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Biodiversitätsmonitor › Lebensräume

Welchen Lebensräumen in Österreich geht es gut?

Datenstand Berichtsperiode 2019–2024, Abruf 29. August 2026

Österreich hat der EU für 71 Lebensraumtypen insgesamt 114 Bewertungen gemeldet. 26 davon stehen auf „günstig“ — 22,8 Prozent. Dieser Mittelwert verdeckt jedoch mehr, als er zeigt: Bei den Wald-Lebensräumen sind 9 von 32 Bewertungen günstig, im Grünland 2 von 24, bei Mooren und Gewässern keine einzige. Bei Fels, Schutt, Höhlen und Gletschern sind es 12 von 16.

Erhaltungszustand nach Lebensraumgruppen

Was diese Zahl nicht sagt

Gezählt werden Bewertungen, nicht Lebensraumtypen, und jede wiegt gleich viel, unabhängig von ihrer Fläche. Die Rangfolge der Gruppen folgt der Nutzung; eine Ursache weist die Meldung nicht aus.

Was die Grafik zeigt

Die sechs Balken stehen für sechs Lebensraumgruppen der FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU), und sie sind nach dem Anteil günstiger Bewertungen sortiert. Die Spannweite ist der eigentliche Befund: Zwischen der ersten und der letzten Gruppe liegen 75 Prozentpunkte, und der Gesamtwert von 22,8 Prozent trifft keine der sechs. Es gibt in dieser Meldung keinen typischen Lebensraum, an dem sich Österreich messen ließe.

Gruppe Bewertungen günstig unzureichend schlecht unbekannt
Fels, Schutt, Höhlen & Gletscher 16 12 (75,0 %) 1 2 1
Heiden & Gebüsche 6 3 (50,0 %) 1 0 2
Waldlebensräume 32 9 (28,1 %) 14 9 0
Grünland & Hochstaudenfluren 24 2 (8,3 %) 9 13 0
Fließ- & Stillgewässer 16 0 (0,0 %) 3 6 7
Moore, Sümpfe & Quellen 16 0 (0,0 %) 5 11 0

Am oberen Ende steht, was niemand bewirtschaftet. Fels, Schutt, Höhlen und Gletscher sind zu drei Vierteln in günstigem Zustand; sie werden nicht gemäht, nicht beweidet, nicht entwässert und nicht gedüngt. Am unteren Ende steht die Kulturlandschaft: Moore und Sümpfe mit 68,8 Prozent schlecht und keiner einzigen günstigen Bewertung, Grünland mit 54,2 Prozent schlecht und zwei günstigen von 24. Der Wald liegt dazwischen, aber näher am unteren Ende, als es die öffentliche Wahrnehmung nahelegt — 28,1 Prozent günstig heißt, dass nicht einmal jede dritte Waldbewertung das Ziel der Richtlinie erreicht, und dass das größte einzelne Segment im Waldbalken mit 43,8 Prozent „unzureichend“ ist.

Wie die Zahlen zu lesen sind

Erstens: Gezählt werden Bewertungen, nicht Lebensraumtypen. Österreich liegt in zwei biogeografischen Regionen, der alpinen und der kontinentalen. Jeder Lebensraumtyp wird in jeder Region, in der er vorkommt, getrennt beurteilt. Aus 71 Lebensraumtypen werden dadurch 114 Bewertungen. Ein Typ, der in beiden Regionen vorkommt, geht doppelt in die Prozentwerte ein; ein Typ, der nur in einer vorkommt, einfach. „Zwei von 24“ heißt deshalb nicht „zwei von 24 Wiesentypen“, sondern zwei von 24 Beurteilungen, die sich auf 15 Grünland-Typen verteilen. Wer die Prozente als Anteil von Lebensraumtypen liest, liest sie falsch.

Zweitens: Vier Bewertungen stehen gar nicht im Balken. Drei weitere Gruppen sind gemeldet — Pannonische Salzsteppen (1 Bewertung), Pannonische Binnendünen (1) und Wacholderheiden (2). Sie fehlen in der Grafik, weil ein Prozentwert aus einer oder zwei Bewertungen keine Information ist, sondern eine Behauptung: Eine einzelne Bewertung ergibt zwangsläufig 0 oder 100 Prozent. Der Balken zeigt also 110 der 114 Bewertungen. Wichtig dabei: Alle vier weggelassenen Bewertungen stehen auf „schlecht“. Die Auslassung schönt das Bild, sie verdüstert es nicht. Wer die vier mitrechnet, kommt auf 45 statt 41 schlechte Bewertungen.

