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Biodiversitätsmonitor › Wald

Wie viele Waldpflanzen in Österreich sind gefährdet?

Datenstand Rote Liste 2022, Abruf 28. August 2026

Der Waldbiodiversitätsbericht wertet 1.803 waldgebundene Taxa (Arten und andere Einheiten der Systematik) nach der Roten Liste aus, davon 1.341 Gefäßpflanzen. Von diesen 1.341 galten 1986 zweihundert Arten als gefährdet, 1999 waren es 253, 2022 sind es 286 — 21,3 statt 14,9 Prozent. Die eigentliche Bewegung steckt aber nicht in der Summe, sondern in der Schwere: Von elf auf 43 Arten ist die Zahl derjenigen gestiegen, die als vom Aussterben bedroht eingestuft sind. Alle drei Listen bewerten denselben Artenbestand neu.

Drei Rote Listen, ein Artenbestand

Was diese Zahl nicht sagt

Eine Rote Liste misst Einstufungen, keine Bestände: Dass 43 statt 11 Arten als vom Aussterben bedroht gelten, sagt nicht, um wie viel ihre Bestände geschrumpft sind. Ob eine Höherstufung echten Rückgang oder besseres Wissen zeigt, trennt die Quelle nicht, und die drei Listen liegen 13 und 23 Jahre auseinander.

Drei Listen, ein Bestand

Der Satz, der diese Seite trägt, klingt technisch und ist es nicht: In allen drei Roten Listen ist die Zahl der bewerteten Taxa dieselbe. Es sind stets 1.341 waldgebundene Gefäßpflanzen, und es sind stets dieselben. Was zwischen 1986 und 2022 passiert, ist deshalb ausschließlich eine Neubewertung — keine Erweiterung des Betrachteten, keine neu hinzugekommenen Arten, keine veränderte Abgrenzung des Waldes.

Deshalb zeigt die Grafik absolute Zahlen und ist nicht auf hundert Prozent normiert: Der Nenner steht still, die Balken sind direkt vergleichbar.

Stufe RL 1986 RL 1999 RL 2022 Δ 1986 → 2022
gefährdet 120 170 157 +37
stark gefährdet 67 67 83 +16
vom Aussterben bedroht 11 13 43 +32
regional ausgestorben 2 3 3 +1
gefährdet gesamt 200 253 286 +86
Anteil der 1.341 bewerteten Taxa 14,9 % 18,9 % 21,3 % +6,4 Pkt.

Gut jede fünfte bewertete Waldpflanze steht heute in einer Gefährdungsstufe. 1986 war es gut jede siebte. Über die gesamte Auswertung hinweg — Gefäßpflanzen und die zweite Gruppe, Moose und Farne, zusammen — sind es 382 von 1.803 Taxa.

Die Verschiebung nach oben

Die Summe ist die schwächere Hälfte der Aussage. Die stärkere steht in den Segmenten des Balkens, und sie läuft der Summe teilweise entgegen.

Die unterste Stufe, „gefährdet“, steigt zwischen 1986 und 1999 kräftig an (120 auf 170) und fällt danach wieder auf 157. Für sich genommen sähe das nach einer Entspannung aus. Gleichzeitig wächst „stark gefährdet“ von 67 auf 83, und „vom Aussterben bedroht“ springt von 11 über 13 auf 43. Die Arten verschwinden also nicht aus der Liste, sie wandern innerhalb der Liste nach oben.

Am deutlichsten wird das, wenn man die drei schwereren Stufen zusammenfasst: 1986 entfielen 80 der 200 Einstufungen auf sie, 1999 waren es 83 von 253, und 2022 sind es 129 von 286. Der Anteil der schweren Fälle an allen gefährdeten Arten geht also erst zurück — von 40,0 auf 32,8 Prozent — und steigt dann auf 45,1 Prozent. Die Roten Listen 1986 und 1999 unterscheiden sich vor allem in der Breite, die Listen 1999 und 2022 vor allem in der Tiefe.

Beide Zahlen — die 286 gefährdeten Arten und die knapp vervierfachte Zahl der akut bedrohten — stammen aus derselben Tabelle, und keine ersetzt die andere.

Wie die Zahlen zu lesen sind

Erstens: Eine Rote Liste misst Gefährdungseinstufungen, keine Bestände. Sie zählt nicht Individuen, nicht Fläche und nicht Vorkommen, sondern Urteile über Arten. Wenn die Zahl der als „vom Aussterben bedroht“ eingestuften Waldpflanzen von 11 auf 43 steigt, ist damit belegt, dass per Saldo 32 Arten mehr in dieser Stufe stehen als 1986 — nicht, wie viele Arten im Einzelnen auf- oder abgestiegen sind, und nicht, um wie viel ihre Bestände zurückgegangen sind.

