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Biodiversitätsmonitor › Wald

Wie viel totes Holz steht in Österreichs Wald?

Datenstand Waldinventur 2018/23, Abruf 27. August 2026

Im österreichischen Ertragswald (Wald, der zur Holznutzung bewirtschaftet wird) stehen 10,5 Vorratsfestmeter totes Holz je Hektar (Kubikmeter samt Rinde; Waldinventur 2018/23) — mehr als doppelt so viel wie 1992/96 mit 4,5. Zwischen den Bundesländern liegt Faktor 2,2, von 6,3 im Burgenland bis 13,6 in Vorarlberg. Gezählt wird nur stehendes Holz. Mit dem liegenden kommt der Ertragswald auf rund 23 Kubikmeter je Hektar, knapp unter dem Zielwert von 25 (Waldbiodiversitätsbericht, der das stehende abweichend mit 9,8 ansetzt). Viel Totholz ist nicht automatisch ein gutes Zeichen.

Stehendes Totholz nach Bundesland

Was diese Zahl nicht sagt

Die Karte zeigt eine Menge, kein Urteil: Viel Totholz kann Naturnähe heißen oder abgestorbene, nicht aufgearbeitete Käferfichten. Sie zählt nur stehendes Holz, und an der Spitze liegen Vorarlberg, Salzburg und Tirol innerhalb ihres Stichprobenfehlers gleichauf.

Mehr als verdoppelt seit den Neunzigern

Seit Mitte der Neunzigerjahre misst die Österreichische Waldinventur das stehende Totholz nach demselben Verfahren. Die Reihe steigt in jeder Periode:

Periode Vfm/ha Stichprobenfehler
1992/96 4,5 ± 0,2
2000/02 6,1 ± 0,2
2007/09 8,4 ± 0,3
2016/21 9,7 ± 0,3
2018/23 10,5 ± 0,4

Das ist das 2,3-Fache des Ausgangswerts. Der Anstieg ist um ein Vielfaches größer als die Fehlerspanne jeder einzelnen Periode; er ist kein Rauschen der Stichprobe.

Der Waldbiodiversitätsbericht 2026 (S. 31) sieht dieselbe Richtung und ergänzt die Stärke: Der Anteil des Totholzes mit mehr als 20 Zentimetern Stammdurchmesser — das ökologisch besonders wertvolle — steigt beim stehenden Totholz zwischen den Erhebungsperioden 1992/96 und 2018/23 von 57,5 auf 69,4 Prozent. Es kommt also nicht nur mehr totes Holz dazu, sondern vor allem dickeres.

Die beiden jüngsten Perioden sind kein unabhängiger Vergleich. 2016/21 ist eine Hauptauswertung, 2018/23 eine Zwischenauswertung, und seit 2016 erhebt die Inventur nach Angaben des BFW jedes Jahr ein Sechstel ihrer Probeflächen. Die beiden Perioden teilen daher vier von sechs Jahrgängen. Der Schritt von 9,7 auf 10,5 ist deshalb weniger belastbar, als die Tabelle aussieht. Der lange Vergleich gegen 1992/96 ist dagegen belastbar.

Ein Land, doppelt so viel wie das andere

Hinter dem Bundeswert stehen neun Länderwerte, und sie liegen weit auseinander:

Bundesland Vfm/ha Stichprobenfehler relativ
Vorarlberg 13,6 ± 3,0 22,1 %
Salzburg 13,0 ± 2,0 15,4 %
Tirol 12,9 ± 1,1 8,5 %
Niederösterreich 10,4 ± 0,9 8,7 %
Steiermark 10,4 ± 0,7 6,7 %
Oberösterreich 9,9 ± 0,9 9,1 %
Kärnten 9,1 ± 0,8 8,8 %
Burgenland 6,3 ± 1,0 15,9 %
Wien 28,9 ± 11,2 38,8 %
Österreich 10,5 ± 0,4 3,8 %

Die Spitze bilden die drei westlichen Gebirgsländer, das Ende das Burgenland. Zwischen 6,3 und 13,6 liegt Faktor 2,2.

Nicht jede Reihung in dieser Tabelle ist belastbar. Vorarlberg, Salzburg und Tirol liegen innerhalb ihrer Fehlerspannen übereinander; welches der drei Länder wirklich vorne liegt, gibt die Stichprobe nicht her. Dasselbe gilt für Niederösterreich und die Steiermark, die auf denselben Wert kommen. Klar getrennt ist dagegen das Burgenland: Selbst seine Obergrenze liegt unter der Untergrenze aller anderen Länder.

Wien steht nicht auf der Karte. 28,9 Vorratsfestmeter wären der höchste Wert aller Bundesländer, aber mit einem Stichprobenfehler von 38,8 Prozent ist er nicht verwendbar. Der Wert steht in der Tabelle, er färbt die Karte nicht.

Viel Totholz — Naturnähe oder Käfer?

