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Biodiversitätsmonitor › Landwirtschaft

Wie viel Pestizide werden in Österreich verkauft?

Datenstand 2024

In Österreich wurden 2024 5.232 Tonnen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoff in Verkehr gebracht. 2011, im ersten Jahr der Reihe, waren es 3.448 Tonnen — ein Zuwachs von 51,7 Prozent. Schneller als der Absatz insgesamt wuchsen dabei die anorganischen Fungizide, plus 81,5 Prozent. Zwei Einschränkungen gehören zu jeder dieser Zahlen. Gezählt wird die in Verkehr gebrachte Menge nach Gewicht, nicht die ausgebrachte und nicht ihre Wirkung. Und der Höchststand liegt nicht am Ende der Reihe, sondern 2022 bei 6.069 Tonnen; seither ist der Absatz um 13,8 Prozent zurückgegangen.

Absatz und seine Aufteilung, 2011 bis 2024

Was diese Zahl nicht sagt

Gezählt wird verkauftes Gewicht, nicht ausgebrachte Menge und nicht Wirkung: Ein Kilogramm Schwefel wiegt so viel wie ein Kilogramm eines synthetischen Mittels. Aus mehr Absatz folgt deshalb keine Aussage über Belastung, und ein Teil des Zuwachses stammt aus Mitteln, die auch im Biolandbau zugelassen sind.

Was die Grafik zeigt

Die Reihe hat vierzehn Jahrgänge und beginnt 2011. Dieses Anfangsjahr ist keine gewählte Basis, sondern der erste Jahrgang, den Eurostat für Österreich führt — und es ist auch nicht der Tiefstand der Reihe: 2013 lag der Absatz mit 3.097 Tonnen niedriger als 2011. Der Vergleich „2011 gegen 2024“ nimmt also nicht das schwächste Jahr als Startpunkt, wie es bei Zeitreihen gern geschieht.

Jahr Absatz gesamt anorganische Fungizide übrige Mittel Anteil anorganisch
2011 3.448 t 750 t 2.698 t 21,8 %
2012 3.557 t 911 t 2.646 t 25,6 %
2013 3.097 t 727 t 2.371 t 23,5 %
2014 3.373 t 861 t 2.512 t 25,5 %
2015 3.778 t kein Wert kein Wert —
2016 4.361 t 1.138 t 3.224 t 26,1 %
2017 4.625 t 1.184 t 3.441 t 25,6 %
2018 5.280 t 1.484 t 3.796 t 28,1 %
2019 4.954 t 1.320 t 3.634 t 26,6 %
2020 5.566 t 1.278 t 4.288 t 23,0 %
2021 5.791 t 1.293 t 4.497 t 22,3 %
2022 6.069 t 1.833 t 4.236 t 30,2 %
2023 5.251 t 1.223 t 4.028 t 23,3 %
2024 5.232 t 1.362 t 3.870 t 26,0 %

Aus der Tabelle folgen drei Aussagen. Erstens: Der Anstieg ist nicht gleichmäßig. Bis 2015 bewegt sich der Absatz zwischen 3.097 und 3.778 Tonnen, ab 2016 springt er auf ein anderes Niveau und bleibt dort. Zweitens: Die Kurve ist über dem Berg. Der Höchststand von 6.069 Tonnen fällt auf 2022, danach folgen zwei Jahre unter diesem Wert, 5.251 und 5.232 Tonnen. Wer nur „steigt seit 2011“ sagt, beschreibt die Reihe unvollständig. Drittens: Auch der Rückgang der letzten beiden Jahre führt nicht zurück auf das frühere Niveau. Gegen den Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2017, 4.255 Tonnen, liegt 2024 noch immer 23,0 Prozent darüber.

Der absolute Zuwachs von 2011 auf 2024 beträgt 1.784 Tonnen. Davon entfallen 612 Tonnen auf die anorganischen Fungizide und 1.172 Tonnen auf die übrigen Mittel — dem Gewicht nach kommt also gut ein Drittel des Zuwachses aus der anorganischen Gruppe, zwei Drittel aus dem Rest. Das ist kein Widerspruch zum schnelleren Wachstum der anorganischen Mittel, sondern seine Kehrseite: Die Gruppe startet von einem kleineren Sockel, wächst prozentual stärker und bleibt in Tonnen trotzdem der kleinere Beitrag. Beide Sätze gehören nebeneinander, sonst entsteht aus einer Prozentzahl eine Mengenaussage, die sie nicht trägt.

Was „anorganisch“ hier bedeutet

Gemeint ist die Gruppe „anorganische Fungizide“, so wie Eurostat sie im Datensatz selbst führt. Diese Gruppe hat drei Unterkategorien: Kupfer, Schwefel und sonstige anorganische Fungizide.

