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Biodiversitätsmonitor › Lebensräume

Wie ist der Erhaltungszustand von Lebensräumen und Arten in Österreich?

Datenstand Berichtsperiode 2019–2024, Abruf 26. August 2026

Österreich hat der EU für die Berichtsperiode 2019–2024 den Zustand von 71 Lebensraumtypen und 211 Arten gemeldet. Weil jedes Schutzgut in jeder biogeografischen Region einzeln beurteilt wird, sind das 114 Bewertungen für die Lebensräume und 338 für die Arten. Günstig sind davon 26 und 65 — 22,8 und 19,2 Prozent. Als schlecht bewertet sind 45 Lebensraum- und 129 Artenbewertungen.

Erhaltungszustand nach Artikel 17

Was diese Zahl nicht sagt

Gezählt werden Bewertungen, nicht Lebensräume: Ein Typ, der in beiden Regionen vorkommt, zählt doppelt, und die Fläche zählt gar nicht. „23 von 100“ sagt deshalb nichts über 23 Prozent des Landes, und „unbekannt“ ist keine Stufe, sondern eine Wissenslücke.

Was die Grafik zeigt

Die Grafik teilt zwei Balken in vier Abschnitte. Der obere Balken steht für die Lebensraumtypen, der untere für die Arten; beide sind auf hundert Prozent gestreckt, damit sich die Verteilungen vergleichen lassen, obwohl der eine auf 114 und der andere auf 338 Bewertungen beruht.

Bei den Lebensraumtypen sind 22,8 Prozent der Bewertungen günstig, 28,9 Prozent unzureichend, 39,5 Prozent schlecht und 8,8 Prozent unbekannt. Bei den Arten liegen 19,2 Prozent auf günstig, 37,3 Prozent auf unzureichend, 38,2 Prozent auf schlecht und 5,3 Prozent auf unbekannt. Die beiden Balken sehen einander ähnlicher, als der Seitentitel vermuten lässt: Er nennt nur die Lebensräume, gezeigt werden beide Gruppen.

Der eigentliche Unterschied zwischen den beiden Balken liegt nicht bei „günstig“, sondern in der Mitte. Bei beiden ist „schlecht“ die größte Gruppe — bei den Arten nur knapp (129 gegen 126 Bewertungen auf „unzureichend“), bei den Lebensraumtypen deutlich (45 gegen 33). Anders gesagt: Bei den Arten halten sich angeschlagen und verloren die Waage, bei den Lebensräumen überwiegt das untere Ende. Das ist die Aussage, die der Balken trägt, und sie ist auch die einzige, die er allein trägt.

Für die Lebensraumtypen ist der Anteil „schlecht“ mit 39,5 Prozent fast doppelt so hoch wie der Anteil „günstig“. Zählt man unzureichend und schlecht zusammen, stehen 78 der 114 Bewertungen unter dem Ziel der FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU), das für alle Schutzgüter ein günstiger Erhaltungszustand ist. Bei den Arten sind es 255 von 338.

Wie die Zahlen zu lesen sind

Gezählt werden Bewertungen, nicht Lebensräume. Österreich liegt in zwei biogeografischen Regionen, einer alpinen und einer kontinentalen. Jeder Lebensraumtyp und jede Art wird in jeder Region, in der das Schutzgut vorkommt, einzeln beurteilt — und damit einzeln gezählt. Aus 71 Lebensraumtypen werden so 127 Zeilen im Berichtswerkzeug — dem Berichtsportal der EU für Artikel 17 (Article 17 Web Tool) —, von denen die Auswertung 114 verwendet; die übrigen 13 kennzeichnet das Werkzeug selbst als nicht zu berücksichtigen. Bei den Arten stehen 211 Schutzgütern 338 verwendete Bewertungen gegenüber.

Daraus folgen vier Dinge, die man wissen muss, bevor man „23 von 100“ zitiert.

Erstens wiegt ein Schutzgut, das in beiden Regionen vorkommt, doppelt. Ein Lebensraumtyp, den es nur im Osten oder nur im Alpenraum gibt, steht mit einer Bewertung in der Statistik, ein weit verbreiteter mit zweien. Die Prozentzahl ist deshalb kein Anteil an den Lebensraumtypen und erst recht keiner an den Lebensräumen, die man draußen betreten kann.

