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Biodiversitätsmonitor › Arten

Wie viele Feld- und Wiesenvögel gibt es in Österreich?

Datenstand 1998–2025 (Bericht Indikator 2025, Juni 2026; EU-Reihe bis 2024), Abruf 23. September 2026

Der österreichische Farmland Bird Index misst, wie häufig 23 Vogelarten der Felder und Wiesen brüten. 1998 = 100. Im Jahr 2025 steht er bei 53,3 — ein Verlust von 46,7 Punkten, fast der Hälfte des Ausgangswerts. Der Index zählt Häufigkeit, nicht Artenzahl: Es gibt nicht weniger Vogelarten, es gibt weniger Vögel. Von den 20 Arten mit durchgehender Reihe sind 14 rückläufig, 4 ohne gesicherte Richtung, 2 zunehmend.

Zwei Linien, 1990 bis 2025, Basis 1998 = 100

Was diese Zahl nicht sagt

Der Index misst Veränderung gegenüber dem Basisjahr 1998, nicht Bestände: Die 100 ist ein gesetzter Bezugswert, kein Normalzustand, und die 53,3 sind keine Stückzahl. Warum die Häufigkeit zurückgeht, sagt die Reihe nicht — sie ist ein Zustandsmaß, kein Ursachennachweis.

Was die Linie zeigt

Die Reihe beginnt 1998 bei 100 und endet 2025 bei 53,3. Dazwischen liegen 27 Jahresschritte, von denen 16 nach unten und 10 nach oben zeigen; einer bleibt gleich. Der höchste je gemessene Wert steht gleich am Anfang: 1999 klettert der Index auf 102,2, und danach erreicht er die Marke von 100 nie wieder. Unter 90 fällt er 2003, unter 80 im Jahr 2008, unter 70 im Jahr 2011, unter 60 im Jahr 2016.

Die Linie ist dabei nicht glatt. Der größte Rückgang eines einzelnen Jahres liegt bei 7,8 Punkten (2022), der größte Anstieg bei 5,9 Punkten (2019). Einzelne Jahre taugen deshalb nicht als Aussage — Brutbestände schwanken mit Witterung und Zählaufwand, und wer zwei benachbarte Jahre gegeneinander liest, misst vor allem dieses Rauschen. Die Aussage der Grafik ist die Höhe des Absturzes über 27 Jahre, nicht der jüngste Schritt.

Gezählt wird Häufigkeit, nicht Artenzahl

Häufigkeit mit Artenzahl zu verwechseln ist der häufigste Lesefehler bei Vogelindikatoren; er kehrt die Aussage nicht um, sondern verschiebt sie auf ein anderes Thema.

Was der Index misst: Für jede der 23 Indikatorarten wird aus dem Brutvogel-Monitoring ein eigener Bestandsverlauf gerechnet — wie viele Reviere auf denselben Zählstrecken Jahr für Jahr besetzt sind. Diese Artreihen werden zu einem gemeinsamen Index verkettet, mit dem Basisjahr 1998 als 100. Ein Wert von 53,3 heißt deshalb: Die Häufigkeit dieser Arten auf den Zählstrecken liegt bei gut der Hälfte des Werts von 1998.

Was er nicht misst: Er sagt nichts darüber, wie viele Arten es gibt. Alle 23 Arten kommen in Österreich weiterhin vor; keine ist aus dem Index verschwunden, weil sie ausgestorben wäre. Die Grauammer, die stärkste Verliererin der Reihe, wird auf sechs Zählstrecken noch gefunden. Ein Rückgang um fast die Hälfte bedeutet also: dieselben Arten, deutlich weniger Vögel. Wer aus „fast jeder zweite ist verschwunden“ liest, Österreich habe die Hälfte seiner Feldvogelarten verloren, hat eine Aussage über Bestände in eine über Artenvielfalt übersetzt — und damit eine Zahl zitiert, die es nirgends gibt.

Die Unterscheidung ist keine Spitzfindigkeit, denn beide Größen verhalten sich unterschiedlich. Häufigkeit reagiert früh: Bestände dünnen aus, lange bevor die letzte Art fehlt. Artenzahl reagiert spät und ist träge — sie ändert sich erst, wenn eine Art vollständig ausfällt. Ein Häufigkeitsindex ist deshalb das empfindlichere Instrument. Er zeigt Veränderung, während sie läuft, und nicht erst, wenn sie abgeschlossen ist. Wer wissen will, wie es um die Artenzahl steht, liest die Rote Liste, nicht diesen Index.

