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Biodiversitätsmonitor › Arten

Wie viele Biber und Fischotter gibt es in Österreich?

Datenstand Berichtsperiode 2019–2024, Abruf 26. August 2026

Für die Berichtsperiode 2019–2024 meldet Österreich der EU 13.833 bis 16.654 Biber und 3.100 bis 4.700 Fischotter. Beim Biber ist die Untergrenze gegenüber 2001–2006 auf das 5,4-Fache gestiegen. Beide Bestände wachsen seit über zwanzig Jahren, und für den Alpenraum meldet Österreich die Verbesserung ausdrücklich als tatsächliche Verbesserung — nicht als Ergebnis besserer Erfassung. Es sind Hochrechnungen aus Revierkartierungen, keine Zählungen; deshalb steht dort eine Spanne und keine einzelne Zahl.

Bestandsspannen je Berichtsperiode

Was diese Zahlen nicht sagen

Die Zahlen sind Hochrechnungen mit Unter- und Obergrenze, keine Zählungen. Zwei erholte Arten sagen nichts über den Zustand der Natur in Österreich insgesamt.

Zwei Arten, zwei verschiedene Rückkehren

Beide Arten sind zurückgekommen. Wie sie zurückgekommen sind, ist bei ihnen jedoch grundverschieden, und dieser Unterschied ist der Kern der Seite.

Der Biber war 1869 in Österreich ausgerottet — nicht selten, nicht gefährdet, sondern weg. Was heute hier lebt, geht auf eine Wiederansiedlung zurück: Zwischen 1976 und 1982 wurden in den Donau-Auen östlich von Wien wieder Tiere ausgesetzt, in den 1970er-Jahren auch an der Salzach in der Ettenau. Der Bestand, den die Grafik zeigt, ist damit kein Rest, der sich erholt hat, sondern eine Population, die aus einer bewussten Entscheidung hervorgeht. Die Grafik zeigt den Erfolg dieser Entscheidung; ihr Ausgangspunkt war ein echter Nullstand, auch wenn die Zeitachse erst 2001 beginnt.

Der Fischotter war nie ganz verschwunden: Seine Rückzugsgebiete waren das Wald- und Mühlviertel, das Südburgenland und die Südoststeiermark, und um 1990 zeigten sich erste Anzeichen einer Erholung. Was hier wächst, ist die Wiederausbreitung eines Restbestands aus eigener Kraft, nicht die Vermehrung ausgesetzter Tiere. Beide Verläufe sind Erfolge, aber sie beantworten verschiedene Fragen: Der Biber zeigt, dass eine Wiederansiedlung funktionieren kann; der Fischotter zeigt, dass eine Art sich erholt, wenn der Druck nachlässt, unter dem sie stand.

Was heißt „echte Erholung“?

Die Meldung nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU) bewertet jede Art in jeder biogeografischen Region einzeln. Österreich hat zwei davon, eine alpine und eine kontinentale, und für jede wird gesondert festgehalten, in welchem Erhaltungszustand — der amtlichen Bewertung, wie gut es der Art geht — die Art ist und ob sich dieser Zustand seit der Vorperiode geändert hat. Zu jeder Änderung gehört eine eigene Angabe, welcher Art sie ist. Steht dort „echte Änderung“, hat sich die Lage tatsächlich geändert; steht dort ein Hinweis auf besseres Wissen oder ein geändertes Verfahren, hat sich der Blick geändert und nicht der Gegenstand.

Für 2019–2024 tragen beide Arten in der alpinen Region den Vermerk „echte Änderung“, bei gleichzeitigem Wechsel des Erhaltungszustands von „ungünstig — unzureichend“ auf „günstig“. In der kontinentalen Region steht dort „keine Änderung“: Dort hat sich die Bewertung zwischen den beiden Perioden nicht geändert. Das ist ausdrücklich keine Aussage darüber, dass der Bestand dort nicht gewachsen wäre — die Bestandszahlen zeigen das Gegenteil —, sondern darüber, dass die Einstufung dieselbe geblieben ist.

Daraus folgen zwei Einschränkungen, die zusammengehören. Zum einen bezieht sich der Vermerk auf die Bewertung des Erhaltungszustands, nicht auf die einzelne Bestandszahl. Er belegt nicht, dass jeder Zuwachs in den Balken echt gemessen ist. Zum anderen deckt er nur die alpine Region ab, und die ist bei den beiden Arten verschieden groß. Beim Biber entfallen nach der Meldung 2019–2024 rund 29 bis 30 Prozent des gemeldeten Bestands auf den Alpenraum (4.013 bis 5.000 von 13.833 bis 16.654 Tieren). Der Satz „die Erholung ist echt“ trägt beim Biber also nicht einmal ein Drittel seines Bestands. Beim Fischotter ist es gut die Hälfte: rund 52 bis 53 Prozent (1.600 bis 2.500 von 3.100 bis 4.700 Tieren).