Zweitens wiegt Fläche gar nichts. Die Auszählung kennt nur Bewertungen. Wie groß ein Lebensraumtyp in Österreich ist, wie viele Hektar hinter einer Bewertung stehen, steht in diesen Daten nicht. Ein Typ, der auf wenigen Hektar vorkommt, und einer, der ganze Landstriche prägt, zählen gleich viel. „23 von 100“ ist keine Aussage über 23 Prozent des Landes.

Drittens ist „unbekannt“ keine Stufe. Zehn der 114 Lebensraumbewertungen tragen keine Einstufung, sondern die Kennzeichnung, dass keine vorliegt. Sie stehen im Nenner — die 22,8 Prozent sind ein Anteil an allen Bewertungen, einschließlich derer ohne Einstufung. In der Grafik ist dieses Segment deshalb neutral gefärbt: Eine Wissenslücke ist nicht dasselbe wie ein schlechter Zustand, und sie ist auch nicht besser.

Viertens enden die Regionen nicht an der Staatsgrenze. Der Alpenraum reicht bis nach Frankreich, die kontinentale Region weit nach Osten. Österreich beurteilt seinen Anteil daran — nicht die Region.

Was „Erhaltungszustand“ bedeutet

Die FFH-Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, alle sechs Jahre über den Zustand der Schutzgüter zu berichten, für die sie zuständig sind. Diese Meldung heißt nach dem einschlägigen Artikel der Richtlinie Artikel-17-Bericht. Sie kennt vier Kennungen, die hier so übersetzt werden:

Kennung Auf dieser Seite Bedeutung
FV günstig favourable
U1 unzureichend unfavourable – inadequate
U2 schlecht unfavourable – bad
XX unbekannt keine Einstufung möglich

Die drei ersten sind eine Rangfolge, die vierte ist keine. „Schlecht“ ist damit die unterste Stufe, die die Richtlinie kennt, und sie ist eine amtliche Einstufung des Mitgliedstaats — keine Wertung dieser Seite.

Es wird nicht besser, es wird besser gewusst

Zwischen den Perioden 2013–2018 und 2019–2024 verschiebt sich der Balken sichtbar in die richtige Richtung: „günstig“ steigt bei den Lebensraumtypen von 18,4 auf 22,8 Prozent, „schlecht“ fällt von 43,9 auf 39,5. Bei den Arten steigt „günstig“ von 14,0 auf 19,2 Prozent.

Der Bericht selbst erlaubt es, diese Bewegung aufzulösen. Zu jeder Änderung führt er eine eigene Spalte darüber, welcher Art sie ist: eine tatsächliche Veränderung im Gelände, ein besserer Wissensstand oder ein geändertes Erhebungsverfahren. Rechnet man nur die tatsächlichen, bleibt von der Bewegung wenig übrig.

Bei den Lebensraumtypen stehen zehn Verbesserungen drei Verschlechterungen gegenüber. Echt sind vier Verbesserungen und keine einzige Verschlechterung — netto vier von 114 Bewertungen. 87 Bewertungen sind unverändert; die übrigen 14 sind Wechsel von oder zu „unbekannt“ (dazu unten). Bei den Arten sind es 39 Verbesserungen und 28 Verschlechterungen; echt davon 23 und 18, netto also fünf von 338. 256 Artenbewertungen sind unverändert, zwölf wechseln von oder zu „unbekannt“, drei sind erstmals gemeldet und haben keinen Vorwert.

Von den 114 Lebensraumbewertungen hat sich in sechs Jahren bei vieren nachweislich etwas zum Besseren geändert. Das Übrige an der Verschiebung ist ein geänderter Blick — besseres Wissen, geändertes Verfahren oder, am unteren Ende, neu eingeräumtes Nichtwissen.

Die vier echten Verbesserungen liegen nach der Auszählung der Lebensraumgruppen alle im Wald: zwei Eichen-Hainbuchenwald-Bewertungen, die von schlecht auf unzureichend steigen, und zwei Waldbewertungen, die von unzureichend auf günstig wechseln. Im Grünland gibt es in dieser Periode keine einzige echte Verbesserung — die Bewegungen dort sind durchweg als besseres Wissen oder geändertes Verfahren gekennzeichnet; zwei davon sind Verschlechterungen, ebenfalls nicht als echt ausgewiesen.