Sie ist nicht dasselbe wie „Kupfer plus Schwefel“. Rechnet man nur Kupfer und Schwefel, sinkt deren Anteil am Absatz (ab 2012, dem ersten Jahr mit Aufteilung). Nimmt man die Gruppe, die die Quelle so benennt, steigt der Anteil von 21,8 Prozent (2011) auf 26,0 Prozent (2024). Beide Rechnungen sind für sich richtig, sie beantworten verschiedene Fragen — diese Seite fragt nach der Gruppe, nicht nach zwei ihrer drei Mitglieder.

Die Aufteilung beginnt 2012, nicht 2011: Für 2011 führt Eurostat zwar die Gruppe, aber alle drei Unterkategorien sind als vertraulich gekennzeichnet und tragen keinen Wert.

Jahr Kupfer Schwefel sonstige anorganische Gruppe gesamt Anteil am Absatz
2012 88 t 795 t 28 t 911 t 25,6 %
2016 122 t 837 t 179 t 1.138 t 26,1 %
2020 134 t 830 t 314 t 1.278 t 23,0 %
2022 175 t 1.296 t 362 t 1.833 t 30,2 %
2024 148 t 872 t 341 t 1.362 t 26,0 %

Die Zahlen sind auf volle Tonnen gerundet; gerechnet wird in Kilogramm. In der Zeile 2024 ergibt die Summe der gerundeten Werte deshalb 1.361 statt 1.362 Tonnen — in Kilogramm trifft sie die Gruppe genau (148.491 + 872.202 + 341.335 = 1.362.028).

Der ganze Unterschied zwischen den beiden Lesarten steckt in der Spalte „sonstige anorganische“. Diese Fungizide wachsen von 28 Tonnen (2012) auf 341 Tonnen (2024), also auf das Zwölffache, und tragen damit rund zwei Drittel des Zuwachses der Gruppe seit 2012. Kupfer und Schwefel zusammen legen im selben Zeitraum um etwa 137 Tonnen zu. Wer die Gruppe selbst zusammensetzt, statt die der Quelle zu nehmen, bekommt hier das Gegenteil heraus, ohne dass ihm eine einzelne Zahl widerspricht.

Wie die Zahlen zu lesen sind

Erstens: Gemessen wird Gewicht, nicht Einsatz und nicht Wirkung. Die Reihe zählt die in Verkehr gebrachte Menge Wirkstoff in Kilogramm. Sie sagt nicht, wie viel davon tatsächlich ausgebracht wurde, nicht wann, nicht wo und nicht auf welcher Fläche. Vor allem sagt sie nichts über die Wirkung: Stoffe, die in Anwendungsmenge je Hektar, Wirkungsweise und Umweltverhalten nicht vergleichbar sind, zählen nach Gewicht gleich. Aus „plus 52 Prozent Absatz“ folgt deshalb weder „plus 52 Prozent Belastung“ noch eine Aussage über Gewässer, Böden, Insekten oder Gesundheit.

Zweitens — und deshalb ist der erste Punkt hier so wichtig: Gut ein Drittel des Zuwachses entfällt auf die anorganischen Mittel, und zwei ihrer drei Untergruppen, Kupfer und Schwefel, sind auch im biologischen Landbau zugelassen. Steigende Tonnage kann also zum Teil aus Mitteln stammen, die schwer wiegen, hoch dosiert ausgebracht werden und gerade nicht der synthetische Pflanzenschutz sind, an den man beim Wort „Pestizid“ denkt. Der Umkehrschluss ist allerdings genauso wenig belegt: Ob auch die Unterkategorie der sonstigen anorganischen Fungizide — jene, die sich verzwölffacht hat — im Biolandbau zulässig ist, geht aus den hier ausgewerteten Quellen nicht hervor.

Drittens: Für 2015 fehlt die Aufteilung. Der Gesamtwert dieses Jahres liegt vor, 3.778 Tonnen; für die Gruppe der anorganischen Fungizide ist der Wert als vertraulich gekennzeichnet, und damit fehlt auch der für die übrigen Mittel. Die gestapelten Balken fehlen dort; an ihrer Stelle steht ein leerer Balken mit gestricheltem Umriss, die Linie läuft durch. Näheres in „Die Lücke 2015“.

Viertens: Kein Ländervergleich. Einen Wert für die EU-27 liefert diese Reihe nicht. Die Zahl steht deshalb ohne europäischen Bezugsrahmen, anders als auf den Seiten Biolandbau und Schutzgebiete.