Zweitens: Eine Höherstufung kann auch besseres Wissen sein. Wer eine Art 1986 nicht als akut bedroht führte, kann sie damals für häufiger gehalten haben, als sie war. Dann misst die Verschiebung nach oben zum Teil den Erkenntnisfortschritt und nicht den Rückgang. Belegt ist zu dieser Frage nichts: Der Waldbiodiversitätsbericht trennt bei den Roten Listen nicht zwischen tatsächlicher Verschlechterung und besserem Wissen. Für die Artikel-17-Meldung (den Zustandsbericht nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie, der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU) gibt es diese Trennung, für die Roten Listen nicht. In der österreichischen Artikel-17-Meldung sind zu allen Lebensraumtypen von zehn gemeldeten Verbesserungen vier als echt ausgewiesen, der Rest ist besseres Wissen oder ein geändertes Verfahren. Die Frage bleibt offen.

Drittens: Der Erhebungsstand der drei Listen ist sehr verschieden. Die Balken tragen die Jahreszahlen 1986, 1999 und 2022 — so sind die Listen im Bericht bezeichnet. Bezogen auf 2026 ist die erste Liste 40 Jahre alt, die zweite 27 Jahre, die dritte 4 Jahre. Zwischen der ersten und der zweiten Erhebung liegen 13 Jahre, zwischen der zweiten und der dritten 23. Die drei Balken stehen also nicht in gleichen Abständen, auch wenn sie gleich breit nebeneinanderstehen. Welcher Erhebungszeitraum jeweils hinter der Jahreszahl steht, geht aus dem Waldbiodiversitätsbericht nicht hervor.

Viertens: „Waldgebunden“ ist eine Auswahl, keine Zählung aller Pflanzen. Die 1.341 Taxa sind der waldbezogene Ausschnitt einer größeren Roten Liste. Wie dieser Ausschnitt gezogen wurde, steht im Waldbiodiversitätsbericht nicht.

Rote Liste, Gefährdungsstufe, waldgebunden

Eine Rote Liste ist ein Verzeichnis, das Arten einer Region in Gefährdungsstufen einordnet. Sie ist ein Gutachten über den Zustand von Arten, kein Schutzstatus: Eine Art auf der Roten Liste ist nicht automatisch rechtlich geschützt, und eine geschützte Art steht nicht automatisch auf der Roten Liste. In Österreich gibt das Umweltbundesamt Rote Listen für 27 Tiergruppen sowie für Biotoptypen heraus; die Farn- und Blütenpflanzen laufen gesondert, zuletzt 2022. Diese Rote Liste bewertet Farne und Blütenpflanzen gemeinsam; der Waldbiodiversitätsbericht stellt die Farne bei seiner Auswertung aber zur zweiten Gruppe neben den Moosen (462 Taxa). In den 1.341 Gefäßpflanzen dieser Seite sind die Farne deshalb nicht enthalten.

Die vier Gefährdungsstufen, die diese Seite zeigt, bilden eine geordnete Skala von leicht nach schwer: gefährdet, stark gefährdet, vom Aussterben bedroht, regional ausgestorben; in der Grafik sind sie von hell nach kräftig abgestuft. Nur die Reihenfolge und die Besetzungszahlen der vier Stufen sind in den ausgewerteten Quellen belegt; nach welchen Schwellen — Bestandsgröße, Rückgangsrate, Verbreitungsgebiet — eine Art in die eine oder die andere Stufe fällt, steht dort nicht.

Waldgebunden heißt: Die Auswertung betrachtet nicht alle Pflanzenarten Österreichs, sondern jene, deren Vorkommen an den Wald gebunden ist. Der Bericht kommt so auf 1.803 bewertete Taxa, rund drei Viertel davon Gefäßpflanzen (74,4 Prozent), rund ein Viertel Moose und Farne (25,6 Prozent).

Die Gegenprobe: Moose und Farne

Der Einwand liegt nahe, dass eine spätere Rote Liste einfach strenger sein könnte als eine frühere — dass also nicht die Pflanzen schlechter dastehen, sondern die Maßstäbe schärfer geworden sind. Gegen diesen Einwand steht die zweite Gruppe derselben Auswertung.

