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Biodiversitätsmonitor › Landwirtschaft

Wie viel Grünland hat Österreich seit 2009 verloren?

Datenstand 2022

Österreichs Wiesen und Weiden sind zwischen 2009 und 2022 von 21.494 auf 19.932 Quadratkilometer zurückgegangen — 1.562 km² weniger, ein Minus von 7,3 Prozent. Im selben Zeitraum und in derselben Erhebung wächst der Wald von 34.043 auf 36.321 km², 2.278 km² mehr, plus 6,7 Prozent. Das ist keine Bilanz: Die beiden Zahlen gehen nicht auf, und aus der Erhebung ist nicht ablesbar, dass aus Wiese Wald geworden wäre.

Veränderung der Fläche gegenüber 2009

Was diese Zahl nicht sagt

Die Zahlen sind keine Bilanz: Dass Grünland schrumpft und Wald wächst, heißt nicht, dass aus Wiese Wald geworden wäre — einen Nutzungswechsel hält die Erhebung nicht fest, Ursachen nennt sie nicht. LUCAS ist eine Stichprobe mit ausgewiesenem Fehler, keine Vollerhebung: Belastbar ist die Reihe als Ganzes, nicht der Schritt zwischen zwei Erhebungen.

Was die Grafik zeigt

Die Achse trägt nicht Quadratkilometer, sondern die Veränderung gegenüber 2009: In absoluten Werten über einer Nullachse wäre ein Rückgang von 21.494 auf 19.932 km² eine praktisch waagrechte Linie. Auf der Prozentachse ist der Verlust als Strecke unter der Null abzulesen und der Zuwachs darüber. Die absoluten Flächen stehen in der Tabelle.

Jahr Wiesen und Weiden Anteil gegenüber 2009 Wald Anteil gegenüber 2009
2009 21.494 km² 25,6 % — 34.043 km² 40,6 % —
2012 21.161 km² 25,2 % −1,5 % 34.389 km² 41,0 % +1,0 %
2015 20.740 km² 24,7 % −3,5 % 35.752 km² 42,6 % +5,0 %
2018 20.266 km² 24,2 % −5,7 % 36.301 km² 43,3 % +6,6 %
2022 19.932 km² 23,8 % −7,3 % 36.321 km² 43,3 % +6,7 %

Beide Reihen bewegen sich stetig in eine Richtung, ohne Ausreißer und ohne Vorzeichenwechsel. Der Anteil des Grünlands an der Landesfläche sinkt von 25,6 auf 23,8 Prozent, der des Waldes steigt von 40,6 auf 43,3 Prozent. Der Rückgang ist also kein Effekt eines einzelnen Erhebungsjahres, sondern zieht sich über alle fünf Stützstellen (die fünf Erhebungsjahre der Reihe).

Warum das keine Bilanz ist

Die beiden Linien zeigen zwei Veränderungen nebeneinander, keine Umwandlung. Dass die eine Kategorie schrumpft, während die andere wächst, heißt nicht, dass die eine in die andere übergegangen wäre. Die Erhebung hält keinen Nutzungswechsel fest; sie sagt für jeden gezogenen Punkt nur, was dort in diesem Jahr wächst — nicht, was dort vorher wuchs und nicht, wohin die verlorene Wiese gegangen ist.

Zwischen Wiese und Wald liegen Acker, Siedlung und Verkehrsfläche. Die beiden Kategorien tauschen nicht direkt untereinander, und die Rechnung ginge auch gar nicht auf: Dem Verlust von 1.562 km² steht ein Zuwachs von 2.278 km² gegenüber. Nimmt man beide Kategorien zusammen, wachsen sie um 716 km² — von 55.537 auf 56.253 km², vom Anteil her von 66,2 auf 67,1 Prozent der Landesfläche. Der Waldzuwachs kann also rechnerisch gar nicht allein aus dem Grünland stammen; mindestens ein Teil muss aus Kategorien kommen, die diese Grafik nicht zeigt. Woher genau, steht nicht in den hier verwendeten Daten.

Auch der umgekehrte Kurzschluss ist zu vermeiden: Der Rückgang des Grünlands ist keine Aussage darüber, ob dort nun Wald, Acker oder Siedlung steht. Ursachen — Aufgabe der Bewirtschaftung, Aufforstung, Verbauung, natürliche Sukzession — sind in einer Flächenstichprobe nicht enthalten. Wer sie nennen will, braucht eine andere Quelle, und die liegt hier nicht vor.

Was die Grafik also zeigt: in welchem Ausmaß sich zwei große Kategorien gegenläufig verschieben. Was sie nicht zeigt: wer von wem nimmt.