In naturnahen Wäldern bleibt Holz liegen und stehen, bis es zerfällt. Viel Totholz gilt deshalb als Zeichen von Naturnähe. Der Waldbiodiversitätsbericht 2026 liest auch die regionale Verteilung so: Hohe Vorräte fänden sich „überwiegend in weniger bewirtschafteten, standörtlich begünstigten oder strukturreicheren Landschaftsräumen“; als weitere Einflüsse nennt er die Sicherheit im Schutzwald und notwendige Waldhygiene. Eine Karte wie diese lädt deshalb dazu ein, sie als Rangliste zu lesen: oben die naturnahen Länder, unten die intensiv genutzten. Für eine Rangliste der Länder trägt diese Lesart allein nicht.

Totes Holz entsteht auch durch Schäden. Derselbe Bericht schreibt: „Der Anteil von Nadelholz am gesamten Totholz bleibt hoch, stagniert jedoch leicht, was auf eine anhaltende Borkenkäferbefalls-Problematik hinweist.“ Eine abgestorbene Fichte, die nach Käferbefall stehen bleibt, zählt in der Inventur genauso wie ein alter Baum, der in einem ungenutzten Bestand abstirbt. Die Karte unterscheidet beides nicht.

Naheliegend wäre deshalb die Gegenthese: Wo viel Fichte steht, steht viel Totholz. Über die acht Länder ohne Wien gerechnet, scheint das zu stimmen — der Zusammenhang zwischen Fichtenanteil und stehendem Totholz ist deutlich positiv (Korrelationskoeffizient r = 0,66; 1 wäre ein vollständiger Gleichlauf, 0 kein Zusammenhang). Er hängt aber an einem einzigen Land. Nimmt man das Burgenland heraus, das sowohl am wenigsten Fichte als auch am wenigsten Totholz hat, bleibt nahezu kein Zusammenhang übrig (r = 0,07). Kärnten hat mit 56,9 Prozent den höchsten Fichtenanteil und liegt beim Totholz mit 9,1 unter dem Bundesschnitt.

Die Karte ist deshalb weder eine Naturnähe- noch eine Fichtenrangliste. Sie zeigt, wie viel totes Holz steht. Warum es dort steht — Steilhang ohne Nutzung, Käferschaden, Schutzgebiet, Bewirtschaftung —, steht nicht in den Daten.

Stehend, liegend, gesamt

Die Waldinventur misst stehendes und liegendes Totholz, veröffentlicht in ihrer Abfrage aber nur das stehende, ab 5 Zentimetern Durchmesser in Brusthöhe. Liegendes Totholz und Stöcke werden nach dem Glossar der Inventur „auch gemessen, sind aber nicht Teil der Standardergebnisse der ÖWI“. Die Karte zeigt deshalb nur einen Teil des toten Holzes, und zwar den kleineren.

Den Rest liefert der Waldbiodiversitätsbericht 2026 als Bundeswert: Liegendes Totholz im Ertragswald steigt zwischen 2007/09 und 2018/23 von 11,7 auf 13,4 Kubikmeter je Hektar, gemessen ab 10 Zentimetern Durchmesser. Zusammen mit dem stehenden Totholz, für das der Bericht 9,8 Kubikmeter nennt, kommt der Ertragswald auf rund 23 Kubikmeter je Hektar. Der Bericht setzt als Ziel „>25 m3/ha stehendem und liegendem Totholz (ohne Stocktotholz)“ im Ertragswald (Stocktotholz: Baumstümpfe). Österreich liegt knapp darunter.

Diese Summe gilt nur für den Bund. Die Länderwerte der Karte sind stehendes Totholz; gegen das Ziel für Gesamttotholz lassen sie sich nicht halten. Wie viel Totholz in naturnahen Wäldern Österreichs liegt, ist in den hier ausgewerteten Quellen nicht belegt — die Seite nennt deshalb keinen Vergleichswert.

Wie die Zahlen zu lesen sind

Erstens: Die Bezugsfläche ist der Ertragswald. Das ist der Teil des Waldes, der der Holznutzung dient. Schutzwald außer Ertrag und andere nicht genutzte Flächen sind nicht enthalten. Die Werte sagen also, wie viel totes Holz im bewirtschafteten Wald steht — nicht im Wald insgesamt.

Zweitens: Die Inventur ist eine Stichprobe. Jeder Wert ist eine Schätzung mit Fehlerspanne, und die Spanne wächst, je kleiner die Fläche ist. Österreichweit liegt sie bei 3,8 Prozent des Werts, in Vorarlberg bei 22,1, in Wien bei 38,8. Feiner als Bundesländer zeigt die Seite nicht: Auf Ebene der Bezirksforstinspektionen liegen die Fehler meist zwischen 20 und 40 Prozent des Werts.

Drittens: Zwei Quellen, zwei Zahlen für dasselbe. Die Abfrage der Waldinventur nennt für das stehende Totholz 10,5 Vorratsfestmeter je Hektar, der Waldbiodiversitätsbericht 9,8 Kubikmeter — beide für dieselbe Periode 2018/23. Auch der Ausgangswert 1992/96 unterscheidet sich (4,5 gegen 4,0). Woran das liegt, Maßeinheit oder Abgrenzung, geht aus beiden Quellen nicht hervor. Die Seite rechnet deshalb nicht zwischen ihnen um: Karte und Zeitreihe folgen der Inventur, die Gesamtsumme von rund 23 Kubikmetern dem Bericht, der beide Teile aus einer Hand nennt.