Wie die Zahlen zu lesen sind

Erstens: Es sind Hochrechnungen, keine Zählungen. Beide Arten werden über Reviere und Nachweise erhoben und daraus auf Individuen hochgerechnet. Eine einzelne Zahl wäre eine Genauigkeit, die die Erhebung nicht hergibt. Deshalb läuft jeder Balken von der gemeldeten Unter- zur Obergrenze, deshalb beginnt er nicht am Nullpunkt, und deshalb steht auf dieser Seite nirgends ein Mittelwert. Wer „16.654 Biber“ zitiert, zitiert die Obergrenze einer Schätzung, nicht einen gezählten Bestand.

Zweitens: Seit 2019 ist begrenzte Entnahme erlaubt — also das Fangen oder Töten einzelner Tiere. Mehrere Bundesländer haben Entnahmeverordnungen erlassen — beim Fischotter Niederösterreich mit höchstens 50 Tieren im Kalenderjahr, die Steiermark mit 40 (Verordnung von 2023, befristet bis Juni 2026), Oberösterreich seit Mitte 2022 mit 64 im ersten vollen Entnahmejahr; beim Biber gilt in Niederösterreich eine Verordnung von 2019, novelliert 2023. Die Balken zeigen also keinen Bestand, der ungestört wächst, sondern einen, der wächst, während er zugleich reguliert wird. Über die Gründe dieser Verordnungen sagt diese Seite nichts — dafür liegen hier keine Daten.

Drittens: Für einen Teil des Zuwachses ist bessere Erfassung nicht ausgeschlossen. Deshalb ist der Vermerk „echte Änderung“ oben so eng gefasst: Er gilt für die Bewertung und für eine von zwei Regionen.

Viertens: Zwei Quellen, zwei Größenordnungen. Die BOKU (Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft) schätzte den Biberbestand Österreichs für den Winter 2020/21 auf etwa 8.800 bis 9.000 Individuen, zusammengestellt aus den Daten der Bundesländer und nach eigener Angabe teilweise lückenhaft. Für die Berichtsperiode 2019–2024 meldet Österreich der EU 13.833 bis 16.654 Tiere. Die vorige EU-Meldung für 2013–2018 nannte 7.100 bis 7.800 Tiere — dieselbe Spanne, die die BOKU als ältere Schätzung für 2018 führt; wie der Sprung auf die aktuelle Spanne zustande kommt, erklärt keine der beiden Quellen.

Fünftens, und das ist der wichtigste Punkt: Zwei erholte Arten sind kein Befund über den Zustand der Natur in Österreich. Der Biber ist eine große, auffällige, gut kartierbare Art. Er steht nicht für die Artenvielfalt, sondern für sich selbst. Wie es den Arten insgesamt geht, beantworten die Nachbarseiten, und sie antworten anders: Bei den Feld- und Wiesenvögeln liegt der Index 2025 bei 53,3 gegenüber 100 im Jahr 1998, bei den europäischen Wiesenfaltern bei 52,65 gegenüber 100 im Jahr 1991. Die Meldung derselben Berichtsperiode, aus der die Zahlen dieser Seite stammen, weist für die Lebensraumtypen 22,8 Prozent günstige Bewertungen aus und für die Arten 19,2 Prozent. Diese Seite zeigt eine Ausnahme, keine repräsentative Entwicklung.

Die Breite der Spanne ist selbst ein Befund

Weil die Werte Spannen sind, hängt jede daraus abgeleitete Verhältniszahl davon ab, welche Grenze man nimmt. Das ist keine theoretische Bemerkung, sondern beim Fischotter der Unterschied zwischen zwei Aussagen:

Art 2001–2006 2019–2024 Faktor auf der Untergrenze Faktor auf der Obergrenze
Biber 2.575–2.890 13.833–16.654 5,4 5,8
Fischotter 430–800 3.100–4.700 7,2 5,9

Beim Biber liegen die beiden Lesarten nahe beieinander, beim Fischotter nicht: 7,2 gegen 5,9. Der Grund steht in der ersten Periode. Die Fischotter-Spanne von 2001–2006 reicht von 430 bis 800 Tieren und ist damit 86 Prozent ihrer eigenen Untergrenze breit — die Obergrenze ist fast das Doppelte der Untergrenze. Eine Vervielfachung, die von einer so unsicheren Ausgangszahl ausgeht, ist selbst unsicher.

