheit der Zahl, die auf den ersten Blick verwirrt. Baulandreserven zählen zur Flächeninanspruchnahme, sofern sie nicht landwirtschaftlich genutzt oder bewaldet sind — gewidmetes, aber leeres Land gilt also bereits als in Anspruch genommen, auch wenn dort nie ein Bagger stand. Wie groß der landwirtschaftlich genutzte Teil der Reserve ist, lässt sich aus der Gemeindeauswertung derselben Erhebung beziffern: 49,1 Prozent — knapp die Hälfte der 63.070 Hektar Reserve wird heute als Acker oder Wiese genutzt.
Der zweite Begriff, der zur Zahl gehört, ist das Bauland selbst. Gemeint ist durchgehend das Monitoring-Bauland ohne Verkehrsflächen und ohne innere Erschließung: Straßen, Wege und Leitungstrassen innerhalb eines Baugebiets zählen nicht mit. Die Rechnung steht in der Quelle selbst — 332.889 Hektar Gesamtfläche minus 11.587 Hektar Verkehrsfläche ergeben die 321.301 Hektar, über die diese Seite spricht.
Warum der sinkende Anteil nichts beweist
Die Quelle liefert eine Kennzahl fertig mit: den Anteil der Reserve am gewidmeten Bauland. Er ist von 20,5 auf 19,6 Prozent gefallen, und er ist in allen neun Bundesländern gefallen — in Burgenland von 31,7 auf 29,8, in Wien von 7,1 auf 6,6 Prozent. Diese Zahl ist die verlockendste der ganzen Erhebung, und sie ist als Aussage über Raumordnung fast wertlos.
Ein Anteil hat zwei Enden. Er kann fallen, weil der Zähler kleiner wird — weil also Reserve verbaut wird und der Vorrat zur Neige geht. Er kann aber ebenso fallen, weil der Nenner wächst, weil laufend neues Bauland dazukommt, gegen das die gleich groß gebliebene Reserve dann kleiner aussieht. Beide Bewegungen liefern dieselbe sinkende Prozentzahl, und beide bedeuten das Gegenteil voneinander. In Österreich sind zwischen 2022 und 2025 tatsächlich beide eingetreten: Der Zähler fiel um 2.304 Hektar, der Nenner stieg um 2.474 Hektar. Wer den Anteil allein zeigt, zeigt die Summe zweier gegenläufiger Vorgänge und nennt keinen von beiden.
Deshalb zeigt die Grafik die beiden Bewegungen und nicht den Anteil: Die Bewegung selbst ist die Aussage, nicht ihr Quotient.
Die Bilanz, in vier Zeilen
Die Erhebung teilt das gewidmete Bauland in drei Mengen: bebaute Grundstücke, nicht bebaubare Grundstücke und die Reserve. Für Österreich sieht die Veränderung so aus (Hektar):
| 2022 | 2025 | Veränderung | |
|---|---|---|---|
| bebaute Grundstücke | 248.580,8 | 253.400,2 | +4.819,4 |
| nicht bebaubare Grundstücke | 4.872,4 | 4.831,2 | −41,2 |
| Baulandreserve | 65.374,1 | 63.070,0 | −2.304,1 |
| gewidmetes Bauland gesamt | 318.827,3 | 321.301,4 | +2.474,1 |
Das Gesamt ist die Summe der drei Teilmengen, also muss auch die Veränderung aufgehen. Rechnerisch: 4.819,4 − 41,2 − 2.304,1 = 2.474,1.
Aus der Bilanz folgt die Aussage der Seite. In drei Jahren sind 4.819 Hektar bebaut worden, eine Fläche von rund 48 Quadratkilometern. Die Reserve ist dabei nur um 2.304 Hektar gefallen, also um weniger als die Hälfte davon, weil im selben Zeitraum 2.474 Hektar neu gewidmet wurden. Das Verhältnis der beiden Zahlen ist die eine Kennzahl, die diese Seite trägt: 51 Hektar neue Widmung auf 100 Hektar Verbauung. Rund die Hälfte dessen, was verbaut wurde, ist am anderen Ende wieder in den Vorrat gelegt worden.