Verwandte Auswertungen

  • Fichte im Ertragswalddieselbe Inventur, dieselben Länder: Der Fichtenanteil reicht von 12,3 Prozent im Burgenland bis 56,9 in Kärnten. Dort steht, woraus der Wald besteht, den diese Karte zeigt.
  • Waldflächedie Menge zur Qualität: Österreichs Wald wächst seit 1990, und das Totholz ist das Maß, das diese Zahl einordnet.
  • Nadel- und Laubholz im Ertragswaldder Wandel der Baumarten über vier Inventurperioden: Der Nadelholzanteil fällt von 69,2 auf 59,8 Prozent.
  • Waldlebensraumtypen nach Artikel 17derselbe Wald aus Sicht der Lebensräume: in welchem Zustand die geschützten Waldtypen gemeldet sind.

Woher die Daten kommen

Österreichische Waldinventur (ÖWI) des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW), Zwischenauswertung 2018/23, Indikator „Totholz stehend, Vorrat je Hektar“, Ertragswald, Bund und Bundesländer; Zeitreihe aus den Perioden 1992/96, 2000/02, 2007/09 und 2016/21. Abgerufen über waldinventur.at am 27. August 2026.

Waldbiodiversitätsbericht, BFW-Berichte 155/2026, S. 30–31: liegendes Totholz, Gesamttotholz, Zielwert und der Anteil des starken Totholzes.

Glossar der Waldinventur, Eintrag „Totholz“, waldinventur.at/data/glossar.txt (Textdatei der Abfrageoberfläche): „Das im Österreichischen Wald stehende Totholz wird als Vorrat (Vfm/ha) und in Stammzahlen (Stämme/ha) gemessen und bezieht sich auf Bäume ab einem BHD von 5 cm. Darüber hinaus werden auch liegendes Totholz und Stöcke gemessen, sind aber nicht Teil der Standardergebnisse der ÖWI.“ Abgerufen am 7. Oktober 2026.

Erhebungsmethode: Bundesforschungszentrum für Wald, Institutsseite „Waldinventur“, bfw.gv.at/fachinstitute/waldinventur/: „Seit 2016 erfolgen jährlich auf einem Sechstel der Probeflächen die umfangreichen Messungen und Ansprachen der ÖWI. Die derzeit aktuellen Auswertungen der ÖWI umfassen die Erhebungen der Jahre 2018–2023.“ Abgerufen am 7. Oktober 2026.

Grenzen der Bundesländer: Statistik Austria, NUTS-2-Gebiete, CC BY 4.0.

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Nächste Aktualisierung: Die Waldinventur erhebt seit 2016 jedes Jahr ein Sechstel ihrer Probeflächen; die derzeit aktuelle Auswertung umfasst laut BFW die Erhebungsjahre 2018 bis 2023.

Zitieren und einbetten

Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Totholz im Wald. biodiversitaet-monitor.at/totholz/ · Daten: Österreichische Waldinventur 2018/23, Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) · Datenstand Waldinventur 2018/23

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Häufige Fragen

Wie viel Totholz gibt es im österreichischen Wald?

Im Ertragswald stehen nach der Waldinventur 2018/23 im Schnitt 10,5 Vorratsfestmeter totes Holz je Hektar, mehr als doppelt so viel wie 1992/96 mit 4,5. Das ist nur das stehende Totholz. Mit dem liegenden zusammen kommt der Ertragswald nach dem Waldbiodiversitätsbericht 2026, der das stehende Totholz abweichend mit 9,8 Kubikmetern ansetzt (siehe „Wie die Zahlen zu lesen sind“), auf rund 23 Kubikmeter je Hektar.

Welches Bundesland hat am meisten Totholz?

Die höchsten belastbaren Werte haben Vorarlberg mit 13,6, Salzburg mit 13,0 und Tirol mit 12,9 Vorratsfestmetern je Hektar; innerhalb ihres Stichprobenfehlers sind die drei nicht zu unterscheiden. Am wenigsten steht im Burgenland, 6,3. Wien käme rechnerisch auf 28,9, der Wert ist mit einem Stichprobenfehler von 38,8 Prozent aber nicht verwendbar.

Ist viel Totholz immer ein gutes Zeichen?

Nein. Totholz ist Lebensraum und gilt als Zeichen naturnaher Wälder, es entsteht aber auch durch Borkenkäferbefall und andere Schäden. Die Waldinventur unterscheidet in ihren Zahlen nicht, warum ein Baum abgestorben ist. Ein hoher Wert kann deshalb ungenutzten, alten Wald bedeuten oder stehen gebliebene Käferbäume.

Wie viel Totholz sollte im Wald sein?

Der Waldbiodiversitätsbericht 2026 nennt als Zielwert mehr als 25 Kubikmeter stehendes und liegendes Totholz je Hektar im Ertragswald. Österreich liegt mit rund 23 knapp darunter.