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Biodiversitätsmonitor › Arten

Welche Feld- und Wiesenvogelarten in Österreich nehmen ab und welche zu?

Datenstand Saison 2025, Abruf 26. August 2026

Das österreichische Brutvogelmonitoring rechnet für 20 Feld- und Wiesenvogelarten eine durchgehende Reihe von 1998 bis 2025. 14 von ihnen sind gesichert zurückgegangen, 4 zeigen keine gesicherte Richtung, 2 haben zugenommen. Die Entwicklung trifft die Arten dabei sehr ungleich: Die Grauammer hat 97 Prozent ihres Bestands verloren, der Stieglitz hat seinen mehr als verdoppelt (+122 Prozent). Zwischen beiden Enden liegen 219 Prozentpunkte.

Feld- und Wiesenvögel Art für Art

Was diese Grafik nicht zeigt

Was sie nicht zeigt: wie groß der Rückgang insgesamt ist. Das ist eine einzige Zahl, sie kommt aus derselben Erhebung, und sie steht auf der Seite zum Index der Feld- und Wiesenvögel. Was die Grafik zeigt: wie ungleich sich die einzelnen Arten entwickelt haben, wer verliert, wer gewinnt und wo die Zählung nichts sagen kann.

Zwanzig Arten, drei Gruppen

Jeder Balken ist eine Art, und er zeigt die Gesamtveränderung ihres Bestands über 27 Jahre. Die Sortierung ist nicht alphabetisch und nicht nach Beliebtheit, sondern nach dem Wert selbst — das Bild liest sich deshalb von oben nach unten als eine einzige durchgehende Reihe vom stärksten Verlust zum stärksten Zuwachs.

Art Veränderung 1998–2025 pro Jahr Einstufung Zählstrecken
Grauammer −97 % −12 % starke Abnahme 6
Girlitz −90 % −8 % starke Abnahme 49
Turteltaube −75 % −5 % Abnahme 45
Schwarzkehlchen −72 % −5 % Abnahme 30
Braunkehlchen −70 % −4 % Abnahme 14
Rebhuhn −69 % −4 % Abnahme 18
Baumpieper −59 % −3 % Abnahme 69
Kiebitz −58 % −3 % Abnahme 36
Sumpfrohrsänger −58 % −3 % Abnahme 60
Wacholderdrossel −54 % −3 % Abnahme 44
Feldlerche −53 % −3 % Abnahme 85
Goldammer −47 % −2 % Abnahme 146
Bluthänfling −41 % −2 % Abnahme 48
Dorngrasmücke −31 % −1 % Abnahme 52
Neuntöter −10 % 0 % keine gesicherte Richtung 92
Feldsperling −3 % 0 % keine gesicherte Richtung 123
Star +3 % 0 % keine gesicherte Richtung 168
Wendehals +7 % 0 % keine gesicherte Richtung 33
Turmfalke +33 % +1 % Zunahme 176
Stieglitz +122 % +3 % Zunahme 210

Vierzehn der zwanzig Arten sind gesichert zurückgegangen, das sind 70 Prozent; rechnerisch im Minus stehen sechzehn, zwei davon ohne gesicherte Richtung. Die mittlere Art dieser zwanzig liegt bei −53,5 Prozent — der Median, also der Wert, unter dem die eine Hälfte und über dem die andere liegt. Der arithmetische Mittelwert liegt dagegen bei −36,1 Prozent, um mehr als 17 Punkte höher, und der Unterschied hat vor allem einen Grund: den Stieglitz. Ein starker Gewinner hebt das Mittel spürbar an, den Median nicht. Wer über diese Grafik in einer einzigen Zahl berichtet, sollte deshalb sagen, welche er meint.

Die Jahresrate in der dritten Spalte ist gerundet und trägt nicht immer bis zur Gesamtzahl durch. Bei der Grauammer geht die Rechnung fast genau auf: 27 Jahre zu je −12 Prozent ergeben −96,8 Prozent. Beim Stieglitz ebenso: 27 Jahre zu je +3 Prozent ergeben +122 Prozent. Bei der Goldammer nicht: −2 Prozent im Jahr kämen über 27 Jahre auf −42 statt auf die ausgewiesenen −47 Prozent. Die Jahresrate ist im Bericht auf ganze Prozent gerundet; sie steht in dieser Tabelle, weil an ihr die Einstufung hängt — nicht, weil sie zum Hochrechnen taugt.

Was „gleich geblieben“ heißt — und was nicht

Das ist der Punkt, an dem diese Grafik am häufigsten falsch gelesen wird. Vier Arten tragen die mittlere Farbe — im Bericht „stabil“, in der Grafik „gleich geblieben“, in der Tabelle „keine gesicherte Richtung“ —, und wer schnell liest, versteht: Diesen vier geht es unverändert, sie halten sich. Das steht dort nicht.