Ebenso wenig ist der Index eine Aussage über einzelne Arten. Er ist ein Mittel über 23 Reihen, und ein Mittel verbirgt seine Spannweite. Die Auffächerung zeigt die Seite Feld- und Wiesenvögel Art für Art: Die Spanne der Langzeittrends reicht dort von der Grauammer mit −97 Prozent bis zum Stieglitz mit +122 Prozent. Beide Arten stecken in derselben Linie, die diese Seite zeigt.

Was ein Index mit Basis 100 nicht sagt

Die 100 des Jahres 1998 sagt nicht, wie viele Brutpaare damals gezählt wurden, und die 53,3 sagen es für heute ebenso wenig.

Das Basisjahr ist ein Anfang der Messung, kein Normalzustand. 1998 ist das erste Jahr, für das das österreichische Brutvogel-Monitoring eine belastbare Reihe liefert. Was vor 1998 geschah, steht nicht in dieser Grafik. Die 100 ist deshalb kein Ziel, sondern der Punkt, an dem gemessen zu werden begann.

„Stabil“ heißt nicht Stillstand. Von den 20 durchgehend bewerteten Arten tragen vier die Einstufung „stabil“. Das bedeutet in dieser Auswertung: keine gesicherte Richtung — der Trend ist statistisch nicht gesichert und liegt unter fünf Prozent im Jahr. Es heißt nicht, dass sich der Bestand nachweislich nicht verändert hat.

Die EU-Linie ist Kontext, kein Vergleich

Die zweite Linie im Bild stammt aus einer anderen Erhebung. Eurostat führt einen europäischen Index verbreiteter Feldvogelarten: 39 Arten aus 26 Mitgliedstaaten, die österreichische Reihe umfasst 23 Arten in einem Land. Beide sind Kettenindizes (jedes Jahr wird an das Vorjahr angeschlossen, nicht an ein festes Basisjahr), weshalb sich die EU-Reihe rechnerisch sauber auf 1998 = 100 umbasieren lässt; ohne diese Umrechnung stünden zwei Kurven mit verschiedenen Basisjahren nebeneinander und sähen vergleichbar aus, ohne es zu sein.

Zulässig ist nach der Umbasierung genau eine Aussage: beide Reihen zeigen in dieselbe Richtung. Für 2024, das letzte Jahr mit Werten auf beiden Seiten, steht Österreich bei 56,7 und die EU bei 65,8 — 9,1 Punkte Abstand. Daraus folgt nicht, dass es Österreichs Feldvögeln um 9,1 Punkte schlechter geht als dem europäischen Durchschnitt. Es sind andere Arten, andere Landschaften, andere Zählprogramme; die Differenz ist zu einem unbekannten Teil ein Unterschied der Messgröße, nicht der Lage.

Ein Blick auf die Form der Linien macht das anschaulich. Die EU-Reihe fällt von 1998 bis 2024 von 100 auf 65,8 — und zwar in jedem einzelnen Jahr, in Schritten zwischen 1,1 und 1,6 Punkten. In 26 Jahresschritten gibt es kein einziges Plus. Die österreichische Reihe dagegen schwankt um bis zu 7,8 Punkte im Jahr. Zwei Kurven, die sich so unterschiedlich verhalten, messen erkennbar nicht dasselbe. Die EU-Linie steht im Bild, um die Richtung einzuordnen, und darf nicht als Rangvergleich gelesen werden.

Zwei Phasen — und der Knick ist gerechnet

Der Bericht beschreibt den Verlauf in zwei Abschnitten: Nach dem starken Rückgang hat sich die negative Entwicklung „in den letzten etwa zwölf Jahren deutlich abgeflacht“, eine Trendumkehr sei nicht erkennbar (S. 13). Der Knick ist gerechnet, nicht gesetzt: als erstes Jahr, ab dem kein Wert mehr über dem Mittel der zweiten Reihenhälfte zuzüglich fünf Punkten liegt. Für die Reihe 1998–2025 liegt diese Schwelle bei rund 64,9, das gefundene Jahr ist 2013.

Phase Zeitraum von → bis Veränderung (Punkte) im Mittel je Jahr (Punkte)
Absturz 1998–2013 100,0 → 63,6 −36,4 −2,4
Tiefbereich 2013–2025 63,6 → 53,3 −10,3 −0,86

Der Unterschied zwischen den beiden Phasen ist der Befund, den die reine Endzahl verdeckt. Rund drei Viertel des gesamten Verlusts fielen in den ersten fünfzehn Jahren an. Seit 2013 bewegt sich der Index in einem Band zwischen 53,3 und 63,6 — er sinkt weiter, aber langsamer, und einzelne Jahre heben ihn zwischendurch wieder an.

