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Biodiversitätsmonitor › Landwirtschaft

Welches Land hat den höchsten Bio-Anteil in Europa?

Datenstand Vergleichsjahr 2020

Österreich bewirtschaftet 25,7 Prozent seiner landwirtschaftlich genutzten Fläche biologisch und liegt damit auf Platz 1 von 33 Meldeländern. Der Schnitt der EU-27 liegt bei 9,1 Prozent, also bei etwas mehr als einem Drittel des österreichischen Werts. Auf die angestrebten 35 Prozent für 2030 fehlen trotzdem 9,3 Punkte — und kein einziges Land der Rangliste erreicht diese Marke. Spitzenreiter zu sein und die Marke zu verfehlen schließt einander nicht aus. Verglichen wird das Jahr 2020, weil das der jüngste Jahrgang ist, für den Österreich meldet.

Bio-Anteil im europäischen Vergleich

Was diese Zahl nicht sagt

Die Zahl misst zertifizierte Fläche, nicht Artenvielfalt: Aus einem hohen Bio-Anteil folgt keine artenreiche Agrarlandschaft. Umgestellte Flächen und Flächen in Umstellung sind zusammengezählt, und der Vergleich steht im Jahr 2020, dem letzten mit einem österreichischen Wert.

Platz 1, und der Abstand ist groß

Die Rangliste umfasst 33 Länder — EU-Mitglieder, EFTA-Staaten und Beitrittskandidaten, soweit sie für 2020 einen Wert melden. Aggregate wie die EU-27 sind aus der Rangfolge herausgehalten und werden getrennt geführt; stünde die Union als „Land“ in der Liste, verschöbe sie jeden Platz dahinter.

Platz Land Bio-Anteil
1 Österreich 25,7 %
2 Estland 22,4 %
3 Schweden 20,3 %
4 Schweiz 17,0 %
5 Italien 16,0 %
6 Tschechien 15,3 %
7 Lettland 14,8 %
8 Finnland 13,9 %
9 Slowakei 11,7 %
10 Dänemark 11,5 %
— EU-27 (Aggregat, nicht im Ranking) 9,1 %
30 Türkei 1,0 %
31 Malta 0,6 %
32/33 Island und Nordmazedonien je 0,3 %

Der Vorsprung ist nicht knapp. Zwischen Österreich und Estland liegen 3,3 Punkte — mehr als zwischen Estland und Schweden, und mehr als zwischen dem vierten und dem achten Platz zusammengenommen. Nach oben ist die Liste also dünn besetzt: Nur dreizehn Länder erreichen überhaupt zweistellige Werte, und nur drei liegen über zwanzig Prozent.

Nach unten wird sie schnell dicht. Vierzehn Länder liegen über dem EU-27-Schnitt von 9,1 Prozent, neunzehn darunter; der Median der Liste, also der mittlere Wert, liegt bei 8,0 Prozent. Dreizehn Länder bleiben unter fünf Prozent, und am unteren Ende stehen Werte, die im Balkenbild kaum noch eine Fläche ergeben: 1,0 Prozent für die Türkei, 0,6 für Malta, je 0,3 für Island und Nordmazedonien. Eine Auffälligkeit gegen die Erwartung: Norwegen liegt mit 4,6 Prozent gleichauf mit Zypern und Luxemburg und damit weit hinter den übrigen nordischen Ländern — Schweden liegt mit 20,3 Prozent auf dem dritten Platz, Finnland mit 13,9 auf dem achten.

Im Balkendiagramm sind Österreich, die sieben Nachbarländer und die übrigen Länder durch drei Helligkeiten derselben Farbe unterschieden.

Was „Bio-Anteil“ genau zählt

Gemessen wird ein Flächenanteil, kein Ertrag, kein Umsatz und keine Zahl von Betrieben. Der Nenner ist die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche — so definiert es Eurostat in den Metadaten des Indikators, „the share of total utilised agricultural area (UAA) occupied by organic farming“. Der Zähler ist die biologisch bewirtschaftete Fläche desselben Gebiets, und für ihn gilt die Abgrenzung ohne Haus- und Nutzgärten. Beide Größen kommen aus derselben Eurostat-Reihe und werden nicht aus verschiedenen Quellen zusammengesetzt — das ist die Bedingung dafür, dass der Prozentsatz zwischen Ländern überhaupt vergleichbar ist.