Der Bericht stuft jede Art nach zwei Kriterien zugleich ein. Eine Art gilt als abnehmend oder zunehmend, wenn ihr Trend statistisch gesichert ist; bei einem gesicherten Verlust von mehr als fünf Prozent im Jahr als stark abnehmend. Und sie gilt als stabil, wenn der Trend nicht gesichert ist und die jährliche Veränderung unter fünf Prozent liegt. Die mittlere Gruppe ist damit keine Gruppe von Arten, die sich halten. Sie ist die Gruppe, bei der die Zählung keine Richtung entscheiden kann.

Das ist ein statistischer Befund, kein biologischer. Er sagt nichts darüber, ob der Bestand einer dieser vier Arten in Wahrheit fällt oder steigt — er sagt, dass die vorliegenden Zahlen beides nicht ausschließen. Die vier Werte selbst zeigen das deutlich: Sie reichen vom Neuntöter mit −10 Prozent bis zum Wendehals mit +7 Prozent. Das ist ein Band von 17 Punkten, nicht eine Null. Eine Art in diesem Band kann über 27 Jahre ein Zehntel ihres Bestands verloren haben, und die Einstufung nennt sie trotzdem nicht abnehmend, weil der Verlust im Rauschen der Zählung liegt.

Wie beweglich die Einstufung ist, zeigen zwei der drei Arten mit Reihe ab 2008 (siehe unten): Steinschmätzer und Bergpieper galten im Bericht über die Saison 2024 noch als zunehmend, mit +31 und +16 Prozent; mit dem Stand 2025 stehen sie bei +14 und +8 Prozent in der mittleren Gruppe. Zwischen diesen beiden Fassungen ist nur ein weiteres Zähljahr hinzugekommen, und damit war die Richtung nicht mehr gesichert. Eine Einstufung, die sich mit einem zusätzlichen Zähljahr umdreht, ist eine Aussage über die Datenlage.

Richtig gelesen heißt die Grafik also nicht „14 verlieren, 4 halten sich, 2 gewinnen“, sondern „14 verlieren, 2 gewinnen, und bei 4 sagt die Zählung nichts Gesichertes“. Der Unterschied ist kein Sprachspiel. Er entscheidet, ob vier Arten als Gegenbeweis gegen einen Rückgang zitiert werden können — sie können es nicht.

Wie viel Boden eine Zahl hat: die Zählstrecken

Der zweite Vorbehalt nach der Einstufung ist von derselben Sorte, und er wiegt bei genau den Balken am schwersten, die im Bild am meisten auffallen.

Das Brutvogelmonitoring zählt auf festen Strecken. Wie viele Strecken eine Art tragen, hängt davon ab, auf wie vielen sie überhaupt vorkommt, und das schwankt in diesem Datensatz um mehr als das Dreißigfache: sechs Strecken bei der Grauammer, 210 beim Stieglitz. Die mittlere Art liegt bei 50,5 Strecken. Beide Trends sind im Bericht als gesichert ausgewiesen — wenige Strecken heißen nicht, dass ein Wert unbrauchbar wäre. Sie heißen, dass er auf deutlich weniger Boden ruht: Die Spanne, in der der wahre Wert liegen kann, ist bei sechs Strecken breiter als bei 210, und schon einzelne Streckenausfälle bewegen das Ergebnis.

Die Streckenzahlen verteilen sich dabei nicht zufällig über die drei Gruppen:

Gruppe Arten Zählstrecken (Median) Spanne
Rückgang 14 46,5 6–146
keine gesicherte Richtung 4 107,5 33–168
Zunahme 2 193 176–210

Dasselbe von beiden Enden gelesen: Unter den sechs Arten mit den meisten Strecken — Stieglitz (210), Turmfalke (176), Star (168), Goldammer (146), Feldsperling (123), Neuntöter (92) — ist genau eine rückläufig, die Goldammer. Unter den sechs Arten mit den wenigsten Strecken — Grauammer (6), Braunkehlchen (14), Rebhuhn (18), Schwarzkehlchen (30), Wendehals (33), Kiebitz (36) — sind fünf rückläufig. Warum das so ist, steht in diesen Daten nicht. Für das Lesen der Grafik reicht der Befund selbst: Die stärksten Rückgänge stehen im Mittel auf der dünnsten Grundlage.

Deshalb steht die Streckenzahl in der Tabelle neben jedem Wert: Eine Prozentzahl ohne ihre Stichprobe ist in diesem Datensatz eine halbe Angabe.