Das ist ausdrücklich keine Entwarnung, und die zweite Phase ist auch keine Erholung. Der Index verharrt auf gut der Hälfte des Ausgangswerts; der niedrigste Wert der ganzen Reihe liegt am Ende, nicht in der Mitte. Wer die Linie ab 2013 für sich betrachtet, sieht eine Reihe, die um ein tiefes Niveau schwankt — kein Wiederanstieg.

Was die Grafik zeigt: wie stark die Häufigkeit der Feld- und Wiesenvögel seit 1998 zurückgegangen ist und in welchen zwei Phasen das geschah. Was sie nicht zeigt: warum. Aus der Reihe selbst lässt sich keine Ursache ablesen. Benachbarte Auswertungen — Grünland, Pflanzenschutzmittel, Biolandbau — stehen als eigene Messgrößen daneben; ein Zusammenhang ist aus diesen Daten nicht belegt.

Der Tiefpunkt 2025 ist eine Aussage von BirdLife

Die 53,3 des Jahres 2025 sind laut BirdLife der niedrigste Wert der Reihe: „Der Indexwert für das Jahr 2025 ist mit 53,3 Prozent der niedrigste seit 1998“, schreibt BirdLife Österreich in der Presseaussendung vom 10. August 2026; der Teilbericht selbst formuliert vorsichtiger, der Wert liege „etwas niedriger als die Werte der beiden Vorjahre, und in etwa gleich auf mit dem Wert des Jahres 2022“ (S. 13). Diese Seite führt den Satz „niedrigster Wert seit 1998“ als Aussage von BirdLife, nicht als eigene Rechnung; der Grund steht in den Daten selbst: 2022 steht bei 53,6 — drei Zehntel über dem Tiefpunkt.

Dazu kommt die Bauart des Index: BirdLife rechnet ihn jedes Jahr vollständig neu, wobei sich ältere Jahre um Zehntel verschieben. Mit dem Bericht Indikator 2025 hat sich etwa der Wert für 2024 von 56,1 auf 56,7 bewegt. Ein Abstand von drei Zehnteln zwischen den beiden tiefsten Jahren ist damit kleiner als die Verschiebung, die eine Neuberechnung erzeugen kann. Die ganze Reihe auf dieser Seite stammt aus demselben Bericht; die Rangfolge der beiden tiefsten Jahre bleibt trotzdem eine Aussage von BirdLife.

Verwandte Auswertungen

  • Der Rückgang trifft die Arten sehr ungleichdieselben 23 Arten, einzeln statt gemittelt: Von den 20 Arten mit durchgehender Reihe sind 14 rückläufig, 4 ohne gesicherte Richtung, 2 zunehmend; die Spanne reicht von −97 bis +122 Prozent. Diese Seite zeigt, wie groß der Rückgang ist; jene, wie er verteilt ist.
  • Wiesenfalter in Europadieselbe Bauform, dieselbe Größenordnung, andere Tiergruppe: ein Index auf Basis 1991 = 100, zuletzt bei 52,65. Der wichtige Unterschied: Es ist ein EU-Aggregat ohne österreichische Linie.
  • Biber und Fischotter sind zurückgekommender Gegenpol im selben Bereich. Er zeigt, dass Rückgang kein Naturgesetz ist, und macht zugleich sichtbar, wie unterschiedlich zwei Bestandsmaße gebaut sein können: dort Spannen aus Revierkartierungen je Berichtsperiode, hier ein jährlicher Index ohne Stückzahlen.

Woher die Daten kommen

Österreichische Reihe: Teufelbauer, N. & Seaman, B. (2026): Farmland Bird Index für Österreich: Indikator 2023 bis 2029 — Teilbericht Indikator 2025. BirdLife Österreich im Auftrag des BMLUK (Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft), Wien, Juni 2026, Tab. 5, S. 14; Einordnung des Werts 2025 S. 13. PDF beim BMLUK: Bericht Farmland Bird Index 2025. Abgerufen am 23. September 2026, Kontrolle am 7. Oktober 2026.

Presseaussendung: BirdLife Österreich (10.08.2026): Österreichs Feld- und Wiesenvögel im Tiefflug – weiteres Hoffen auf Trendumkehr, birdlife.at/artikel/… — „Der Indexwert für das Jahr 2025 ist mit 53,3 Prozent der niedrigste seit 1998.“ Abgerufen am 7. Oktober 2026.