Was die Daten nicht hergeben: dass die 4.819 bebauten Hektar aus der Reserve von 2022 stammen. Das ist eine Bilanz zwischen zwei Stichtagen, keine Nachverfolgung einzelner Grundstücke. Gebaut werden kann auch auf Land, das erst 2023 gewidmet wurde. Deshalb heißen die Balken „Zuwachs an bebauter Fläche“ und „Zuwachs an gewidmetem Bauland“, nicht „verbaute Reserve“.
Neun Bundesländer, zwei Enden
Die Bilanz ist bundesweit fast ausgeglichen — je Bundesland ist sie es nicht:
| bebaut dazu | neu gewidmet | je 100 ha bebaut | Reserve 2025 | Anteil 2025 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Niederösterreich | 1.224,7 ha | 420,0 ha | 34 ha | 17.855,3 ha | 20,5 % |
| Steiermark | 1.019,5 ha | 897,0 ha | 88 ha | 12.274,0 ha | 21,9 % |
| Oberösterreich | 974,4 ha | 435,3 ha | 45 ha | 10.520,3 ha | 17,6 % |
| Burgenland | 470,5 ha | 26,0 ha | 6 ha | 6.876,5 ha | 29,8 % |
| Kärnten | 383,6 ha | 301,5 ha | 79 ha | 7.078,6 ha | 21,2 % |
| Tirol | 338,8 ha | 207,2 ha | 61 ha | 3.229,0 ha | 15,0 % |
| Salzburg | 172,0 ha | 115,0 ha | 67 ha | 1.824,3 ha | 13,4 % |
| Vorarlberg | 118,6 ha | 40,7 ha | 34 ha | 2.444,7 ha | 20,4 % |
| Wien | 117,2 ha | 31,2 ha | 27 ha | 967,2 ha | 6,6 % |
| Österreich | 4.819,3 ha | 2.474,0 ha | 51 ha | 63.070,0 ha | 19,6 % |
„Neu gewidmet“ ist die Veränderung des gesamten gewidmeten Baulands zwischen den beiden Ständen — dieselbe Größe wie „Zuwachs an gewidmetem Bauland“ in der Grafik. Die Österreich-Zeile weicht von der Bilanz oben um 0,1 Hektar ab (Rundung).
Die Spanne reicht von 6 bis 88 Hektar neuer Widmung je 100 verbauter Hektar, und die beiden Enden sind aufschlussreich, weil sie nicht dort liegen, wo man sie vermuten würde. Burgenland hat den größten Reserveanteil des Landes und lebt sichtbar von ihm: 470 Hektar bebaut, 26 Hektar nachgewidmet — hier schrumpft der Vorrat wirklich, und zwar um 433 Hektar oder knapp ein Fünftel des österreichischen Reserverückgangs, bei nicht einmal einem Zehntel der Bautätigkeit (die Differenz zu den beiden Tabellenspalten ist die dritte Bilanzzeile, die nicht bebaubaren Grundstücke). Die Steiermark verbaut mehr als das Doppelte und ersetzt fast alles davon; ihre Reserve fällt um 117 Hektar, obwohl 1.020 Hektar bebaut wurden.
Wien fällt aus einem anderen Grund auf. Mit 6,6 Prozent hat es den mit Abstand kleinsten Reserveanteil — 967 Hektar. Dass eine dicht bebaute Stadt wenig unbebautes Bauland führt, ist erwartbar; bemerkenswert ist, dass Wiens absoluter Bauzuwachs mit 117 Hektar der kleinste aller Bundesländer ist, kleiner als der von Vorarlberg. Warum, sagen diese Daten nicht — Bauen in die Höhe, Nachverdichtung und Umnutzung tauchen in einer Flächenbilanz nicht auf.