Die beiden Enden

Die Grauammer ist der stärkste Einzelwert der Grafik: −97 Prozent seit 1998, rund zwölf Prozent Verlust im Jahr. Sie wird auf sechs Zählstrecken erfasst, und im Berichtsjahr wurden dort zehn Individuen gezählt. Beides gehört zusammen genannt: Der Wert ist der dramatischste der Seite und zugleich der am dünnsten abgestützte. Er ist kein Ausreißer, den man streichen sollte — der Trend ist gesichert —, aber er ist der Wert mit der größten Unsicherheit.

Der Stieglitz steht am anderen Ende: +122 Prozent, mehr als eine Verdoppelung, auf 210 Strecken erfasst und damit die bestabgestützte Art des Datensatzes. Er ist zugleich der Grund, warum das Mittel dieser zwanzig Werte so viel freundlicher aussieht als ihr Median.

Aus beiden zusammen ergibt sich, warum die große Zahl dieser Seite nicht −97 Prozent lautet, sondern 14 von 20: Der Extremwert einer einzelnen Art würde sonst als Rückgang der ganzen Gruppe gelesen. Den zeigt der Index der Feld- und Wiesenvögel insgesamt: −46,7 Prozent seit 1998 (Index 53,3 gegenüber 100), auf der Seite zum Index der Feld- und Wiesenvögel.

Drei Arten, die später beginnen, und eine, die nie gezählt wird

Der Indikatorsatz umfasst 24 definierte Arten. Auf dieser Grafik stehen 20. Die Differenz erklärt sich so:

Art Veränderung Beginn Einstufung Strecken
Bergpieper +8 % 2008 keine gesicherte Richtung 37
Steinschmätzer +14 % 2008 keine gesicherte Richtung 25
Heidelerche +69 % 2008 Zunahme 28
Zitronenzeisig — — wird nicht ausgewertet —

Für Heidelerche, Steinschmätzer und Bergpieper beginnt die Reihe erst 2008. Sie stehen deshalb nicht im selben Balkenbild wie die übrigen: 17 Jahre neben 27 zu stellen wäre ein stiller Vergleich zweier verschiedener Dinge — eine Art hätte weniger Zeit, um zu verlieren oder zu gewinnen, und der Unterschied im Balken käme zum Teil aus der Länge des Zeitraums. Sie stehen deshalb in dieser eigenen Tabelle, mit ihrem Beginnjahr daneben.

Der Zitronenzeisig ist die 24. Art und wird dauerhaft nicht ausgewertet, weil die Stichprobe zu klein bleibt. Er fehlt also nicht aus Versehen, und er fehlt auch nicht, weil es ihm gut ginge — über ihn sagt das Monitoring nichts.

Wie die Zahlen zu lesen sind

Erstens: keine Ursachen. Der Datensatz enthält je Art die Gesamtveränderung, die Jahresrate, die Einstufung und die Zahl der Zählstrecken. Er enthält keine Angabe zu Flächennutzung, Bewirtschaftung, Klima, Zugweg oder Schutzmaßnahme. Jede Erklärung, warum eine Art verliert und eine andere gewinnt, käme von außerhalb dieser Daten.

Zweitens: keine Bestandsgrößen. Die Balken sind Veränderungen, keine Vögel. Ein Plus von 122 Prozent sagt nichts darüber, wie häufig eine Art ist, und ein Minus von 97 Prozent nichts darüber, wie selten. Zwei Arten mit demselben Balken können sich in der Zahl der Brutpaare um Größenordnungen unterscheiden.

Drittens: kein Verlauf. Die Grafik zeigt Anfang und Ende einer Reihe, nicht ihren Weg. Ob ein Rückgang in den ersten Jahren passiert ist und der Bestand seither auf niedrigem Niveau steht oder ob er gleichmäßig weiterläuft, ist aus dem Balken nicht ablesbar.

Viertens: nicht die österreichische Vogelwelt. Gezählt wird ein festgelegter Satz von Indikatorarten des Offenlands — Feld und Wiese. Wälder, Gewässer, Siedlungen und Gebirge haben eigene Artengemeinschaften, die hier nicht vorkommen.

