Wie viel Fichte wächst in Österreichs Wald?
Datenstand Waldinventur 2018/23, Abruf 27. August 2026
Auf 47,6 Prozent des österreichischen Ertragswalds (Wald, der zur Holznutzung bewirtschaftet wird) steht Fichte, auf rund 1,6 Millionen Hektar (Waldinventur 2018/23). 2007/09 waren es 50,7 Prozent — ein Rückgang um 3,1 Prozentpunkte, real, aber langsam. Die Länder liegen weit auseinander: von 12,3 Prozent im Burgenland bis 56,9 in Kärnten. Wo die Fichte von Natur aus hingehört, beziffert das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) zweimal und verschieden, und keine der beiden Angaben bezieht sich auf den heutigen Bestand.
Fichtenanteil am Ertragswald nach Bundesland
Was diese Zahl nicht sagt
Der Anteil sagt, wie viel Fichte steht, nicht ob sie dort hingehört. Dazu gibt es nur ältere Auswertungen, und die zwei Angaben des BFW messen Verschiedenes. Ob der Rückgang aus gezieltem Umbau kommt oder aus Käfer- und Sturmschäden, zeigt die Inventur nicht.
Fast die Hälfte, langsam weniger
Die Fichte ist die mit Abstand häufigste Baumart Österreichs. In der Waldinventur 2018/23 nimmt sie 1.598 Tausend Hektar ein, 47,6 Prozent des Ertragswalds. Über drei Perioden, einheitlich gegen den Ertragswald gerechnet:
| Periode | Anteil am Ertragswald | Fichtenfläche (Tsd. ha) |
|---|---|---|
| 2007/09 | 50,7 % | 1.709 |
| 2016/21 | 49,9 % | 1.678 |
| 2018/23 | 47,6 % | 1.598 |
Die Fichtenfläche ist seit 2007/09 um 111 Tausend Hektar geschrumpft, um 6,5 Prozent. Der Anteil fällt um 3,1 Prozentpunkte. Das ist ein klarer, aber langsamer Wandel.
Aus Fichtenfläche und Ertragswaldfläche gerechnet ergäbe 2007/09 knapp 50,8 Prozent statt der veröffentlichten 50,7; der Unterschied dürfte Rundung sein.
Wie bei allen Waldinventurwerten gilt: Seit 2016 erhebt die Inventur nach Angaben des BFW jährlich ein Sechstel ihrer Probeflächen, und 2016/21 und 2018/23 teilen daher vier von sechs Erhebungsjahrgängen. Der Schritt zwischen ihnen ist kein unabhängiger Vergleich. Belastbar ist der längere Abstand zu 2007/09.
Neun Länder, weit auseinander
Hinter dem Bundeswert stehen sehr verschiedene Wälder:
| Bundesland | 2007/09 | 2018/23 | Veränderung (Pkt.) | Fichtenfläche (Tsd. ha) |
|---|---|---|---|---|
| Kärnten | 59,8 % | 56,9 % | −2,9 | 284 |
| Steiermark | 57,8 % | 55,2 % | −2,5 | 475 |
| Salzburg | 55,4 % | 55,0 % | −0,5 | 149 |
| Tirol | 57,6 % | 54,5 % | −3,2 | 189 |
| Oberösterreich | 53,4 % | 48,4 % | −5,0 | 215 |
| Vorarlberg | 50,0 % | 46,8 % | −3,2 | 29 |
| Niederösterreich | 37,0 % | 33,1 % | −3,9 | 243 |
| Burgenland | 14,5 % | 12,3 % | −2,2 | 16 |
| Wien | — | — | — | 0 |
| Österreich | 50,7 % | 47,6 % | −3,1 | 1.598 |
Die Anteile 2007/09 der Länder sind aus den gerundeten Flächen gerechnet und weichen von den in der Inventur veröffentlichten Prozentwerten um bis zu 0,4 Punkte ab (Vorarlberg 50,0 gegen 49,6; Kärnten, Steiermark, Oberösterreich und Burgenland um 0,1). Die Veränderung ist aus den ungerundeten Flächen gerechnet und kann deshalb um 0,1 Punkte von der Differenz der gerundeten Anteile abweichen.
Vier Länder liegen über 54 Prozent: Kärnten, Steiermark, Salzburg und Tirol. Oberösterreich und Vorarlberg liegen knapp um den Bundesschnitt. Niederösterreich hat mit einem Drittel deutlich weniger Fichte, das Burgenland mit einem Achtel kaum. In Wien wächst keine messbare Fichte; der Nullbalken ist ein Befund, keine Lücke.
Die Fläche konzentriert sich. Die Steiermark allein trägt knapp 30 Prozent der österreichischen Fichtenfläche, zusammen mit Kärnten fast die Hälfte. Vorarlberg und das Burgenland kommen zusammen auf unter drei Prozent.
Der Rückgang betrifft jedes Land mit Fichte, aber verschieden stark. Oberösterreich verliert 5,0 Punkte, Niederösterreich 3,9. In Salzburg ist der Anteil mit −0,5 Punkten praktisch gleich geblieben.