Art 2001–2006 2007–2012 2013–2018 2019–2024
Biber 12,2 % 6,5 % 9,9 % 20,4 %
Fischotter 86,0 % 42,1 % — 51,6 %

(Spannenbreite in Prozent der jeweiligen Untergrenze.)

Die Tabelle zeigt zwei Dinge. Die Fischotter-Schätzung ist über alle Perioden deutlich unschärfer als die des Bibers, was zur Art passt: Ein Biberrevier ist an Fraßspuren und Bauten sichtbar, ein Otterrevier nicht. Und die Biber-Spanne wird in der jüngsten Periode wieder breiter — von 6,5 Prozent 2007–2012 auf 20,4 Prozent 2019–2024 —, obwohl der Bestand größer und damit scheinbar besser fassbar geworden ist. Das ist kein Widerspruch: Je weiter sich eine Art über die Fläche verteilt, desto mehr wird hochgerechnet und desto weniger flächendeckend gezählt.

Der Faktor 5,4 des Bibers ist die belastbarere Verhältniszahl, obwohl er der kleinere ist. Deshalb nennt diese Seite ihn und nicht den Fischotterfaktor.

Vier Perioden, eine Lücke

Berichtsperiode Biber Fischotter
2001–2006 2.575–2.890 430–800
2007–2012 4.650–4.950 950–1.350
2013–2018 7.100–7.800 keine Individuenzahl
2019–2024 13.833–16.654 3.100–4.700

Beim Fischotter fehlt die Periode 2013–2018, und das ist keine Lücke in der Natur, sondern eine im Meldeformat: Österreich meldete für diese Periode besetzte Rasterzellen statt Individuen — 1.555 in der alpinen und 1.354 in der kontinentalen Region. Diese Zahlen sind mit Individuenzahlen nicht vergleichbar und werden deshalb nicht umgerechnet. Der Balken bleibt leer. Wer die Rasterzellen einsetzt, erzeugt einen Einbruch, den es nie gegeben hat.

Die Spalte des Bibers ist dagegen durchgehend besetzt, und ihr letzter Wert ist zusammengesetzt: 9.820 bis 11.654 Tiere in der kontinentalen und 4.013 bis 5.000 in der alpinen Region. Beim Fischotter sind es 1.600 bis 2.500 alpin und 1.500 bis 2.200 kontinental. Aus diesen vier Zahlenpaaren sind die Regionsanteile oben gerechnet.

Verwandte Auswertungen

  • Erhaltungszustand der Lebensräumedieselbe Meldung, dieselbe Unterscheidung, umgekehrtes Ergebnis: Von zehn Verbesserungen bei den Lebensraumtypen sind vier echt, der Rest ist besseres Wissen oder ein geändertes Verfahren. Bei den Arten sind es 23 echte von 39 Verbesserungen. Wer wissen will, was „echt“ in dieser Meldung heißt und wie selten es vorkommt, liest dort weiter.
  • Feld- und Wiesenvögelder Gegenpol im selben Bereich: ein Index über 23 Arten, 1998 = 100, zuletzt 53,3. Zwei wachsende Säugetierbestände und ein halbierter Vogelbestand widersprechen einander nicht; sie messen verschiedene Dinge.
  • Wiesenfalter in Europa1991 = 100, zuletzt 52,65, allerdings als EU-Aggregat ohne österreichische Linie. Dieselbe Darstellung wie bei den Feld- und Wiesenvögeln, anderer Raumbezug.

Woher die Daten kommen

Eionet, Article 17 Web Tool (Datennetz der Europäischen Umweltagentur, EEA), Meldungen Österreichs nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie, Gruppe Säugetiere, Berichtsperioden 2001–2006 bis 2019–2024. Berichtsjahr 2025, abgerufen am 26. August 2026. Die Werte sind aus der Meldung übernommen und ändern sich bis zur nächsten Meldung nicht. In der Meldung heißen die Vermerke zur Art der Änderung genuine (echte Änderung) und noChange (keine Änderung), die Stufen des Erhaltungszustands U1 (ungünstig — unzureichend) und FV (günstig).