Verwandte Auswertungen

  • Feld- und Wiesenvögel insgesamtdieselbe Erhebung, als ein einziger Index: 1998 = 100, Stand 2025 = 53,3. Diese Seite zeigt, wie ungleich sich die Arten entwickelt haben; jene, wie viel vom Bestand insgesamt fehlt.
  • Wiesenfalter in Europadieselbe Darstellung für eine andere Tiergruppe, aber mit umgekehrtem Vorbehalt: Dort gibt es nur einen europäischen Index und keine Österreich-Linie, hier gibt es österreichische Werte bis auf die einzelne Art hinunter.
  • Biber und Fischotterder Gegenpol im selben Kapitel: zwei Arten, deren Bestände sich erholt haben. Der Vergleich beantwortet die Frage, die diese Seite offenlässt — ob Rückgang ein Naturgesetz ist.
  • Rote Listenwie alt das Wissen über gefährdete Arten in Österreich ist. Die Vögel sind der Sonderfall mit jährlicher Zählung; für die meisten anderen Tiergruppen gibt es nichts Vergleichbares.

Woher die Daten kommen

BirdLife Österreich, Monitoring der Brutvögel Österreichs: Teufelbauer, N. & Seaman, B. (2026), Bericht über die Saison 2025, Wien, Juli 2026 — Artentrends in Tabelle 3, S. 11–13, Streckenzahlen in Tabelle 1; PDF, verlinkt auf birdlife.at, Monitoring der Brutvögel Österreichs. Abgerufen am 26. August 2026, Kontrolle am 7. Oktober 2026. Die Werte sind aus dem Bericht übernommen; BirdLife veröffentlicht die Artentrends als PDF ohne Datenanhang. Die Presseaussendung von BirdLife vom 10. August 2026 nennt dieselbe Verteilung 14 / 4 / 2 und dieselben Artennamen je Gruppe.

Vorige Fassung: Teufelbauer, N. & Seaman, B. (2025), Bericht über die Saison 2024, Wien, Juni 2025, Tabelle 3, S. 10–11 (Langzeittrend 1998–2024 bzw. 2008–2024); PDF auf derselben Monitoring-Seite. Abgerufen am 7. Oktober 2026.

Weiterverwendung: Für die Weiterverwendung gilt das Impressum von BirdLife Österreich: „Alle Fotos und Artikel sind urheberrechtlich geschützt, sofern dies nicht explizit anders angegeben ist.“ Der Bericht selbst trägt einen Zitiervorschlag, keinen Lizenzhinweis. Die Zahlen dieser Seite stammen aus dem veröffentlichten Bericht und sind mit Quellenangabe zitiert. Die Auswertung dieser Seite steht unter CC BY 4.0, die Rohwerte nach den Bedingungen ihrer Quelle.

Nächste Aktualisierung: Der Bericht über die Saison 2025 trägt das Datum Juli 2026, der über die Saison 2024 das Datum Juni 2025.

Zitieren und einbetten

Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Feld- und Wiesenvögel Art für Art. biodiversitaet-monitor.at/vogelarten/ · Daten: BirdLife Österreich, Brutvogelmonitoring, Saison 2025 · Datenstand Saison 2025

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Häufige Fragen

Welche Vogelart hat am stärksten verloren?

Die Grauammer. Ihr Bestand ist zwischen 1998 und 2025 um 97 Prozent zurückgegangen, rund zwölf Prozent im Jahr. Der Wert ist zugleich der am dünnsten abgestützte der ganzen Grafik: Die Art wird auf sechs Zählstrecken erfasst, auf denen im Berichtsjahr zehn Individuen gezählt wurden. Der Trend ist gesichert, die Genauigkeit der einzelnen Prozentzahl ist es nicht in gleichem Maß.

Was heißt „gleich geblieben“?

Nicht, dass sich ein Bestand hält. Die Einstufung wird vergeben, wenn der Trend statistisch nicht gesichert ist und die jährliche Veränderung unter fünf Prozent liegt — es ist eine Aussage über die Zählung, nicht über den Vogel. Die vier so eingestuften Arten reichen vom Neuntöter mit −10 Prozent bis zum Wendehals mit +7 Prozent.

Welche Vogelarten haben zugenommen?

Zwei von zwanzig: der Stieglitz mit +122 Prozent und der Turmfalke mit +33 Prozent, beide gesichert und beide auf breiter Grundlage erfasst (210 beziehungsweise 176 Zählstrecken). Dazu kommt die Heidelerche mit +69 Prozent, die aber erst ab 2008 gerechnet wird und deshalb nicht im selben Balkenbild steht.

Warum sind es 20 Arten und nicht 23 oder 24?

Der Indikatorsatz umfasst 24 definierte Arten. Der Zitronenzeisig wird dauerhaft nicht ausgewertet, weil seine Stichprobe zu klein bleibt. Von den verbleibenden 23 haben drei — Heidelerche, Steinschmätzer und Bergpieper — erst ab 2008 eine Reihe; sie stehen in einer eigenen Tabelle statt im Balkenbild, weil 17 Jahre neben 27 nicht vergleichbar sind. Bleiben die 20 Arten mit durchgehender Reihe ab 1998.