Was LUCAS ist

LUCAS ist die Flächenstichprobe der EU zur Bodenbedeckung und Landnutzung. Sie funktioniert grundsätzlich anders als ein Kataster: Statt jede Parzelle zu erfassen, wird ein Raster von Punkten über das Land gelegt; Beobachter suchen die gezogenen Punkte im Gelände auf und tragen ein, was dort wächst. Aus diesen Punkten wird auf die Fläche des ganzen Landes hochgerechnet. Eurostat weist je Jahr die Fläche, den Anteil an der Landesfläche und den Variationskoeffizienten aus — das Maß für die Unsicherheit der jeweiligen Schätzung.

Weil hochgerechnet und nicht gezählt wird, hat jeder Wert eine Spanne. Der Variationskoeffizient liegt beim Grünland je Jahr zwischen 1,5 und 3,7 Prozent, beim Wald zwischen 0,7 und 2,8 Prozent:

Jahr Grünland (CV) Wald (CV)
2009 1,8 1,2
2012 1,7 1,1
2015 1,7 1,1
2018 3,7 2,8
2022 1,5 0,7

Das ist klein gegenüber dem Rückgang, aber es ist nicht null. Die Veränderung ist deshalb gegen ihre eigene Unsicherheit gerechnet. Die Unsicherheit der Differenz ergibt sich aus den Unsicherheiten der beiden Jahre (Wurzel aus der Summe ihrer Quadrate): beim Grünland aus 1,8 und 1,5 Prozent rund 2,3 Prozent. Dem stehen 7,3 Prozent Rückgang gegenüber — Faktor 3,1. Beim Wald ergeben 1,2 und 0,7 Prozent rund 1,4; dem stehen 6,7 Prozent Zuwachs gegenüber — Faktor 4,8.

Die einzelnen Schritte tragen nicht, die Reihe trägt

Das ist die Kehrseite derselben Rechnung, und sie ist der Grund, warum die Seite die einzelnen Schritte zwischen zwei Erhebungen nicht deutet. Zwischen 2018 und 2022 nimmt der Wald um 20 km² zu — von 36.301 auf 36.321. Diese Differenz liegt weit unter dem Stichprobenfehler der beiden Einzelschätzungen: 2,8 Prozent von 36.301 sind rund 1.016 km², 0,7 Prozent von 36.321 rund 254 km². Aus dieser einen Veränderung ist deshalb nichts abzulesen, weder ein Stillstand noch ein Knick. Dasselbe gilt für das Grünland im selben Abschnitt: 334 km² Rückgang gegen Fehlerspannen von rund 750 und 299 km².

Belastbar ist die Reihe als Ganzes, über dreizehn Jahre und fünf Stützstellen, weil sich die Richtung über alle Schritte hält und die Gesamtveränderung ein Mehrfaches des Fehlers beträgt. Belastbar ist nicht der Vergleich zweier benachbarter Erhebungen. Die Grafik zeigt die Zwischenjahre deshalb als Stützstellen einer Linie, nicht als Einzelbefunde.

Anzumerken bleibt, dass 2018 in beiden Reihen die unsicherste Erhebung ist — 3,7 und 2,8 Prozent gegenüber 1,5 und 0,7 im Jahr 2022. Warum, steht nicht in den Daten und wird hier nicht vermutet.

Wie oft die Wiesen gemäht werden

Wie intensiv die Wiesen genutzt werden, zeigt LUCAS nicht. Statistik Austria weist die Dauerwiesen nach Schnitthäufigkeit aus, mit den Flächen der Agrarstrukturerhebung. 2020 wurden 715.430 Hektar mehrmals im Jahr gemäht und 29.253 Hektar nur einmal; dazu kamen 5.184 Hektar Streuwiesen. Einmal gemähte Wiesen machen damit knapp 4 Prozent der Dauerwiesen aus. Bei der Erhebung 2016 waren es 31.120 Hektar einmal und 722.721 Hektar mehrmals gemähte Wiesen.

Zwei Erhebungen sind keine Reihe. Ob die Schnitthäufigkeit mit dem Rückgang der Feldvögel zusammenhängt (Feld- und Wiesenvögel), lässt sich aus diesen Daten nicht ablesen.

Verwandte Auswertungen

  • Waldfläche im Nachbarschaftsvergleichdie andere Seite über wachsenden Wald, aus der Eurostat-Waldfläche nach FAO-Definition: +3,4 Prozent zwischen 1990 und 2025, Platz 7 von 9 im Nachbarschaftsfeld. Andere Quelle, andere Einheit, anderer Zeitraum — die beiden Wald-Zahlen dieser und jener Seite sind nicht gegeneinander zu rechnen.
  • Biolandbaudieselbe Fläche aus der anderen Richtung: wie sie bewirtschaftet wird statt wie viel davon Wiese ist. Österreich liegt an der europäischen Spitze.
  • Pflanzenschutzmitteldie abgesetzte Menge ist seit 2011 um 52 Prozent gestiegen, die der anorganischen Fungizide um 82 Prozent.
  • Stickstoffüberschussein Fünftel unter den späten Achtzigern, aber über dem Tief von 2008.