Gleichzeitig wandert die Unsicherheit in die andere Richtung. Zehn Lebensraumbewertungen sind neu auf „unbekannt“ gerutscht, vier von dort zurückgekommen; bei den Arten elf hin und eine zurück. Der Anteil „unbekannt“ wächst bei den Lebensraumtypen von 3,5 auf 8,8 Prozent, bei den Arten von 1,8 auf 5,3. Ein Teil des Rückgangs bei „schlecht“ ist also kein Aufstieg, sondern ein Verlust an Wissen.

Der Durchschnitt verdeckt die Spannweite

22,8 Prozent ist ein Mittelwert über sehr verschiedene Lebensräume. Zählt man die Lebensraumgruppen einzeln aus, liegen die sechs größeren zwischen 0 und 75 Prozent günstig — und die Rangfolge ist eine Rangfolge der Nutzung.

Gruppe Bewertungen günstig schlecht
Fels & Höhlen 16 75,0 % 12,5 %
Heide & Gebüsch 6 50,0 % 0,0 %
Wald 32 28,1 % 28,1 %
Grünland 24 8,3 % 54,2 %
Gewässer 16 0,0 % 37,5 %
Moore & Sümpfe 16 0,0 % 68,8 %

Oben steht, was niemand bewirtschaftet: Fels und Höhlen. Unten steht die Kulturlandschaft. Und die zwei günstigen Grünlandbewertungen betreffen Silikat-Alpinrasen (6150) und Feuchte Hochstaudenfluren (6430), beide im alpinen Naturraum — von den vier klassisch bewirtschafteten Wiesentypen steht jede einzelne Bewertung auf „schlecht“, acht von acht; die neun Bewertungen auf „unzureichend“ betreffen andere Grünlandtypen. „8,3 Prozent günstig“ heißt also nicht, dass es im bewirtschafteten Grünland wenigstens einen guten Fall gäbe.

Die drei Kleinstgruppen — Salzsteppen, Binnendünen, Wacholderheiden — stehen nicht in der Tabelle. Bei ein bis zwei Bewertungen ist ein Prozentwert keine Information, sondern eine Behauptung. Ihre Bewertungen sind in den 114 enthalten.

Warum es hier nur zwei Perioden gibt

Berichtsperiode günstig unzureichend schlecht unbekannt
2013–2018 18,4 % 34,2 % 43,9 % 3,5 %
2019–2024 22,8 % 28,9 % 39,5 % 8,8 %

Die Vorperiode in dieser Tabelle stammt nicht aus dem alten Bericht, sondern aus der Vorwert-Spalte des neuen. Das ist der einzige zulässige Weg: Jeder Berichtsjahrgang rechnet die Vorperiode nach dem Verfahren des aktuellen Jahrgangs neu. Zwei Publikationen nebeneinanderzulegen hieße, eine Methodenänderung als Veränderung im Gelände zu lesen.

Die Vorwerte des neuen Berichts weichen von der nationalen Veröffentlichung zur Periode 2013–2018 (Umweltbundesamt 2020, REP-0734, Teil 2, S. 6) um höchstens 1,3 Prozentpunkte ab. Frühere Perioden sind hier nicht ausgewertet, weil es für sie keinen so gerechneten Vorwert gibt: Die Vorwert-Spalte des neuen Berichts führt nur die Periode 2013–2018.

Verwandte Auswertungen

  • Erhaltungszustand nach Lebensraumgruppenlöst genau den Durchschnitt auf, um den es hier geht: sechs Gruppen zwischen 0 und 75 Prozent günstig, Wald gegen Grünland.
  • Rote Liste der Biotoptypendieselbe Frage, andere Quelle und anderer Zuschnitt: drei von vier bewerteten Biotoptypen stehen in einer Gefährdungskategorie. Wo beide Auswertungen dasselbe Gebiet betreffen, sind sie nicht ineinander umrechenbar.
  • Belastungen der Fließgewässereine eigene Datengrundlage zu den Gewässern, die hier ohne eine einzige günstige Bewertung dastehen: welche Belastungen Österreich für sie meldet.