Im Zähler stehen zwei Dinge zusammen: Flächen, deren Umstellung abgeschlossen ist, und Flächen, die sich noch in der Umstellung befinden. Das ist die Voreinstellung des Datensatzes und die in Europa übliche Berichtsform, aber es ist eine Entscheidung, keine Selbstverständlichkeit — eine Fläche im zweiten Umstellungsjahr wird hier genauso gezählt wie ein Hof, der seit zwanzig Jahren zertifiziert ist.

Zertifizierung ist außerdem ein Rechtsverhältnis, kein Zustand des Bodens. Gezählt wird, was nach den Regeln des ökologischen Landbaus bewirtschaftet und kontrolliert wird. Ob eine bestimmte Fläche viele Arten trägt, geht in diese Zahl nicht ein — dazu „Was diese Zahl nicht sagt“.

Wie die Zahlen zu lesen sind

Erstens: Umgestellt und in Umstellung sind zusammengezählt (siehe oben, „Was ‚Bio-Anteil‘ genau zählt“). Wie viel des österreichischen Anteils auf abgeschlossene Umstellungen entfällt und wie viel auf laufende, ist aus dieser Zahl nicht ablesbar. Für einen Ländervergleich ist die Zusammenfassung die richtige Wahl, weil sonst Staaten mit einer laufenden Umstellungswelle systematisch zu klein erschienen — für die Frage „wie stabil ist der Anteil?“ ist sie zu grob.

Zweitens: Alle Länder stehen im selben Jahr. Ein Ranking auf „das jeweils neueste Jahr je Land“ stellte Österreichs Wert von 2020 gegen die 2024er-Werte anderer — der Abstand wäre dann teils Zeit, teils Unterschied, und niemand könnte sagen, welcher Teil welcher ist. Deshalb vergleicht die Grafik alle Länder im jüngsten Jahr, für das Österreich einen Wert führt; warum das 2020 ist, steht in „Warum im Bild 2020 steht und nicht 2024“. Der Preis dafür steht ebenfalls im Bild: Die Momentaufnahme liegt vier Jahre vor dem Ende des Datensatzes.

Drittens, und das ist der wichtigste Vorbehalt: Ein hoher Bio-Anteil ist kein Maß für Artenvielfalt. Die Grafik misst Fläche nach Zertifizierung. Sie zählt Hektar, die einem Regelwerk unterliegen — nicht Arten, nicht Bestände, nicht Lebensräume. Zwischen der Bewirtschaftungsform und dem Zustand der Natur auf dieser Fläche liegt eine Kette von Annahmen, die dieser Datensatz nicht prüft und nicht prüfen kann. Aus „Österreich liegt bei Bio an der Spitze“ folgt daher nicht „Österreichs Agrarlandschaft ist artenreich“. Die Grafiken, die im selben Bereich nach dem Zustand fragen, geben andere Antworten — der Feldvogelindex, der Pestizidabsatz, der Stickstoffüberschuss und die Grünlandfläche stehen alle im Bereich Landwirtschaft und zeigen jeweils eine andere Richtung.

Erster sein und das Ziel verfehlen

Die gestrichelte Linie bei 35 Prozent ist keine Zierde. Sie ordnet den Spitzenplatz ein, und sie tut es unbequem: Auf die angestrebte Marke fehlen Österreich 9,3 Punkte, also mehr als ein Drittel des Weges, den es bereits zurückgelegt hat. Kein Land der Rangliste steht rechts von dieser Linie. Der zweitplatzierte Wert von 22,4 Prozent liegt 12,6 Punkte darunter, der EU-Schnitt 25,9 Punkte. Die Skala der Grafik endet genau auf dem Ziel.

Der Ländervergleich sagt etwas anderes als „Ziel noch nicht erreicht“ — er sagt, dass kein Land der Liste 35 Prozent erreicht, eine Marke, die sich Österreich selbst gesetzt hat; das EU-Ziel liegt bei 25 Prozent.