Woher die Daten kommen

Eurostat lan_lcv_ovw („Land cover overview by NUTS 2 regions“), gespeist aus der LUCAS-Flächenstichprobe; verwendet werden für Österreich die Kategorien E00 (Grassland) und C00 (Woodland) in den drei Einheiten Fläche, Anteil und Variationskoeffizient. Lizenz: Eurostat-Nutzungsbedingungen — Eurostat ist als Quelle zu nennen, Änderungen an den Daten sind kenntlich zu machen. Abgerufen am 8. September 2026, Datenstand der Tabelle 25.07.2025.

Nicht verwendet, und zwar aus Gründen: Die naheliegende Alternative wäre das Dauergrünland der Agrarstrukturerhebung (apro_cpsh1). Sie ist unbrauchbar — die Reihe ist blockweise fortgeschrieben (2000 bis 2004 fünfmal derselbe Wert), und zwischen 2010 und 2011 liegt ein Definitionsbruch von rund 290.000 Hektar (Eurostat apro_cpsh1, Hauptfläche Dauergrünland in Tausend Hektar: 2000 bis 2004 je 1.917,4; 2010 1.731,27 gegen 2011 1.440,58; Abruf 7. Oktober 2026). Eine Stichprobe mit ausgewiesenem Fehler ist einer Vollerhebung mit unausgewiesenem Bruch vorzuziehen.

Statistik Austria: Feldfruchternte, Kalenderjahr 2020 (Schnellbericht 1.12) und 2024 (Statistik im Fokus 1.12), jeweils Übersicht auf S. 8: Dauerwiesen nach Schnitthäufigkeit, Flächen laut Agrarstrukturerhebung 2016 bzw. 2020.

Nächste Aktualisierung: LUCAS läuft in mehrjährigen Wellen; die vorliegenden Stützstellen sind 2009, 2012, 2015, 2018 und 2022. Wann die nächste Erhebung in dieser Tabelle erscheint, ist nicht belegt und wird hier nicht geschätzt.

Zitieren und einbetten

Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Grünland und Wald in Österreich, 2009 bis 2022. biodiversitaet-monitor.at/gruenland/ · Daten: Eurostat lan_lcv_ovw (LUCAS) · Datenstand 2022

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Häufige Fragen

Wie viel Grünland hat Österreich seit 2009 verloren?

Von 21.494 auf 19.932 Quadratkilometer — 1.562 km² oder 7,3 Prozent weniger zwischen 2009 und 2022. Der Anteil an der Landesfläche sinkt von 25,6 auf 23,8 Prozent. Die Zahlen stammen aus der EU-Flächenstichprobe LUCAS und sind Hochrechnungen mit einem ausgewiesenen Fehler von 1,5 bis 3,7 Prozent je Jahr.

Wird aus Wiesen Wald?

Aus diesen Daten ist das nicht ableitbar. Die Erhebung hält für jeden Punkt fest, was dort wächst, nicht, was dort vorher wuchs — einen Nutzungswechsel verzeichnet sie nicht. Die beiden Zahlen gehen auch nicht auf: Dem Verlust von 1.562 km² Grünland steht ein Waldzuwachs von 2.278 km² gegenüber — der Wald gewinnt 716 km² mehr, als das Grünland überhaupt abgegeben hat. Zwischen Wiese und Wald liegen Acker, Siedlung und Verkehrsfläche. Ablesbar ist, dass Grünland zurückgeht, während Wald zunimmt — nicht, dass das eine zum anderen wird.

Was ist LUCAS?

Die Flächenstichprobe der EU zur Bodenbedeckung. Beobachter suchen gezogene Punkte im Gelände auf und tragen ein, was dort wächst; aus diesen Punkten wird auf das ganze Land hochgerechnet. Es ist also keine Vollerhebung, und jeder Wert hat eine Spanne — beim Grünland 1,5 bis 3,7 Prozent je Jahr, kleiner als der Rückgang von 7,3 Prozent, aber nicht null. Verwendet werden die Eurostat-Kategorien Grünland und Wald dieser Stichprobe.

Wächst der Wald in Österreich nun um 6,7 oder um 3,4 Prozent?

Beides, je nach Quelle und Zeitraum. LUCAS weist zwischen 2009 und 2022 einen Zuwachs von 6,7 Prozent aus; die FAO-Waldfläche aus Eurostat, auf der die Seite zur Waldfläche im Nachbarschaftsvergleich steht, wächst zwischen 1990 und 2025 um 3,4 Prozent. Die beiden Reihen haben verschiedene Definitionen, verschiedene Einheiten und verschiedene Stützjahre und sind deshalb nicht gegeneinander zu rechnen.