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Biodiversitätsmonitor › Wald

Wie viel Wald hat Österreich und wie schnell wächst er?

Datenstand 2025, Abruf 25. August 2026

Österreich hatte 2025 eine Waldfläche von 3.903,9 Tausend Hektar — rund 39.039 Quadratkilometer. Seit 1990 ist sie um 128,2 Tausend Hektar gewachsen, das sind 3,4 Prozent. Der Wald wächst auch bei allen acht Nachbarn; Österreich liegt beim Zuwachs auf Rang 7 von 9. Die Zahl sagt allerdings nur, wie viel Wald da ist, nicht, in welchem Zustand er ist. Das gängigste Zustandsmaß im Wald ist das Totholz; stehendes Totholz liegt im Ertragswald bei rund 10,5 Vorratsfestmetern je Hektar.

Waldfläche im Nachbarschaftsvergleich

Was diese Zahl nicht sagt

Waldfläche ist eine Menge, kein Zustand: Eine Fichtenaufforstung zählt so viel wie ein strukturreicher Auwald. Mehr Wald kann mehr Vielfalt bedeuten, muss es aber nicht.

Neun Länder, eine Richtung

Die Reihe hat sechs Stützjahre: 1990, 2000, 2010, 2015, 2020 und 2025. Über diesen ganzen Zeitraum wächst die Waldfläche in jedem der neun Länder. Das ist der erste Befund, und er ist ungewöhnlich deutlich: Es gibt in dieser Gruppe kein Land, dessen Wald zwischen 1990 und 2025 kleiner geworden wäre. Die Spannweite des Zuwachses ist dabei groß.

Land 1990 2025 Veränderung
Italien 7.589,8 9.422,0 +24,1 %
Ungarn 1.813,9 2.087,4 +15,1 %
Liechtenstein 5,2 6,0 +15,0 %
Schweiz 1.153,5 1.267,0 +9,8 %
Slowenien 1.188,0 1.243,5 +4,7 %
Tschechien 2.839,5 2.968,4 +4,5 %
Österreich 3.775,7 3.903,9 +3,4 %
Slowakei 1.902,5 1.940,5 +2,0 %
Deutschland 11.300,0 11.481,4 +1,6 %

Waldfläche in Tausend Hektar, FAO-Definition; die Veränderung ist aus den ungerundeten Quellwerten gerechnet.

Österreich steht damit im unteren Drittel, und das ist keine schlechte Nachricht, sondern eine Frage des Ausgangspunkts. Italien und Ungarn holen von einem niedrigen Waldanteil auf; wo der Wald bereits einen großen Teil der Landesfläche einnimmt, ist der prozentuale Zuwachs zwangsläufig kleiner. In absoluten Zahlen ist Österreichs Zuwachs von 128,2 Tausend Hektar mehr als zwanzigmal so groß wie der ganze Wald Liechtensteins — und größer als der Zuwachs der Schweiz, die prozentual fast dreimal so stark wächst.

Der zweite Befund steckt in der Bewegung zwischen den Stützjahren. Über die ganze Reihe wächst jedes Land, aber nicht in jedem Abschnitt: Italien verliert zwischen 2010 und 2015 rund 121 Tausend Hektar, Ungarn zwischen 2015 und 2020 knapp 4, die Slowakei in den 1990er Jahren gut 1, und Slowenien sinkt seit seinem Höchststand 2015 langsam ab — 1.248,0 Tausend Hektar damals, 1.243,5 heute. Vier der neun Länder haben also mindestens ein fallendes Intervall: In der Gesamtbilanz wächst der Wald bei allen Nachbarn, in der jüngeren Entwicklung nicht bei allen. Österreich gehört zu den vier Ländern, deren Reihe über alle fünf Intervalle steigt, gemeinsam mit der Schweiz, Tschechien und Deutschland. Liechtenstein fällt in keinem Intervall, steht aber von 2010 bis 2020 unverändert bei 5,5 Tausend Hektar.

Wie die Zahlen zu lesen sind

Waldfläche ist eine Mengenangabe, kein Zustandsmaß. Das ist der wichtigste Satz dieser Seite. Ein Hektar Wald zählt in dieser Statistik als ein Hektar Wald, gleichgültig woraus er besteht, wie alt er ist, wie viele Arten in ihm leben und ob er überhaupt jemals etwas anderes war als ein Bestand gleichaltriger Fichten. Eine gleichförmig aufgeforstete Fläche und ein strukturreicher Auwald sind in dieser Reihe nicht zu unterscheiden. Eine wachsende Waldfläche kann deshalb Biodiversitätsgewinn bedeuten — sie muss es aber nicht, und aus der Zahl selbst geht nicht hervor, was von beidem zutrifft.