Der Nenner entscheidet
Wer die Fichte im August 2026 in der Abfrage der Waldinventur nachschlug, fand für 2016/21 einen Anteil von 49,9 Prozent und für 2018/23 einen von 39,8. Das sah aus wie ein Einbruch um zehn Punkte in zwei Jahren. Den gibt es nicht: Die Abfrage rechnete die jüngere Periode damals gegen den Gesamtwald, die ältere gegen den Ertragswald. Dieselbe Fichtenfläche ergibt gegen den größeren Nenner einen kleineren Prozentsatz. Seit Ende September 2026 zeigt die Abfrage für 2018/23 wieder 47,6 Prozent des Ertragswalds.
Diese Seite rechnet deshalb die Anteile selbst aus Fichtenfläche und Ertragswald; nur die Bundeswerte 2007/09 und 2016/21 folgen den veröffentlichten Ertragswald-Anteilen des BFW. Nur so sind die drei Perioden vergleichbar. Ausführlich, mit allen Baumarten, steht die Nennerfrage unter Nadel- und Laubholz im Ertragswald.
Wo die Fichte hingehört
Die Fichte ist in Österreich heimisch — in den Gebirgslagen bildet sie natürliche Wälder. Ein Teil der heutigen Bestände steht aber außerhalb ihres natürlichen Standorts. Wie groß dieser Teil ist, beziffert das Bundesforschungszentrum für Wald zweimal, mit verschiedenen Begriffen und verschiedenen Ergebnissen.
Angabe von 2013, Projekt FichtePLUS (BFW), gestützt auf Schweinzer und Starlinger (2013): Die Fichte sei „auf etwa 60 % ihrer derzeitigen Fläche oder, anders gesagt, einem Drittel der nationalen Waldfläche (1,3 Mio. Hektar) ein Teil der natürlichen potentiellen Waldgesellschaft“. Wenn 60 Prozent 1,3 Millionen Hektar sind, misst die Bezugsfläche rund 2,2 Millionen Hektar — deutlich mehr als die 1,6 Millionen Hektar Fichte im Ertragswald, die diese Seite zeigt. Das ist keine früher größere Fichtenfläche, sondern eine andere Bezugsgröße. Auf welche Inventurperiode sich die Auswertung stützt, nennt die Quelle nicht. Dieselbe Quelle nennt etwa 20 Prozent der Verbreitungsfläche „standortsfremd“; 60 und 20 ergeben zusammen nicht 100, der Rest bleibt in der Quelle offen.
Angabe von 2005, Gschwantner und Prskawetz (BFW-Praxisinformation Nr. 6), zitiert im Waldbiodiversitätsbericht 2026: „Auf rund 85 % der Fichtenfläche gilt sie als natürlich beziehungsweise standortgerecht.“ Im selben Absatz nennt der Bericht: „Der Anteil nicht standortangepasster Fichtenbestände beträgt lediglich 7,4 % der Gesamtwaldfläche.“
Die beiden Angaben verwenden verschiedene Begriffe. „Teil der natürlichen Waldgesellschaft“ heißt: Die Fichte gehört dort von Natur aus in den Wald. „Natürlich beziehungsweise standortgerecht“ nennt neben dem natürlichen Vorkommen ausdrücklich eine zweite Kategorie. Die Zahlen sind deshalb nicht als zwei Messungen derselben Größe zu lesen. Wie der Bericht „standortgerecht“ abgrenzt und auf welche Inventurperiode sich die 85 Prozent beziehen, lässt er offen.
Keine der beiden Zahlen lässt sich auf den heutigen Bestand hochrechnen — 60 Prozent von 1,598 Millionen Hektar wären eine Rechnung, die keine Quelle gemacht hat.
Wie die Zahlen zu lesen sind
Erstens: Die Bezugsfläche ist der Ertragswald, der Teil des Waldes, der der Holznutzung dient. Schutzwald außer Ertrag (Wald, der vor allem vor Lawinen, Steinschlag und Erosion schützt und nicht zur Holznutzung bewirtschaftet wird) ist nicht enthalten. Gerade in Hochlagen, wo die Fichte natürlich vorkommt, liegt ein Teil des Waldes außerhalb dieser Fläche.
Zweitens: Ein Rückgang sagt nicht, warum. Fichtenfläche kann verschwinden, weil Bestände gezielt zu Mischwald umgebaut werden, oder weil Sturm, Trockenheit und Borkenkäfer sie zerstören und anders nachwächst. Die Inventur zählt das Ergebnis, nicht den Weg dorthin. Der Rückgang ist deshalb kein Beleg für erfolgreichen Waldumbau und keiner für Schäden — er ist mit beidem vereinbar.
Drittens: Die Inventur ist eine Stichprobe. Die Länderwerte sind Schätzungen mit Fehlerspanne. Die Waldinventur weist sie aus — für die Fichtenfläche Österreichs ± 29 Tausend Hektar, für Vorarlberg ± 4 Tausend Hektar bei einer Fläche von 29 Tausend Hektar. Kleine Unterschiede zwischen Ländern, etwa zwischen Salzburg mit 55,0 und der Steiermark mit 55,2 Prozent, sind deshalb nicht als Reihung zu lesen.