Die Lücke 2015

Für ein Jahr der Grafik, 2015, fehlen die gestapelten Balken; an ihrer Stelle steht ein leerer Balken mit gestricheltem Umriss. Der Gesamtabsatz dieses Jahres ist bekannt und steht in der Linie: 3.778 Tonnen. Die Aufteilung auf anorganische Fungizide und übrige Mittel fehlt.

Der Grund steht in der Quelle selbst: Eurostat kennzeichnet den Wert der anorganischen Fungizide für Österreich im Jahr 2015 mit einem Statuskennzeichen, das es als „confidential“ auflöst — vertraulich. Dasselbe Kennzeichen tragen die drei Unterkategorien für 2011. Belegt ist damit: der Wert existiert, er wird nur nicht veröffentlicht.

Für die Lesart der Reihe ist die Lücke unkritisch: Der Gesamtverlauf ist lückenlos, betroffen ist allein die Aufteilung eines einzelnen Jahres. Für die Darstellung ist sie es nicht — ein fehlender Balken sieht aus wie eine Null. Deshalb steht dort ein leerer Balken mit gestricheltem Umriss an genau der Stelle, an der die Aufteilung stünde.

Keine Zielmarke bei minus 50 Prozent

Neben dieser Kurve steht keine Zielmarke, obwohl das Ziel „minus 50 Prozent bis 2030“ in fast jedem Text zum Thema vorkommt. Zwei Gründe, beide unabhängig voneinander ausreichend. Erstens der falsche Maßstab: Das Ziel der Farm-to-Fork-Strategie misst Einsatz und Risiko über einen gewichteten Indikator, nicht die abgesetzte Menge in Kilogramm — es ließe sich an dieser Reihe gar nicht ablesen. Zweitens ist es kein geltendes Ziel: Die Verordnung, die es verbindlich gemacht hätte, ist am 22. November 2023 im Europäischen Parlament gescheitert, mit 299 Stimmen dagegen, 207 dafür und 121 Enthaltungen. Am 6. Februar 2024 kündigte die Kommissionspräsidentin im Plenum an, dem Kollegium die Rücknahme vorzuschlagen. Die förmliche Rücknahme steht im Amtsblatt vom 6. Mai 2024 (C/2024/3117). Eine Linie im Bild würde beides stillschweigend behaupten. Der zugehörige harmonisierte Risikoindikator (HRI 1) liegt bei Eurostat für Österreich vor (Index 2011–2013 = 100, Werte 2011 bis 2024). Er ist nicht Teil dieser Grafik, weil sie die abgesetzte Menge in Kilogramm zeigt.

Verwandte Auswertungen

  • Stickstoffüberschuss der Landwirtschaftdas Gegenstück: eine landwirtschaftliche Kennzahl, die sich verbessert. Das Fünfjahresmittel sinkt von 43,8 auf 35,4 Kilogramm Stickstoff je Hektar, minus 19,2 Prozent. Auch dort gilt eine Grenze derselben Art: Die Bilanz beziffert, was im System bleibt, nicht, wohin es von dort geht.
  • Biologische LandwirtschaftÖsterreich führt die europäische Rangliste mit 25,7 Prozent biologisch bewirtschafteter Fläche an, gegenüber 9,1 Prozent im EU-Mittel. Die Seite ist der sachliche Anschluss an den Vorbehalt in „Was diese Zahl nicht sagt“: Kupfer und Schwefel sind im Biolandbau zugelassen und wiegen in der Pestizidstatistik schwer.
  • Grünland gegen Walddritte Seite desselben Bereichs: Wiesen und Weiden schrumpfen zwischen 2009 und 2022 von 21.494 auf 19.932 Quadratkilometer, minus 7,3 Prozent.

Woher die Daten kommen

Eurostat aei_fm_salpest09, Österreich, Einheit Kilogramm, Jahre 2011 bis 2024. Der Datensatz führt seinen Zuschnitt im Titel: Absatz von Pflanzenschutzmitteln — historische Daten (2011-2024). Die parallele Indikatortabelle tai02 reicht von 2013 ebenfalls bis 2024; ein Jahrgang nach 2024 liegt in keiner der beiden Reihen vor, beide wurden zuletzt am 11. August 2026 aktualisiert. Einen festen Rhythmus für den nächsten Jahrgang nennt die Quelle nicht.

Weiterverwendung: Eurostat führt keine benannte Lizenz — frei verwendbar, sofern Eurostat als Quelle genannt wird, und Änderungen an den Daten sind kenntlich zu machen; die Anteile, die Wachstumsraten und der Durchschnitt 2015 bis 2017 auf dieser Seite sind gerechnet, nicht abgelesen.