Woher die Daten kommen

Eionet, Article 17 Web Tool — die Berichtsoberfläche der Europäischen Umweltagentur (EEA) zur FFH-Richtlinie. Abgefragt für Österreich, Berichtsperiode 2019–2024, alle neun Arten- und alle neun Lebensraumgruppen. Ausgezählt am 26. August 2026.

Es gibt keine fertige Prozentübersicht je Land. Die Zahlen sind Gruppe für Gruppe aus den Einzelbewertungen ausgezählt: Gezählt werden Bewertungen. Die 13 Zeilen ohne Einstufung und ohne Flächenanteil, die das Werkzeug als nicht zu berücksichtigen kennzeichnet, bleiben aus dem Nenner; die zehn Bewertungen „unbekannt“ zählen mit.

Rechtsgrundlage und Vorperiode: Der Berichtsrhythmus steht in Artikel 17 Absatz 1 der Richtlinie 92/43/EWG (FFH-Richtlinie): „Alle sechs Jahre … erstellen die Mitgliedstaaten einen Bericht“ (EUR-Lex, konsolidierte Fassung). Die nationale Veröffentlichung zur Vorperiode ist Umweltbundesamt (2020), Monitoring von Lebensraumtypen und Arten von gemeinschaftlicher Bedeutung in Österreich 2016–2018 … Teil 2: Artikel 17-Bericht, REP-0734, Wien, S. 6 (PDF).

Weiterverwendung: Die Daten stehen unter CC BY 4.0. Die Europäische Umweltagentur ist als Originalquelle zu nennen, und der Sinn der Angaben darf nicht entstellt werden; für Inhalte Dritter auf den EEA-Seiten gilt die Lizenz nicht (EEA Legal Notice, Abschnitt Copyright). Die Anteile der Bewertungen und die Gruppentabelle dieser Seite sind aus den Meldungen gerechnet, nicht abgelesen.

Nächste Aktualisierung: Die Meldung läuft in einem Sechsjahreszyklus; zwischen Periodenende und Verfügbarkeit der Meldung vergeht Zeit. Ein konkretes Datum für die Folgemeldung liegt nicht vor.

Zitieren und einbetten

Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Erhaltungszustand nach Artikel 17. biodiversitaet-monitor.at/erhaltungszustand/ · Daten: Eionet, Article 17 Web Tool, Berichtsperiode 2019–2024 · Datenstand Berichtsperiode 2019–2024

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Häufige Fragen

Was heißt „günstiger Erhaltungszustand“?

Es ist die beste von drei Bewertungsstufen der FFH-Richtlinie, mit der ein Mitgliedstaat den Zustand eines geschützten Lebensraumtyps oder einer geschützten Art meldet. Darunter liegen „unzureichend“ und „schlecht“. Eine vierte Kennung, „unbekannt“, ist keine Stufe, sondern der Vermerk, dass keine Einstufung möglich war.

Wie vielen Lebensräumen in Österreich geht es schlecht?

Von 114 Bewertungen der Berichtsperiode 2019–2024 stehen 45 auf „schlecht“ und 33 auf „unzureichend“ — zusammen 78. Günstig sind 26, bei zehn ist der Zustand unbekannt. Gezählt sind dabei Bewertungen: Die 114 verteilen sich auf 71 Lebensraumtypen, weil jeder Typ in jeder biogeografischen Region einzeln beurteilt wird.

Wird es besser?

Der Anteil „günstig“ ist von 18,4 auf 22,8 Prozent gestiegen. Als tatsächliche Veränderung ausgewiesen sind aber nur vier Verbesserungen, zwei davon bis „günstig“; der Rest des Anstiegs beruht auf besserem Wissen oder geändertem Verfahren. Gleichzeitig sind zehn Bewertungen neu auf „unbekannt“ gerutscht.

Warum 114 Bewertungen bei 71 Lebensraumtypen?

Weil Österreich in zwei biogeografischen Regionen liegt, einer alpinen und einer kontinentalen, und jedes Schutzgut in jeder Region, in der es vorkommt, getrennt bewertet wird. Aus 71 Typen werden so 127 Tabellenzeilen, von denen 13 laut Quelle nicht mitzählen. Bei den Arten führen 211 Schutzgüter zu 338 Bewertungen.