Verwandte Auswertungen
- Totholz im Walddieselbe Inventur, dieselben Länder: Im Ertragswald stehen 10,5 Vorratsfestmeter (Kubikmeter Holz samt Rinde) totes Holz je Hektar. Ob viel Fichte viel Totholz bedeutet, hängt dort an einem einzigen Land.
- Nadel- und Laubholz im Ertragswaldder Wandel aller Baumarten: Der Nadelholzanteil fällt von 69,2 auf 59,8 Prozent, vor allem wegen der Fichte.
- Waldflächedie Menge, auf der diese Anteile stehen: Österreichs Wald wächst seit 1990.
- Gefährdete Waldartenwas im Wald lebt: 286 von 1.341 waldgebundenen Gefäßpflanzen stehen auf der Roten Liste.
Woher die Daten kommen
Österreichische Waldinventur (ÖWI) des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW), Perioden 2007/09, 2016/21 und Zwischenauswertung 2018/23: Waldfläche der Fichte und Fläche des Ertragswalds je Bundesland. Die Anteile sind aus beiden Flächen selbst gerechnet, nicht aus den Prozentfeldern der Inventur übernommen; nur die Bundeswerte 2007/09 und 2016/21 folgen den veröffentlichten Anteilen des BFW. Abgerufen über waldinventur.at am 27. August 2026.
Natürlicher Standort: Projekt FichtePLUS (BFW), Abschnitt „Problematik“, fichteplus.at/index.php/problematik, dort nach Schweinzer, K.-M. & Starlinger, F. (2013): Natürliche und sekundäre Fichtenvorkommen in Österreich, BFW-Praxisinformation 31, S. 7–9; abgerufen am 7. Oktober 2026. Gschwantner und Prskawetz (2005), BFW-Praxisinformation Nr. 6, zitiert im Waldbiodiversitätsbericht, BFW-Berichte 155/2026, S. 14. Der Wert 50,7 Prozent für 2007/09: ebenda, Tabelle 2, S. 13.
Erhebungsmethode: Bundesforschungszentrum für Wald, Institutsseite „Waldinventur“, bfw.gv.at/fachinstitute/waldinventur/: „Seit 2016 erfolgen jährlich auf einem Sechstel der Probeflächen die umfangreichen Messungen und Ansprachen der ÖWI. Die derzeit aktuellen Auswertungen der ÖWI umfassen die Erhebungen der Jahre 2018–2023.“ Abgerufen am 7. Oktober 2026.
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Nächste Aktualisierung: Die Waldinventur erhebt seit 2016 jährlich ein Sechstel ihrer Probeflächen; die derzeit aktuelle Auswertung umfasst laut BFW die Erhebungsjahre 2018 bis 2023.
Zitieren und einbetten
Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Fichte im Ertragswald. biodiversitaet-monitor.at/fichte/ · Daten: Österreichische Waldinventur 2018/23, Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) · Datenstand Waldinventur 2018/23
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Häufige Fragen
Wie hoch ist der Fichtenanteil in Österreich?
Nach der Waldinventur 2018/23 steht auf 47,6 Prozent des Ertragswalds Fichte, auf 1.598 Tausend Hektar. 2007/09 waren es 50,7 Prozent. Gegen die gesamte Waldfläche gerechnet ergäbe dieselbe Fichtenfläche 39,8 Prozent — so stand es im August 2026 in der Abfrage der Waldinventur; die beiden Werte sind eine Messung an zwei verschiedenen Nennern.
In welchem Bundesland gibt es am meisten Fichte?
Den höchsten Anteil hat Kärnten mit 56,9 Prozent des Ertragswalds, knapp vor der Steiermark, Salzburg und Tirol mit jeweils um 55 Prozent. Die größte Fichtenfläche hat die Steiermark mit 475 Tausend Hektar. Am wenigsten Fichte hat das Burgenland mit 12,3 Prozent; in Wien wächst keine messbare Fichte.
Geht die Fichte in Österreich zurück?
Ja, langsam. Die Fichtenfläche ist seit 2007/09 von 1.709 auf 1.598 Tausend Hektar geschrumpft, der Anteil am Ertragswald um 3,1 Prozentpunkte. Der Rückgang zeigt sich in jedem Bundesland mit Fichte, am stärksten in Oberösterreich. Ob er aus gezieltem Waldumbau oder aus Schäden kommt, geht aus der Inventur nicht hervor.
Ist die Fichte in Österreich heimisch?
Ja, in den Gebirgslagen bildet sie natürliche Wälder. Ein Teil der heutigen Bestände steht aber außerhalb ihres natürlichen Standorts. Nach einer BFW-Auswertung von 2013 gehört sie auf rund 1,3 Millionen Hektar zur natürlichen Waldgesellschaft, etwa einem Drittel der Waldfläche. Eine ältere Auswertung von 2005, die der Waldbiodiversitätsbericht 2026 zitiert, nennt sie auf rund 85 Prozent ihrer Fläche „natürlich beziehungsweise standortgerecht“ — mit einem anderen Begriff; die beiden Zahlen sind nicht dieselbe Größe.