Drittens, und das trägt die ganze Seite: Die Rangfolge der Gruppen ist eine Rangfolge der Nutzung, nicht der Ökologie. In dieser Sortierung liegt oben, was niemand bewirtschaftet, und unten, was Landwirtschaft, Entwässerung und Gewässerbau formen. Der Gleichlauf ist auffällig und er steckt in den Zahlen. Was aber nicht in den Zahlen steckt, ist die Ursachenkette: Der Zustandsbericht nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie bewertet einen Zustand, er ordnet ihm keine Ursache zu. Die Grafik zeigt also, wo die Lage schlecht ist, und lässt offen, warum. Aus dem Nebeneinander von Nutzung und Zustand einen Wirkungsnachweis zu machen, wäre derselbe Fehlschluss, der auf der Seite zu den Gründen für verfehlte Gewässerziele beschrieben ist. Deshalb heißt es hier „die Rangfolge folgt der Nutzung“ und nicht „die Nutzung verursacht den Zustand“.

Viertens: Es ist eine Zählung, keine Flächenbilanz. Jede Bewertung wiegt gleich viel. Ein Lebensraumtyp, der auf wenigen Hektar vorkommt, zählt so viel wie einer, der große Teile des Landes bedeckt. Die Prozentwerte sagen deshalb nichts darüber, wie viel Fläche Österreichs in gutem Zustand ist.

Fünftens: 13 Tabellenzeilen sind ausgeschlossen. Die Quelle kennzeichnet Zeilen ohne aktuelle Bewertung selbst als „not taken into account“ (nicht berücksichtigt). Sie sind aus dem Nenner genommen — vier im Wald, vier im Grünland, drei bei den Heiden, je eine bei Gewässern und Mooren. Aus 127 Tabellenzeilen werden so die 114 gezählten Bewertungen.

Sechstens: „Unbekannt“ ist keine Stufe. Bei den Gewässern stehen 43,8 Prozent der Bewertungen auf „unbekannt“. Das ist weder eine gute noch eine schlechte Lage, sondern gar keine — im Balken steht sie deshalb in Grau.

Bewertung, Lebensraumtyp, Naturraum

Drei Begriffe, ohne die die Grafik nicht lesbar ist.

Ein Lebensraumtyp ist eine im Anhang I der FFH-Richtlinie geführte Kategorie mit eigenem vierstelligem Code — etwa 6510 „Magere Flachland-Mähwiesen“ oder 9130 „Asperulo-Fagetum Buchenwälder“. Österreich meldet 71 davon.

Ein Naturraum ist eine biogeografische Region. Österreich hat zwei: die alpine und die kontinentale. Beide reichen weit über die Staatsgrenze hinaus.

Eine Bewertung ist die Beurteilung eines Lebensraumtyps in einem Naturraum. Sie trägt eine von vier Stufen: FV günstig, U1 unzureichend, U2 schlecht, XX unbekannt. Diese vier Stufen sind Kategorien der Quelle und keine Wertung dieser Seite — „schlecht“ ist der amtliche Status.

Kein einziger bewirtschafteter Wiesentyp ist günstig

Der Wert 8,3 Prozent für das Grünland liest sich so, als gäbe es wenigstens vereinzelt gute Fälle in der bewirtschafteten Wiese. Es gibt keinen. Die zwei günstigen Grünlandbewertungen liegen beide im alpinen Naturraum: Silikat-Alpinrasen (6150) und Feuchte Hochstaudenfluren (6430); den zweiten Typ verortet die Quelle „von der Ebene bis zur alpinen Stufe“. Beides sind Bestände, die nicht regelmäßig gemäht oder gedüngt werden.