Stufe RL 1986 RL 1999 RL 2022
gefährdet 47 61 61
stark gefährdet 29 21 19
vom Aussterben bedroht 12 6 7
regional ausgestorben 8 9 9
gefährdet gesamt 96 97 96
Anteil der 462 bewerteten Taxa 20,8 % 21,0 % 20,8 %

462 bewertete Taxa, ebenfalls konstant, und am Ende exakt dieselbe Zahl gefährdeter Arten wie am Anfang. Bemerkenswert ist dabei die Richtung im Inneren: Bei den Moosen und Farnen sinkt die Zahl der akut bedrohten Arten von 12 auf 7, während sie bei den Gefäßpflanzen von 11 auf 43 steigt. 1986 standen in der kleineren Gruppe mehr Arten unmittelbar vor dem Verschwinden als in der knapp dreimal größeren; 2022 ist es umgekehrt, und zwar deutlich.

Damit ist die Verschiebung bei den Gefäßpflanzen kein Artefakt einer allgemein strenger gewordenen Einstufungspraxis. Wäre sie es, müsste die zweite Gruppe mitziehen. Was sie stattdessen ist — tatsächlicher Rückgang, besseres Wissen oder beides —, bleibt die offene Frage aus „Wie die Zahlen zu lesen sind“.

Die Bäume stehen still, ihre Schwere nicht

Als Teilmenge der Gefäßpflanzen führt die Auswertung 56 Baumarten. Ihre Gesamtzahl gefährdeter Arten bewegt sich über 36 Jahre praktisch nicht: 9 im Jahr 1986, 10 im Jahr 1999, wieder 9 im Jahr 2022. Innerhalb dieser neun hat sich die Lage aber verschoben — die Stufe „gefährdet“ fällt von sechs auf vier Arten, und 2022 steht erstmals eine Baumart als vom Aussterben bedroht in der Liste: die Flaum-Mehlbeere. Als stark gefährdet geführt werden Europäischer Wildapfel, Schwarzpappel, Lorbeerweide und Speierling, als gefährdet Edelkastanie, Donauschmalblättrige Esche und Mehlbeer-Arten.

Diese neun Arten sind Teil der 286. Wer „286 gefährdete Waldpflanzen und 9 gefährdete Baumarten“ schreibt, zählt neun Arten doppelt.

Der Kontrast zur Baumartengrafik ist trotzdem einen Blick wert: Auf der Seite Nadel- und Laubholz im Ertragswald verschiebt sich die Fläche zwischen den beiden spürbar, hier steht die Artenliste der Bäume still. Das eine misst, woraus der Wirtschaftswald besteht, das andere, welche Baumarten überhaupt noch sicher vorkommen.

Verwandte Auswertungen

  • Nadel- und Laubholz im Ertragswalddieselbe Berichtsquelle, ein Kapitel früher: Der Nadelholzanteil fällt von 69,2 auf 59,8 Prozent des bewirtschafteten Waldes. Diese Seite zeigt, welchen Arten es im Wald wie geht; jene, woraus der Wald besteht.
  • Waldlebensraumtypen nach Artikel 17dieselbe Frage nach dem Zustand, andere Einheit: Je nach Messweise sind 93 Prozent der gemeldeten Waldlebensraumfläche oder 28 Prozent der Bewertungen in gutem Zustand. Dort geht es um Lebensräume, hier um Arten.
  • Alter der Roten Listendie Metaebene zu dieser Seite: Von 27 Tiergruppen sind drei Listen aktuell, die älteste stammt von 1994. Der Kontrast ist bemerkenswert, denn die hier gezeigte Pflanzenliste ist mit Stand 2022 eine der jüngsten Roten Listen des Landes.

Woher die Daten kommen

Waldbiodiversitätsbericht, BFW-Berichte 155/2026, erschienen Mai 2026, 66 Seiten, entstanden im Waldfonds-Projekt WaldBIOLOG. Die Zahlen dieser Seite stehen dort in Tabelle 7 auf Seite 40, der Indikator heißt „Gefährdete Waldarten“. Ursprungsquelle sind die Roten Listen; Datenstand ist die Rote Liste 2022, abgerufen am 28. August 2026.