Abgerufen werden fünf Reihen — die Gesamtmenge, die Gruppe F01 (anorganische Fungizide) und deren drei Unterkategorien F01_01 (Kupfer), F01_02 (Schwefel) und F01_99 (sonstige anorganische Fungizide). Fehlende Werte (Gruppe F01 2015, die drei Unterkategorien 2011) tragen das Statuskennzeichen C, „confidential“. Der harmonisierte Risikoindikator HRI 1 steht im Datensatz aei_hri (Index 2011–2013 = 100; Werte 2011 bis 2024, zuletzt 86 für 2024; Stand 3. September 2026, abgerufen am 7. Oktober 2026). Abgerufen am 9. September 2026.

Die politischen Angaben unter „Keine Zielmarke bei minus 50 Prozent“: Abstimmung vom 22. November 2023 — Europäisches Parlament, Pressemitteilung „No majority in Parliament for legislation to curb use of pesticides“ (22.11.2023): 299 Stimmen für die Ablehnung, 207 dafür, 121 Enthaltungen. Ankündigung vom 6. Februar 2024 — Ausführlicher Sitzungsbericht des Europäischen Parlaments, Sitzung vom 6. Februar 2024, Punkt 2, Rede der Kommissionspräsidentin: „I will propose to the College the withdrawal of this proposal“. Förmliche Rücknahme — Amtsblatt der Europäischen Union, C/2024/3117 vom 6. Mai 2024, „Rücknahme von Vorschlägen der Kommission“, Eintrag COM(2022) 305 final, 2022/0196 (COD). Alle drei abgerufen am 7. Oktober 2026.

Zitieren und einbetten

Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Absatz von Pflanzenschutzmitteln in Österreich. biodiversitaet-monitor.at/pestizide/ · Daten: Eurostat aei_fm_salpest09 · Datenstand 2024

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Häufige Fragen

Werden in Österreich mehr Pestizide eingesetzt als früher?

Verkauft wird mehr: 2024 wurden 5.232 Tonnen Wirkstoff in Verkehr gebracht, 2011 waren es 3.448 Tonnen — 51,7 Prozent mehr. Über den Einsatz sagt diese Zahl allerdings nur mittelbar etwas aus. Gewogen wird, was in den Handel kommt — ob, wann und wo es ausgebracht wird und was es bewirkt, steht nicht in der Reihe, und ein schwerer Stoff wie Schwefel fällt darin ebenso ins Gewicht wie ein synthetisches Mittel. Dazu kommt, dass der Höchststand nicht am Ende der Reihe liegt: 2022 waren es 6.069 Tonnen, seither ist der Absatz um 13,8 Prozent gesunken.

Was sind anorganische Fungizide?

Die Gruppe, die Eurostat in seinem Datensatz so benennt, mit drei Unterkategorien: Kupfer, Schwefel und sonstige anorganische Fungizide. Sie ist ausdrücklich nicht gleichbedeutend mit „Kupfer plus Schwefel“ — die dritte Unterkategorie wuchs von 28 Tonnen (2012) auf 341 Tonnen (2024). An dieser Unterscheidung hängt der Befund der Seite: Auf die enge Lesart hin sinkt der Anteil der anorganischen Mittel, auf die Gruppe hin steigt er von 21,8 auf 26,0 Prozent.

Sind Mittel des Biolandbaus für den Anstieg verantwortlich?

Das lässt sich aus diesen Daten nicht sagen: Eurostat zählt verkaufte Mengen, nicht, wer sie ausbringt. Von den 1.784 Tonnen Zuwachs seit 2011 entfallen 612 Tonnen auf die anorganischen Fungizide; Kupfer und Schwefel, zwei ihrer drei Untergruppen, sind auch im biologischen Landbau zugelassen und wiegen je Anwendung viel — ihr gemeinsamer Anteil am Absatz ist aber gesunken. Ob die dritte, am schnellsten gewachsene Untergruppe im Biolandbau eingesetzt wird, ist in den hier ausgewerteten Quellen nicht belegt.

Warum fehlt 2015 in der Grafik?

Für 2015 liegt der Gesamtwert vor — 3.778 Tonnen —, für die Gruppe der anorganischen Fungizide dagegen nicht. Deshalb fehlen dort die gestapelten Balken — an ihrer Stelle steht ein leerer Balken mit gestricheltem Umriss —, während die Gesamtlinie durchläuft. Der Grund steht in der Quelle: Eurostat kennzeichnet diesen Wert als vertraulich. Er existiert also, er wird nur nicht veröffentlicht. Dasselbe gilt für die drei Unterkategorien im Jahr 2011.