Die sieben Nachbarn

Sieben von Österreichs Nachbarländern führen im Vergleichsjahr einen Wert. Sie sind im Bild eigens hervorgehoben, weil die Frage „wie stehen wir zu den Nachbarn“ sonst im Feld der 33 Balken untergeht:

Land Bio-Anteil Platz
Österreich 25,7 % 1
Schweiz 17,0 % 4
Italien 16,0 % 5
Tschechien 15,3 % 6
Slowakei 11,7 % 9
Slowenien 10,3 % 11
Deutschland 9,6 % 14
Ungarn 6,0 % 20

Die Nachbarschaft ist damit kein einheitlicher Block: Sie reicht vom vierten bis zum zwanzigsten Platz und deckt einen Bereich von 17,0 bis 6,0 Prozent ab. Deutschland liegt mit 9,6 Prozent nur knapp über dem EU-Schnitt und damit 16,1 Punkte hinter Österreich. Bemerkenswert ist auch, dass sechs der sieben Nachbarn über dem EU-Schnitt liegen — der österreichische Spitzenwert steht in einer Region, die insgesamt über dem europäischen Mittel bio bewirtschaftet.

Liechtenstein, der achte Nachbar, meldet in diesem Datensatz keinen Wert und fehlt deshalb in der Rangliste. Der Vergleich zählt also sieben Nachbarn, nicht acht.

Warum im Bild 2020 steht und nicht 2024

Der Eurostat-Datensatz ist aktuell und reicht bis 2024. Österreich liefert für 2021 bis 2024 keine Werte. Das ist kein Wissensverlust, sondern ein Meldeverlust: Die nationale Zahl existiert weiter, sie erreicht nur den europäischen Datensatz nicht mehr.

Die nationale Zahl steht daneben und ist deutlich jünger: Für 2024 weist das Landwirtschaftsministerium 27,3 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in nationaler Abgrenzung aus, 697.500 Hektar und 23.942 Biobetriebe — rechnerisch 29,1 Hektar je Betrieb. Diese Zahl gehört nicht in die Rangliste, und sie ist auch kein Nachfolger der 25,7 Prozent: Sie stammt aus einem anderen Erhebungssystem mit einem anderen Nenner. Aus 25,7 und 27,3 lässt sich keine Veränderung ablesen — wer die Differenz von 1,6 Punkten als Zuwachs liest, vergleicht zwei Definitionen und nennt das Ergebnis Entwicklung.

Wie sich der Anteil tatsächlich entwickelt hat, zeigt die Seite zum Bio-Anteil im Verlauf: 21 Jahreswerte von 2000 bis 2020 — und die leere Fläche danach, die den Meldeausfall sichtbar macht.

Verwandte Auswertungen

  • Bio im Verlauf2000 lag der Anteil bei 13,8 Prozent, 2020 bei 25,7. Diese Seite zeigt den Stichtag, jene den Weg dorthin und die Lücke danach.
  • Pestizidabsatzdas Gegenstück im selben Bereich: Der Absatz ist seit 2011 um 52 Prozent gestiegen. Ein wachsender Bio-Anteil und ein wachsender Pestizidabsatz schließen einander nicht aus, weil sie Verschiedenes messen.
  • Stickstoffüberschussdie zweite Kennzahl der Agrarlandschaft, die sich verbessert hat: ein Fünftel unter dem Stand der späten Achtzigerjahre, aber wieder über dem Tiefstand von 2008 mit 29,6 Kilogramm je Hektar.
  • Feldvögeldie Zustandsfrage, auf die der Bio-Anteil keine Antwort gibt: Fast jeder zweite Feld- und Wiesenvogel ist seit 1998 verschwunden.

Woher die Daten kommen

Eurostat, Datensatz sdg_02_40 — Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche an der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Drei Abgrenzungen der Quelle sind gewählt: Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche (so der Wortlaut der Quelle); im Zähler die landwirtschaftliche Nutzfläche ohne Haus- und Nutzgärten; umgestellte Flächen plus Flächen in Umstellung.

Weiterverwendung: Eurostat führt keine benannte Lizenz wie CC BY. Die Daten dürfen frei weiterverwendet werden, sofern Eurostat als Quelle genannt wird — und Änderungen an den Daten sind kenntlich zu machen. Diese Seite rechnet Rang, Median, Differenzen und rundet auf eine Nachkommastelle; die gezeigten Werte sind also abgeleitet, nicht die Rohwerte der Quelle. Letzter österreichischer Wert: 2020; der Datensatz selbst reicht bis 2024. Abgerufen am 9. September 2026. Aus der Rangliste herausgehalten sind die Aggregate der Union und der Eurozone; die EU-27 wird als eigene Bezugsgröße geführt.