Die Lizenz ist enger als die dieser Website. biodiversitaet-monitor.at stellt die eigenen Inhalte unter CC BY 4.0 und die Rohdaten jeweils unter die Lizenz ihrer Quelle. Für diese Quelle lautet das Impressum:

„Copyright und Haftung: Auszugsweiser Abdruck ist nur mit Quellenangabe gestattet, alle sonstigen Rechte sind ohne schriftliche Zustimmung des Medieninhabers unzulässig.“

Der erste Halbsatz ist eine ausdrückliche Erlaubnis: Alle Zahlen dieser Seite sind im Bericht abgedruckt (Tabelle 7) und mit Quellenangabe zulässig. Die Quellenangabe ist die Bedingung der Erlaubnis. Wer die Zahlen weiterverwendet, darf sie nicht als CC BY 4.0 weitergeben, sondern nur mit Quellenangabe nach dem Impressum des Berichts. Diese Seite stützt sich nicht auf Daten der Waldinventur — anders als Nadel- und Laubholz im Ertragswald, Totholz im Wald und Fichte im Ertragswald; für diese liegt die Zustimmung des BFW vor.

Der Bericht selbst ist an einer Stelle widersprüchlich. Er schreibt, die Auswertung „umfasst insgesamt 1.803 waldabhängige Arten, die … als regional ausgestorben, vom Aussterben bedroht, stark gefährdet oder gefährdet eingestuft sind“, zwei Sätze später aber: „Unter den gefährdeten Waldarten befinden sich insgesamt 382 Taxa.“ Beides zusammen kann nicht stimmen. Die Rechnung entscheidet: 1.341 plus 462 ergibt 1.803, und die im Bericht genannten Anteile von „rund 75 Prozent“ und „etwa 25 Prozent“ passen auf 74,4 und 25,6 Prozent — also auf den bewerteten Bestand. 1.803 ist der Nenner, 382 der Zähler. Wer „1.803 gefährdete Waldarten“ schreibt, liegt um den Faktor 4,7 daneben, und der Satz im Bericht lädt dazu ein.

Nächste Aktualisierung: Sie hängt an der nächsten Roten Liste, nicht am Berichtszyklus. Ein Termin dafür ist in den Quellen nicht genannt.

Zitieren und einbetten

Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Gefährdete Waldarten. biodiversitaet-monitor.at/waldarten/ · Daten: Waldbiodiversitätsbericht, BFW-Berichte 155/2026, Tab. 7 (Rote Liste 2022) · Datenstand Rote Liste 2022

Die Zahlen dieser Seite als Datei: waldarten.json

Häufige Fragen

Wie viele Waldpflanzen in Österreich sind gefährdet?

Von 1.341 bewerteten waldgebundenen Gefäßpflanzen stehen nach der Roten Liste 2022 insgesamt 286 in einer Gefährdungsstufe — 21,3 Prozent. 1986 waren es 200 Arten (14,9 Prozent), 1999 waren es 253 (18,9 Prozent). Zählt man die ebenfalls ausgewerteten Moose und Farne dazu, sind es 382 von 1.803 bewerteten Taxa.

Was ist eine Rote Liste?

Ein Verzeichnis, das die Arten einer Region in Gefährdungsstufen einordnet. Es ist ein fachliches Urteil über den Zustand von Arten, kein Schutzstatus — eine Art auf der Roten Liste ist nicht automatisch rechtlich geschützt. Eine Rote Liste misst außerdem Einstufungen, nicht Bestände: Sie sagt, wie viele Arten als bedroht gelten, nicht um wie viel ihre Bestände zurückgegangen sind. In Österreich gibt das Umweltbundesamt Rote Listen für 27 Tiergruppen und für Biotoptypen heraus, die Farn- und Blütenpflanzen zuletzt 2022.

Was ist der Unterschied zwischen „gefährdet“, „stark gefährdet“ und „vom Aussterben bedroht“?

Die drei Begriffe sind Stufen einer geordneten Skala von leicht nach schwer, nach oben abgeschlossen durch „regional ausgestorben“. Bei den waldgebundenen Gefäßpflanzen waren 2022 157 Arten als gefährdet eingestuft, 83 als stark gefährdet, 43 als vom Aussterben bedroht und 3 als regional ausgestorben. Nach welchen Schwellenwerten eine Art in die eine oder die andere Stufe fällt, geht aus den hier ausgewerteten Quellen nicht hervor; belegt sind die Reihenfolge der Stufen und ihre Besetzung.

Sind auch Waldbäume gefährdet?

Ja, neun von 56 bewerteten Baumarten — dieselbe Zahl wie 1986. Die Schwere hat sich aber verschoben: 2022 steht mit der Flaum-Mehlbeere erstmals eine Baumart als vom Aussterben bedroht in der Liste, als stark gefährdet gelten Europäischer Wildapfel, Schwarzpappel, Lorbeerweide und Speierling. Die neun Baumarten sind eine Teilmenge der 286 gefährdeten Gefäßpflanzen und dürfen nicht dazugezählt werden.