Weitere Quellen dieser Seite:

  • Berichtsrhythmus: Richtlinie 92/43/EWG, Artikel 17 Absatz 1 („Alle sechs Jahre …“), EUR-Lex.
  • Entnahmeverordnungen (Rechtsinformationssystem RIS): NÖ Fischotter-Verordnung, LGBl. Nr. 98/2019, § 2 Abs. 2 (höchstens 50 pro Kalenderjahr); NÖ Biber-Verordnung 2019, LGBl. Nr. 97/2019, Novelle LGBl. Nr. 29/2023; Steiermark, LGBl. Nr. 32/2023, § 2 (40 pro Kalenderjahr), außer Kraft 30. Juni 2026; Oberösterreich, LGBl. Nr. 56/2022, § 5 Abs. 2 (höchstens 64 im ersten vollen Entnahmejahr).
  • Bestandsschätzung: BOKU, Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft, Biber in Österreich (8.800–9.000, Stand Winter 2020/21; 2018: 7.100–7.800).
  • Geschichte: Parz-Gollner, R. (2017), Der Biber – Geschichte, Verbreitung und Biologie, BOKU (PDF); Land Oberösterreich, Bibervorkommen (1869 Antheringer Au; Ettenau); Amt der Oö. Landesregierung, Managementplan Fischotter Oberösterreich, S. 5 (PDF); Kranz, A. & Poledník, L. (2020), Fischotter in Tirol: Verbreitung & Bestand 2020, Amt der Tiroler Landesregierung, S. 3 (PDF).

Weiterverwendung: Die Daten stehen unter CC BY 4.0. Die Europäische Umweltagentur ist als Originalquelle zu nennen, und der Sinn der Angaben darf nicht entstellt werden; für Inhalte Dritter auf den EEA-Seiten gilt die Lizenz nicht (EEA Legal Notice, Abschnitt Copyright).

Nächste Aktualisierung: Der Meldezyklus läuft sechsjährig (Artikel 17 der FFH-Richtlinie); ein Termin für die nächste Meldung liegt nicht vor. Bis dahin ändert sich an dieser Seite keine Zahl.

Zitieren und einbetten

Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Biber und Fischotter — Bestände nach Berichtsperioden. biodiversitaet-monitor.at/biber-und-fischotter/ · Daten: Eionet, Artikel 17 FFH-Richtlinie, Österreich · Datenstand Berichtsperiode 2019–2024

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Häufige Fragen

Wie viele Biber gibt es in Österreich?

Für die Berichtsperiode 2019–2024 meldet Österreich der EU 13.833 bis 16.654 Biber. Die Angabe ist bewusst eine Spanne und keine einzelne Zahl: Die Bestände werden über Reviere kartiert und daraus auf Individuen hochgerechnet, nicht gezählt. Wer eine einzelne Zahl nennt, gibt eine Genauigkeit an, die die Erhebung nicht hergibt. Zusammengesetzt ist der Wert aus 9.820 bis 11.654 Tieren in der kontinentalen und 4.013 bis 5.000 in der alpinen Region.

Wie viele Fischotter gibt es in Österreich?

3.100 bis 4.700 für dieselbe Periode, davon 1.600 bis 2.500 im alpinen und 1.500 bis 2.200 im kontinentalen Teil. Für die Periode 2013–2018 gibt es keine vergleichbare Zahl — Österreich meldete damals besetzte Rasterzellen statt Individuen. Diese Werte lassen sich nicht in Tiere umrechnen, deshalb bleibt die Periode in der Grafik leer.

Sind Biber und Fischotter geschützt?

Ja, im Rahmen des europäischen Naturschutzrechts: Beide Arten werden von Österreich nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie an die EU gemeldet und in ihrem Erhaltungszustand bewertet. Für 2019–2024 steht dieser Zustand im Alpenraum bei beiden Arten auf „günstig“, nach „ungünstig — unzureichend“ in der Vorperiode. Zugleich ist seit 2019 eine begrenzte Entnahme erlaubt, also das Fangen oder Töten einzelner Tiere: Mehrere Bundesländer haben Entnahmeverordnungen erlassen, beim Fischotter etwa Niederösterreich mit höchstens 50 Tieren im Jahr. Wie der Schutzstatus im Detail ausgestaltet ist, sagen die hier verwendeten Daten nicht.

Ist die Rückkehr des Bibers dasselbe wie die des Fischotters?

Nein. Der Biber war 1869 in Österreich ausgerottet und wurde zwischen 1976 und 1982 in den Donau-Auen östlich von Wien wieder ausgesetzt — sein heutiger Bestand geht auf diese Wiederansiedlung zurück. Der Fischotter war nie ganz verschwunden; seine Rückzugsgebiete waren das Wald- und Mühlviertel, das Südburgenland und die Südoststeiermark, und um 1990 zeigten sich erste Anzeichen einer Erholung. Beide Bestände wachsen, aber das eine ist eine gelungene Wiederansiedlung und das andere die Ausbreitung eines Restbestands.