Die nationale Zahl für 2024 (27,3 Prozent, 697.500 Hektar, 23.942 Biobetriebe) stammt nicht aus Eurostat, sondern aus Biologische Landwirtschaft in Zahlen des Landwirtschaftsministeriums, abgelesen am 9. September 2026. Sie ist nicht Teil der Rangliste.

Die Zielmarke von 35 Prozent stammt nicht aus dem Datensatz, sondern aus dem Aktionsprogramm Biologische Landwirtschaft 23+ des Landwirtschaftsministeriums (Wien 2022), Seite 6, Kapitel 2.2, Abschnitt Erhalt und Ausbau der Position Österreichs als EU-Bioland Nr. 1. Dort steht, bis 2027 solle der Bio-Flächenanteil „Richtung 30 %“ gehen und „unter Berücksichtigung der Entwicklung der Nachfrage bis 2030 auf 35 % weiter gesteigert werden“ — die Marke ist also an eine Bedingung geknüpft und kein fester Zielwert. Das EU-Ziel der Farm-to-Fork-Strategie liegt mit 25 Prozent darunter und ist hier nicht gemeint. Das EU-Ziel steht in der Strategie „Vom Hof auf den Tisch“, COM(2020) 381, Abschnitt 2.1: „bis zum Jahr 2030 mindestens 25 % der landwirtschaftlichen Flächen in der EU ökologisch zu bewirtschaften“; gleichlautend in der EU-Biodiversitätsstrategie für 2030, COM(2020) 380, Abschnitt 2.2.2 (abgerufen am 7. Oktober 2026).

Nächste Aktualisierung: Der Datensatz wächst weiter, Österreich meldet seit vier Jahren nicht mehr hinein. Wann die österreichische Reihe wieder anschließt, ist nicht absehbar.

Zitieren und einbetten

Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Biologische Landwirtschaft im europäischen Vergleich. biodiversitaet-monitor.at/biolandbau/ · Daten: Eurostat sdg_02_40 · Datenstand Vergleichsjahr 2020

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Häufige Fragen

Welches Land hat den höchsten Bio-Anteil in Europa?

Österreich. 25,7 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche werden biologisch bewirtschaftet — Platz 1 von 33 Meldeländern im Vergleichsjahr 2020. Dahinter folgen Estland mit 22,4 und Schweden mit 20,3 Prozent. Der Schnitt der EU-27 liegt bei 9,1 Prozent.

Wie hoch ist der Bio-Anteil in Österreich aktuell?

25,7 Prozent (Eurostat, 2020) beziehungsweise 27,3 Prozent (national, 2024) — zwei Zahlen, zwei Quellen. Im europäischen Datensatz steht 25,7 Prozent für 2020 — das ist der jüngste Jahrgang, für den Österreich an Eurostat meldet. National weist das Landwirtschaftsministerium für 2024 27,3 Prozent aus, 697.500 Hektar und 23.942 Biobetriebe. Die beiden Werte haben verschiedene Nenner und lassen sich nicht zu einer Veränderung verrechnen.

Erreicht Österreich das Bio-Ziel von 35 Prozent?

Bisher nicht. Auf die angestrebten 35 Prozent für 2030 fehlen 9,3 Punkte — das Aktionsprogramm knüpft diese Marke allerdings an die Entwicklung der Nachfrage. Kein Land der Rangliste erreicht sie; der zweitbeste Wert liegt 12,6 Punkte darunter. Der erste Platz und der Abstand zur Marke stehen deshalb nebeneinander und widersprechen einander nicht.

Bedeutet ein hoher Bio-Anteil mehr Artenvielfalt?

Diese Grafik beantwortet das nicht. Sie misst Fläche nach Zertifizierung — Hektar, die den Regeln des ökologischen Landbaus unterliegen —, nicht Arten oder Bestände. Umgestellte Flächen und Flächen in Umstellung sind dabei zusammengezählt. Für den Zustand der Agrarlandschaft führt diese Website eigene Seiten, etwa den Feldvogelindex, den Pestizidabsatz und den Stickstoffüberschuss.