Von den vier klassisch bewirtschafteten Wiesentypen stehen dagegen alle acht Bewertungen — vier Typen in je zwei Naturräumen — auf U2, schlecht:

Code Lebensraumtyp alpin kontinental
6210 Kalk-Trockenrasen (Festuco-Brometalia) schlecht schlecht
6410 Pfeifengraswiesen (Molinion caeruleae) schlecht schlecht
6510 Magere Flachland-Mähwiesen schlecht schlecht
6520 Berg-Mähwiesen schlecht schlecht

Acht von acht. Das ist die Zahl, die hinter „zwei von 24“ steht, und sie ist die härtere der beiden.

Bewegung: vier echte Verbesserungen, alle im Wald

Die Meldung enthält neben dem aktuellen Zustand den der Vorperiode und dazu eine Spalte, die angibt, warum sich eine Bewertung geändert hat. Nur der Vermerk genuine (echte Änderung) bedeutet: Der Zustand selbst hat sich geändert. Alles andere — knowledge (Wissensstand), method (Verfahren), unknown (unbekannt) — heißt, dass sich der Wissensstand oder das Verfahren geändert hat, nicht der Lebensraum.

Bei den Lebensraumtypen trägt fünfmal eine Änderung diesen Vermerk. Vier davon sind echte Verbesserungen, und alle vier liegen im Wald: zwei Eichen-Hainbuchenwälder von schlecht auf unzureichend, ein Pannonischer Eichen-Hainbuchenwald und ein Illyrischer Buchenwald von unzureichend auf günstig. Der fünfte Fall ist ein Gewässer (Alpine Flüsse mit Lavendelweiden-Ufergehölz, alpiner Raum): Die Stufe bleibt „unzureichend“, echt geändert hat sich der Trend — von „unbekannt“ auf „abnehmend“. Der Vermerk genuine gilt für Stufe und Trend zusammen.

Im Grünland gibt es vier Bewegungen, keine davon echt: zwei Verschlechterungen von „unzureichend“ auf „schlecht“ (Lückiges pannonisches Grasland 6190, Pfeifengraswiesen 6410, alpiner Raum), eine Verbesserung von „schlecht“ auf „unzureichend“ (Brenndolden-Auenwiesen 6440, kontinental) und eine Bewertung, die aus „unbekannt“ zu „unzureichend“ wird (Schwermetallrasen 6130, alpin). Wo die Meldung einen Grund nennt, ist es besserer Wissensstand. Auch im Wald ist die Bilanz vorsichtiger zu lesen, als sie zunächst wirkt: Von den fünf Waldbewertungen, die neu auf „günstig“ stehen, beruhen drei auf einer Methodenänderung.

Die Verteilung über beide Perioden, zum Vergleich (den Periodenvergleich im Einzelnen zeigt die Seite zum Erhaltungszustand der Lebensräume):

günstig unzureichend schlecht unbekannt
Vorperiode 21 39 50 4
2019–2024 26 33 45 10

Fünf günstige Bewertungen mehr, fünf schlechte weniger — und zugleich sechs zusätzliche Bewertungen, über die nichts bekannt ist.

Bei den Gewässern ist das Wissen zurückgegangen

Sieben der 16 Gewässerbewertungen stehen auf „unbekannt“. Das ist der höchste Anteil aller Gruppen. Dass der Gewässerbalken keine einzige günstige Bewertung zeigt, heißt deshalb nicht „alles schlecht“: Für fast die Hälfte ist der Zustand gar nicht beurteilt. Bemerkenswert ist die Richtung: Alle sieben Bewertungen standen in der Vorperiode noch auf einer Stufe — unzureichend oder schlecht. Der Wissensstand über diese Lebensräume ist zwischen den beiden Berichtsperioden also nicht besser geworden, sondern schlechter.

Verwandte Auswertungen

  • Erhaltungszustand von Lebensräumen und Artendieselbe Meldung, gröbere Auflösung, dafür mit Zeitachse und mit den Arten: wie sich die Gesamtbilanz zwischen zwei Berichtsperioden verschoben hat. Diese Seite hier zerlegt den Durchschnitt, den jene Seite zeigt.
  • Natura-2000-Waldje nach Messweise 93 oder 28 Prozent des Waldes in gutem Zustand. Die 28 Prozent sind genau der Wert, der hier im Waldbalken steht; die 93 entstehen aus einer anderen Messweise.
  • GrünlandflächeWiesen und Weiden haben 7,3 Prozent ihrer Fläche verloren, während der Wald um 6,7 Prozent zugelegt hat. Zustand und Fläche sind zwei verschiedene Größen, und beide zeigen beim Grünland nach unten.
  • Rote Liste der Biotoptypendie nationale Bewertung derselben Lebensräume nach anderem Verfahren.