Vier Länder liegen mit 61 bis 88 Hektar je 100 im oberen Bereich (Steiermark, Kärnten, Salzburg, Tirol), fünf mit 6 bis 45 im unteren (Burgenland, Wien, Niederösterreich und Vorarlberg mit je 34, Oberösterreich). Ein Ost-West- oder ein Stadt-Land-Muster ergibt das nicht; die Erklärung müsste aus der Raumordnung der Länder kommen und steht nicht in dieser Erhebung.
Wie die Zahlen zu lesen sind
Erstens, und das wiegt am schwersten: Zwischen den beiden Ständen liegt ein Methodenwechsel. Die ÖROK (Österreichische Raumordnungskonferenz) führt auf ihrer Methodikseite unter den Weiterentwicklungen seit 2022 eine „Präzisierung der Methodik zu Baulandreserven“ und „erstmalige Auswertungen zur Landnutzung von Baulandreserven“. Die Differenz 2022 → 2025 ist damit nicht reine Bautätigkeit. Betroffen ist vor allem die Reserve: Eine Fläche, die 2022 noch als Reserve galt und 2025 als nicht bebaubar eingestuft wird, sieht in der Bilanz aus wie Verbrauch, ohne dass jemand gebaut hätte.
Zweitens: Es fehlen Gemeinden, und zwar immer dieselben. Sechs Kärntner Gemeinden — Poggersdorf, Deutsch-Griffen, Heiligenblut am Großglockner, Oberdrauburg, Trebesing und Fresach — führen keinen digitalen Flächenwidmungsplan und fehlen in beiden Jahren. Das drückt Kärntens Bestandszahlen, den Vergleich zwischen 2022 und 2025 trifft es dagegen nicht, weil beide Stände dieselbe Lücke haben. Vier weitere Kärntner Gemeinden (Eberstein, Glödnitz, Keutschach am See, Sachsenburg) haben erst ab 2025 einen digitalen Plan; für sie werden die 2025er Werte auch für 2022 herangezogen, ihre Veränderung ist per Konstruktion null.
Drittens: „bebaut dazugekommen“ ist nicht „aus der Reserve verbaut“. Die Bilanz zeigt Zuwächse zwischen zwei Stichtagen, nicht den Weg einzelner Grundstücke (siehe oben).
Viertens: Die Reserve sagt nichts über Verfügbarkeit. Gewidmet heißt nicht verkäuflich, erschlossen oder bebaubar. Ob eine Reservefläche am Markt ist, ob sie erschlossen ist, wem sie gehört und ob dort überhaupt jemand wohnen will, steht in dieser Erhebung nicht.
Warum hier keine Kurve steht
Die Erhebung kennt bisher zwei Stände, 2022 und 2025. Zwei Punkte ergeben immer eine gerade Linie, und eine gerade Linie sieht aus wie ein Trend. Aus zwei Punkten lässt sich aber weder eine Beschleunigung noch eine Trendwende ablesen, und mit dem Methodenwechsel aus „Wie die Zahlen zu lesen sind“ wäre nicht einmal klar, ob die Steigung eine echte Veränderung zeigt. Deshalb steht hier ein Bundesländervergleich und kein Verlauf.
Verwandte Auswertungen
- Bodenverbrauchdieselbe Erhebung, die andere Frage: 6,5 Hektar am Tag (2022–2025) gegen 14,7 in der Periode 2013–2016. Dort geht es um das Tempo über alle Nutzungen, hier um den Vorrat einer einzigen.
- Verbaute Fläche je Gemeinde6,8 Prozent Österreichs sind in Anspruch genommen, je nach Gemeinde 0,2 bis 79 Prozent. Eine Zustandskarte, ausdrücklich keine Veränderungskarte.
- GrünlandWiesen und Weiden gehen um 7,3 Prozent zurück, der Wald wächst um 6,7 Prozent. Die Gegenseite der Bilanz: Fast die Hälfte der Baulandreserve wird heute noch landwirtschaftlich genutzt.