Deshalb steht neben der Fläche das Totholz. Es ist das Maß, das im Wald tatsächlich einen Zustand beschreibt: Stehendes und liegendes Totholz ist Lebensraum für einen großen Teil der waldgebundenen Arten, und sein Vorrat wird in der Österreichischen Waldinventur erhoben. Stehendes Totholz liegt im Ertragswald (dem Wald, der zur Holznutzung bewirtschaftet wird) bei rund 10,5 Vorratsfestmetern je Hektar (Erhebungsperiode 2018–2023). Das ist die Zahl, die die gute Nachricht der Fläche einordnet — nicht widerlegt, aber begrenzt.

Bemerkenswert ist dabei, dass auch diese Zahl steigt. Ein Vorratsfestmeter ist ein Kubikmeter stehendes Holz samt Rinde; Mitte der 1990er Jahre waren es im Ertragswald 4,5 je Hektar. Die Richtung stimmt also beim Zustandsmaß ebenso wie bei der Menge — nur das Niveau ist ein anderes: Der Waldbiodiversitätsbericht 2026 nennt als Zielwert mehr als 25 Kubikmeter stehendes und liegendes Totholz je Hektar im Ertragswald; die 10,5 sind nur der stehende Teil.

Was als Wald zählt

Wer nach der österreichischen Waldfläche sucht, findet mehrere Zahlen, und sie widersprechen einander nicht, sondern zählen Verschiedenes. Diese Seite nennt 3.903,9 Tausend Hektar für 2025. Das ist die FAO-Definition, wie Eurostat sie meldet.

Die Österreichische Waldinventur führt zwei eigene Größen: den Gesamtwald und darin den Ertragswald, also den Teil, der der Holznutzung dient. Für die Periode 2018/23 weist die Waldinventur rund 4,02 Millionen Hektar Gesamtwald und 3.356 Tausend Hektar Ertragswald aus (Waldbiodiversitätsbericht 2026, S. 8 und S. 15); der Ertragswald umfasst damit 83,5 Prozent des Gesamtwaldes. Die Baumarten- und Totholzanteile, auf die diese Seite verweist, beziehen sich fast durchweg auf den Ertragswald, und der ist deutlich kleiner als der Gesamtwald. Genau daraus entsteht die häufigste Verwechslung bei Waldzahlen: Derselbe Zähler ergibt gegen den einen Nenner einen ganz anderen Prozentsatz als gegen den anderen.

Die dritte Zahl kommt aus der europäischen Flächenstichprobe LUCAS und steht unter Grünland gegen Wald: 36.321 Quadratkilometer Waldland (dort: Woodland) für 2022. Gegenüber den 39.039 Quadratkilometern dieser Seite für 2025 fehlen darin rund 2.700 Quadratkilometer. Das ist kein Fehler einer der beiden Quellen, sondern der Unterschied zwischen einer Stichprobe mit eigener Landbedeckungsklasse und einer nationalen Meldung nach FAO-Definition — und zwischen zwei Bezugsjahren. Wer beide Reihen nebeneinanderstellt, muss den Unterschied benennen — und darf ihre Veränderungsraten erst recht nicht gegeneinander verrechnen.

Drei gleiche Schritte

Die österreichische Reihe hat eine Eigenschaft, die beim Nachrechnen sofort auffällt und die vor jeder Interpretation der jüngeren Jahre steht:

Stützjahr Tsd ha Zuwachs zum Vorwert
1990 3.775,7 —
2000 3.838,1 +62,4
2010 3.861,6 +23,5
2015 3.875,7 +14,1
2020 3.889,8 +14,1
2025 3.903,9 +14,1

Die letzten drei Fünfjahresschritte sind auf die Nachkommastelle identisch. Das kann kein Ergebnis dreier voneinander unabhängiger Erhebungen sein; es ist rechnerisch eine Gerade. Was daraus folgt, ist eine Vorsichtsregel, keine Anklage: Die Jahre 2015, 2020 und 2025 tragen keine unabhängige Information über den Verlauf. Aus ihnen darf keine Beschleunigung und keine Verlangsamung abgelesen werden, und ein Satz wie „der Zuwachs hat sich zuletzt stabilisiert“ wäre eine Aussage über die Fortschreibung, nicht über den Wald. Belastbar ist die Größenordnung: Über 35 Jahre kommen 128,2 Tausend Hektar hinzu, im Mittel rund 3.700 Hektar im Jahr; seit 2010 sind es rechnerisch 2.820 Hektar im Jahr.

Die Reihe ist damit für den Ländervergleich gut geeignet und für eine Jahresbetrachtung ungeeignet. Die Grafik zeigt deshalb Linien über sechs Stützjahre und keine Jahreswerte.