BirdLife veröffentlicht den Index als PDF ohne Datenanhang; die Werte sind aus der Tabelle abgeschrieben. Grundlage ist das Brutvogel-Monitoring Österreichs, aus dem der Index gerechnet wird; die Verkettung folgt dem geometrischen Mittel nach Marchant et al. (1990).

Europäische Reihe: Eurostat sdg_15_60, Index weit verbreiteter Vogelarten (gemeine Feldvogelarten, EU-Aggregat), als Index mit Basisjahr = 100 geführt, hier auf 1998 = 100 umbasiert. Stand 2024. Artenzahl und Länderzahl nach den Referenz-Metadaten (ESMS) zu sdg_15_60, Abschnitt 4.1 Data description: „common farmland species (39 species)“; „The European Bird Census Council and its PECBMS programme delivers data from 26 Member States“ (Malta nicht abgedeckt); Abschnitt 6.1 Reference area: „Data are presented only as EU aggregate.“ Metadaten-Stand 30. April 2026, abgerufen am 7. Oktober 2026.

Weiterverwendung: Für die Weiterverwendung gilt das Impressum von BirdLife Österreich: „Alle Fotos und Artikel sind urheberrechtlich geschützt, sofern dies nicht explizit anders angegeben ist.“ Eine offene Lizenz nennt es nicht. Die Zahlen dieser Seite stammen aus dem veröffentlichten Bericht und sind mit Quellenangabe zitiert.

Nächste Aktualisierung: Der Bericht erscheint jährlich; die letzten beiden Ausgaben hat BirdLife am 31. Juli 2025 und am 10. August 2026 per Presseaussendung veröffentlicht.

Zitieren und einbetten

Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Feld- und Wiesenvögel — Bestandsindex 1998 bis 2025. biodiversitaet-monitor.at/feldvoegel/ · Daten: BirdLife Österreich / BMLUK, Eurostat · Datenstand 1998–2025 (Bericht Indikator 2025, Juni 2026; EU-Reihe bis 2024)

Die Zahlen dieser Seite als Datei: vogel.json

Häufige Fragen

Wie viele Feld- und Wiesenvögel gibt es in Österreich noch?

Als Stückzahl lässt sich das aus diesen Daten nicht sagen — gemessen am Ausgangswert von 1998 liegt die Häufigkeit bei gut der Hälfte. Der Farmland Bird Index für Österreich steht 2025 bei 53,3 von 100 — ein Rückgang um 46,7 Punkte in 27 Jahren, gemessen als Veränderung gegenüber dem Basisjahr.

Welche Arten zählen dazu?

23 Arten der Felder und Wiesen: Rebhuhn, Turteltaube, Kiebitz, Wendehals, Turmfalke, Neuntöter, Heidelerche, Feldlerche, Sumpfrohrsänger, Dorngrasmücke, Star, Wacholderdrossel, Braunkehlchen, Schwarzkehlchen, Steinschmätzer, Feldsperling, Baumpieper, Bergpieper, Bluthänfling, Stieglitz, Girlitz, Grauammer und Goldammer. Ursprünglich waren 24 Arten ausgewählt; der Zitronenzeisig wird wegen zu geringer Stichprobe nie einbezogen. Für den Langzeittrend ausgewertet sind 20 Arten — Heidelerche, Steinschmätzer und Bergpieper werden erst ab 2008 gerechnet und sind im Gesamtindex zwar enthalten, aber nicht in der Trendauszählung.

Heißt das, es gibt weniger Vogelarten?

Nein. Der Index misst Häufigkeit, nicht Artenzahl. Alle 23 Arten kommen weiterhin in Österreich vor; keine ist aus dem Index verschwunden, weil sie ausgestorben wäre. Ein Wert von 53,3 heißt: dieselben Arten, aber ihre Häufigkeit liegt bei gut der Hälfte des Werts von 1998. Wie viele Arten insgesamt gefährdet sind, beantworten die Roten Listen, nicht dieser Indikator.

Steht Österreich schlechter da als die EU?

Das lässt sich aus dieser Grafik nicht beantworten. Für 2024 steht die österreichische Reihe bei 56,7 und die europäische bei 65,8, beide auf 1998 = 100. Die EU-Reihe beruht aber auf einer anderen Artenauswahl — 39 Arten in 26 Staaten — und ist nur rechnerisch auf dasselbe Basisjahr gezogen. Die beiden Linien zeigen dieselbe Richtung; sie sind keine gemeinsame Messgröße und taugen nicht für einen Rangvergleich.