Woher die Daten kommen
ÖROK-Monitoring Baulandreserven, Arbeitsmappe OEROK-Monitoring_Baulandreserven_Stand_2025-12-01.xlsx mit Stand 1. Dezember 2025, Blätter „Übersicht Ö+BL 2022“ und „Übersicht Ö+BL 2025“, Download auf der Datenseite des ÖROK-Monitorings (oerok.gv.at/monitoring-flaecheninanspruchnahme/daten, Datei unter …/OEROK-Monitoring/Daten_Baulandreserven/). Berechnung: Umweltbundesamt im Auftrag der ÖROK. Abgerufen am 9. September 2026. Die Reserve von 63.070 Hektar stimmt mit der von der ÖROK veröffentlichten Zahl überein: 630,7 Quadratkilometer. Das Verhältnis „neue Widmung je 100 Hektar Verbauung“ ist gerechnet, nicht abgelesen.
Weiterverwendung: Der Datensatz steht im Katalog offener Daten (data.gv.at) unter CC BY 4.0, herausgegeben vom Umweltbundesamt aus dem ÖROK-Monitoring. Die Quellenangabe genügt.
Nächste Aktualisierung: Der Monitoringzyklus ist dreijährig; die ÖROK nennt auf ihrer Methodikseite als zweiten Veränderungszeitraum 2025–2028 (oerok.gv.at/monitoring-flaecheninanspruchnahme/methodik, Abschnitt „Ausblick“, abgerufen am 7. Oktober 2026).
Zitieren und einbetten
Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Baulandbilanz — bebaut und neu gewidmet. biodiversitaet-monitor.at/baulandreserven/ · Daten: ÖROK-Monitoring Baulandreserven (Stand 2025-12-01), Berechnung: Umweltbundesamt im Auftrag der ÖROK, CC BY 4.0 · Datenstand ÖROK-Monitoring 01.12.2025, Referenzjahre 2022 und 2025
Herunterladen
Häufige Fragen
Was sind Baulandreserven?
Flächen, die als Bauland gewidmet, aber noch nicht mit einem Hauptgebäude bebaut sind. Es ist ein Rechtsstand, kein Naturzustand: Die Fläche kann eine Wiese, ein Acker oder ein Garten sein. In Österreich sind das 63.070 Hektar oder 630,7 Quadratkilometer — 19,6 Prozent des gesamten gewidmeten Baulands. Gezählt wird ohne Verkehrsflächen und ohne innere Erschließung.
Wie viel unbebautes Bauland gibt es in Österreich?
63.070 Hektar, Stand 2025. Drei Jahre zuvor waren es 65.374 Hektar. Der Vorrat ist also um 2.304 Hektar kleiner geworden, während 4.819 Hektar bebaut wurden — die Differenz erklärt sich daraus, dass gleichzeitig 2.474 Hektar neu gewidmet wurden.
Warum wird neues Bauland gewidmet, obwohl Reserven bestehen?
Diese Daten beantworten das nicht — sie zeigen, dass es geschieht, und in welchem Umfang. Zwischen 2022 und 2025 kamen auf 100 Hektar bebautes Land rund 51 Hektar neue Widmung, in der Steiermark 88, im Burgenland 6. Was sich aus der Erhebung sagen lässt: Eine bestehende Reserve ist kein Bauplatzangebot. Gewidmet heißt nicht verfügbar, erschlossen oder am Markt; knapp die Hälfte der Reserve wird derzeit als Acker oder Wiese genutzt. Wo gebaut werden soll und ob die Reserve dort liegt, steht in dieser Erhebung nicht. Die Widmungsentscheidung selbst liegt bei den Gemeinden und ist in diesen Daten nicht abgebildet.
Welches Bundesland hat die größten Baulandreserven?
Nach Fläche Niederösterreich mit 17.855 Hektar, vor der Steiermark (12.274) und Oberösterreich (10.520). Nach Anteil am gewidmeten Bauland führt das Burgenland mit 29,8 Prozent, am unteren Ende steht Wien mit 6,6 Prozent. Beide Werte sind zwischen 2022 und 2025 gesunken — wie in allen neun Bundesländern.