Verwandte Auswertungen

  • Nadel- und Laubholzdieselbe Fläche, nach Baumarten aufgeschlüsselt: Der Nadelholzanteil im Ertragswald fällt von 69,2 Prozent (1992/96) auf 59,8 (2018/23), der Laubholzanteil steigt von 22,3 auf 25,8. Diese Seite zählt Hektar, jene fragt, was darauf wächst.
  • Fichte in Österreichs Walddie wichtigste Einzelbaumart nimmt 2018/23 47,6 Prozent des Ertragswalds ein, 2007/09 waren es 50,7.
  • Waldlebensraumtypendas zweite Zustandsmaß, das diese Seite nicht zeigt: Je nach Messweise sind 92,8 Prozent der Waldlebensraumfläche in gutem Zustand oder 28,1 Prozent der Bewertungen günstig. Beide Zahlen stammen aus derselben Meldung.
  • Grünland gegen Walddieselbe Richtung aus anderer Quelle: In der LUCAS-Stichprobe verliert das Grünland zwischen 2009 und 2022 7,3 Prozent, während der Wald um 6,7 Prozent zulegt. Es ist ausdrücklich keine Bilanz — zwischen Wiese und Wald liegen Acker, Siedlung und Verkehrsfläche.

Woher die Daten kommen

Eurostat for_area, Waldfläche nach FAO-Definition, für Österreich und die acht Nachbarstaaten, sechs Stützjahre 1990 bis 2025. Datenstand: Eurostat, laufend aktualisiert.

Die Totholzzahlen dieser Seite stammen nicht aus derselben Quelle, sondern aus der Österreichischen Waldinventur des BFW, Periode 2018/23, teils über den Waldbiodiversitätsbericht 2026 (BFW-Berichte 155/2026). Für sie gilt eine eigene Nutzungsauflage des BFW. Den Wert von 10,5 Vfm/ha stehendem Totholz im Ertragswald nennt auch das BMLUK auf seiner Seite Waldinventur zeigt Auswirkungen des Klimawandels auf Österreichs Wälder (Abschnitt Totholz, Abruf 7. Oktober 2026).

Weiterverwendung: Nach den Eurostat-Nutzungsbedingungen frei, sofern Eurostat als Quelle genannt wird und Änderungen an den Daten kenntlich gemacht werden. Die Veränderung seit 1990 und der Flächenunterschied im Vergleich sind gerechnet, nicht abgelesen.

Nächste Aktualisierung: Die Reihe führt seit 2010 Stützjahre im Fünfjahresabstand; wann der nächste erscheint, ist nicht belegt und wird hier nicht geschätzt.

Zitieren und einbetten

Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Waldfläche im Nachbarschaftsvergleich. biodiversitaet-monitor.at/waldflaeche/ · Daten: Eurostat for_area (FAO) · Datenstand 2025

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Häufige Fragen

Wie viel Wald hat Österreich?

Österreich hatte 2025 eine Waldfläche von 3.903,9 Tausend Hektar, also rund 3,9 Millionen Hektar oder 39.039 Quadratkilometer. Das ist die FAO-Definition, wie Eurostat sie meldet. Die Österreichische Waldinventur führt mit Gesamtwald und Ertragswald zwei eigene, anders abgegrenzte Größen (der Gesamtwald der Inventur liegt mit rund 4,02 Millionen Hektar sogar über dem FAO-Wert), und die LUCAS-Stichprobe kommt für 2022 auf 36.321 Quadratkilometer Waldland. Wer Waldzahlen vergleicht, muss zuerst die Definition vergleichen.

Wächst der Wald wirklich?

Ja, und zwar seit 1990 durchgehend: Die gemeldete Waldfläche steigt in jedem der fünf Schritte zwischen den sechs Stützjahren, insgesamt um 128,2 Tausend Hektar oder 3,4 Prozent. Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens sind die drei jüngsten Fünfjahresschritte mit je 14,1 Tausend Hektar exakt gleich groß, also fortgeschrieben und nicht unabhängig gemessen. Zweitens sagt eine wachsende Fläche nichts darüber, wie dieser Wald aufgebaut ist.

Wächst der Wald nur in Österreich?

Nein. In allen acht Nachbarstaaten ist die Waldfläche zwischen 1990 und 2025 gewachsen. Österreich liegt mit 3,4 Prozent auf Rang 7 von 9. Vorn stehen Italien mit 24,1 Prozent, Ungarn mit 15,1 und Liechtenstein mit 15,0; hinter Österreich liegen die Slowakei mit 2,0 und Deutschland mit 1,6 Prozent. In der jüngeren Entwicklung ist das Bild uneinheitlicher: Slowenien verliert seit 2015 wieder Waldfläche.

Bedeutet mehr Wald mehr Artenvielfalt?

Nicht automatisch. Die Waldfläche ist eine Mengenangabe, kein Zustandsmaß — ein Hektar Fichtenmonokultur zählt genauso viel wie ein Hektar Auwald. Als Zustandsmaß dient im Wald vor allem das Totholz: Stehendes Totholz liegt in Österreichs Ertragswald bei rund 10,5 Vorratsfestmetern je Hektar (Erhebungsperiode 2018–2023), Mitte der 1990er Jahre waren es 4,5.