Woher die Daten kommen

Eionet, Article 17 Web Tool (Datennetz der Europäischen Umweltagentur, EEA) — die Meldung Österreichs nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie, Berichtsperiode 2019–2024, Land Österreich. Nicht der nationale Bericht des Umweltbundesamts: Für diese Periode liegt er nicht vor.

Eine fertige Prozentübersicht je Land bietet das Werkzeug nicht. Die Zahlen dieser Seite sind deshalb aus den Einzelbewertungen je Lebensraumgruppe ausgezählt, Stand 29. August 2026.

Weiterverwendung: Die Daten stehen unter CC BY 4.0. Die Europäische Umweltagentur ist als Originalquelle zu nennen, und der Sinn der Angaben darf nicht entstellt werden; für Inhalte Dritter auf den EEA-Seiten gilt die Lizenz nicht (EEA Legal Notice, Abschnitt Copyright). Die Tabelle der sechs Gruppen ist aus den Einzelbewertungen gerechnet, nicht abgelesen.

Nächste Aktualisierung: Die Berichtsperioden nach Artikel 17 umfassen je sechs Jahre (2001–2006, 2007–2012, 2013–2018, 2019–2024); die Meldung für 2019–2024 war bis 31. Juli 2025 fällig. Ein Termin für die nächste Meldung ist nicht belegt. Rechtsgrundlage: Artikel 17 Absatz 1 der Richtlinie 92/43/EWG (EUR-Lex); Perioden laut Guidelines on Concepts and Definitions – Article 17 of Directive 92/43/EEC (DG Environment, Juni 2023, S. 4); Frist laut Eionet-Referenzportal Habitats Directive Art 17.

Zitieren und einbetten

Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Erhaltungszustand nach Lebensraumgruppen. biodiversitaet-monitor.at/lebensraumgruppen/ · Daten: Eionet, Artikel 17 FFH-Richtlinie, Periode 2019–2024 · Datenstand Berichtsperiode 2019–2024

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Häufige Fragen

Welchen Lebensräumen in Österreich geht es am schlechtesten?

Den Mooren, Sümpfen und Quellen: 11 von 16 Bewertungen stehen auf „schlecht“, keine einzige auf „günstig“. Dahinter folgt das Grünland mit 13 schlechten von 24 Bewertungen und zwei günstigen. Bei den Gewässern ist keine Bewertung günstig, sieben von 16 sind allerdings gar nicht beurteilt.

Geht es dem Wald besser als dem Grünland?

Ja, aber beide Werte sind niedrig. Im Wald sind 9 von 32 Bewertungen günstig (28,1 Prozent), im Grünland 2 von 24 (8,3 Prozent). Deutlicher ist der Unterschied bei der Bewegung: Alle vier Verbesserungen der Berichtsperiode, die als echte Zustandsänderung gemeldet sind, liegen im Wald, im Grünland gibt es keine einzige.

Warum steht bei fast jeder zweiten Bewertung der Gewässer „unbekannt“?

Aus diesen Daten lässt sich das nicht sagen. Sieben der 16 Gewässerbewertungen sind nicht beurteilt. „Unbekannt“ ist keine Stufe zwischen gut und schlecht, sondern das Fehlen einer Beurteilung. Alle sieben Bewertungen trugen in der Vorperiode noch eine Stufe — der Wissensstand ist dort zurückgegangen.

Warum sind es 114 Bewertungen, aber nur 71 Lebensraumtypen?

Österreich liegt in zwei biogeografischen Regionen, der alpinen und der kontinentalen. Jeder Lebensraumtyp wird in jeder Region, in der er vorkommt, einzeln beurteilt. Alle Prozentwerte auf dieser Seite beziehen sich auf Bewertungen, nicht auf Lebensraumtypen.