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Biodiversitätsmonitor › Lebensräume

Warum knapp die Hälfte der Fließgewässer Österreichs den guten Zustand verfehlt

Datenstand Meldezyklus 2022, Abruf 1. September 2026

Österreich hat der EU 8.116 Fließgewässer-Abschnitte gemeldet. 4.031 davon erreichen den guten ökologischen Zustand nicht. Als Grund nennt Österreich bei 3.234 dieser Abschnitte die Verbauung des Gewässers — bei 1.690 als einzigen Grund. Die Verbauung wird damit häufiger genannt als Einträge aus der Fläche, also Nährstoffe und Schadstoffe aus der Landnutzung (1.327 Abschnitte).

Belastungen der Fließgewässer

Was diese Zahl nicht sagt

Die Anteile zeigen, welche Ursachen Österreich für verfehlte Ziele meldet, nicht, wie stark eine Verbauung für sich allein wirkt. Belastungen werden fast nur dort gemeldet, wo das Ziel verfehlt wird; ein Vergleich verbauter mit unverbauten Gewässern misst deshalb die Meldelogik, nicht die Ökologie.

Ein Wasserkörper ist kein Fluss

Die Wasserrahmenrichtlinie der EU, die den Zustand der Gewässer regelt, zählt keine Flüsse, sondern Planungsabschnitte. Österreichs Gewässernetz von 32.135 Kilometern ist in 8.116 solcher Wasserkörper geteilt, im Mittel rund vier Kilometer lang. Geteilt wird dort, wo Gewässertyp oder Belastung wechseln.

Das hat eine Folge, die man kennen muss, bevor man die Prozente liest: Die schlecht bewerteten Abschnitte sind im Schnitt die längeren. In der Klasse „schlecht“ misst ein Wasserkörper im Mittel 6,10 Kilometer, in „sehr gut“ nur 2,97 Kilometer — kurze Abschnitte liegen im Oberlauf, lange sind die durchgehend verbauten Tal- und Flachstrecken. Nach Kilometern statt nach Abschnitten gerechnet, fällt der Anteil im guten Zustand deshalb von 49,1 auf 42,5 Prozent (der Rest auf 100 sind Abschnitte ohne Bewertung): Die 4.031 verfehlenden Abschnitte — knapp die Hälfte der 8.116 — stehen für 18.062 der 32.135 Flusskilometer.

Wie die Zahlen zu lesen sind

Die Wasserrahmenrichtlinie nennt eine Belastung „signifikant“, wenn sie das Erreichen der Ziele gefährdet. Gemeldet wird sie deshalb praktisch nur für Abschnitte, die das Ziel ohnehin verfehlen: Von 3.879 Wasserkörpern mit einer gemeldeten Belastung erreichen drei das Ziel.

Aus denselben Daten lässt sich deshalb ein Satz rechnen, der nach einem Jahrhundertbefund aussieht: „verbaute Gewässer sind zu 0 Prozent in gutem Zustand, unverbaute zu 81,6 Prozent.“ Gerechnet ist das über die 4.882 Abschnitte ohne gemeldete Verbauung, von denen 3.984 in sehr gutem oder gutem Zustand sind. Der Satz ist trotzdem wertlos, weil er nur abbildet, was gemeldet wird.

Querbauwerke im engeren Sinn

Unter „Verbauung“ fasst die Meldung mehreres zusammen: Es ist ein Sammelcode für bauliche Eingriffe in das Gewässer, den Österreich erst seit 2016 nach Untertypen und Zweck aufschlüsselt (siehe „Wird es besser?“). Einer dieser Untertypen sind die Querbauwerke — Wehre, Sohlschwellen, Staumauern, Schleusen, also Bauwerke quer zur Fließrichtung. Sie sind für 2.669 Wasserkörper gemeldet, ein Drittel des gesamten Bestands; die 3.234 Wasserkörper mit gemeldeter Verbauung umfassen daneben auch die übrigen Untertypen.

Genannter Zweck Wasserkörper
Hochwasserschutz 1.971
unbekannt oder veraltet 991
Wasserkraft 949
sonstige 699

Diese vier Zahlen ergeben zusammen 4.610 und nicht 2.669 — ein Wasserkörper trägt oft mehrere Zwecke. Es ist keine Aufteilung; die Zwecke stehen deshalb als Tabelle, nicht als gestapelter Balken.

Zwei Dinge daran sind bemerkenswert. Erstens steht Wasserkraft an dritter Stelle, hinter dem Hochwasserschutz und hinter der Kategorie „unbekannt oder veraltet“. Zweitens ist bei mehr als jedem dritten Wasserkörper mit Querbauwerk (991 von 2.669) der Zweck unbekannt oder der Eintrag veraltet — bei einem Bauwerksbestand, der die Durchgängigkeit eines Gewässers unterbricht.

155 Abschnitte ohne gemeldeten Grund

Nicht jeder Wasserkörper, der sein Ziel verfehlt, trägt eine Ursache. Bei 155 der 4.031 verfehlenden Abschnitte meldet Österreich keine einzige Belastung, außer der atmosphärischen Deposition (Einträge aus der Luft), die auf allen 8.116 Wasserkörpern steht. Zusammen sind das rund 699 Flusskilometer. 126 dieser Abschnitte sind als mäßig eingestuft, 20 als unbefriedigend und neun als schlecht.

Ob die 155 eine Lücke der Meldung sind oder eine Ursache haben, die keine der Kategorien erfasst, sagt der Datensatz nicht. Sie fehlen deshalb im Balken: Er zeigt nur, was als Grund gemeldet ist.

Umgekehrt gibt es Abschnitte mit genau einem gemeldeten Grund — und auch dort führt die Verbauung: Bei 1.690 Abschnitten ist sie der einzige gemeldete Grund für das Verfehlen. Einträge aus der Fläche sind es bei 451 Abschnitten allein, Wasserentnahmen bei 162.

Wird es besser?

Meldezyklus Wasserkörper mit gemeldeter Verbauung
2010 4.317
2016 3.461
2022 3.234

Das sieht nach einem Rückgang aus, ist aber zum Teil ein Katalogwechsel: 2010 hat Österreich fast nur den Sammelcode „Verbauung“ gemeldet, ohne Untertypen; die feine Aufschlüsselung nach Zweck gibt es erst ab 2016. Ob es besser wird, lässt sich aus dieser Reihe deshalb nicht sicher sagen; auch für 2016 gegen 2022 ist nicht belegt, dass beide Zyklen denselben Belastungskatalog verwenden.

Verwandte Auswertungen

Woher die Daten kommen

EEA Discodata (Europäische Umweltagentur), Datenbank WISE zur Wasserrahmenrichtlinie, Tabelle SWB_SurfaceWaterBody_swSignificantPressureType, Meldezyklus 2022, Kategorie Rivers, Land Österreich. Abgerufen am 1. September 2026.

Ausgeschlossen ist der Code P2-7 Atmosphärische Deposition: Österreich hat ihn pauschal auf alle 8.116 Wasserkörper gesetzt, auch auf die in gutem Zustand. Er ist der einzige Code, der das tut, und ohne diesen Ausschluss ist die Auswertung unbrauchbar.

Die 155 Abschnitte ohne gemeldeten Grund (699 Kilometer; 126 mäßig, 20 unbefriedigend, neun schlecht) und die Reihe 4.317 / 3.461 / 3.234 sind am 7. Oktober 2026 aus derselben Datenbank nachgerechnet.

Vergleich mit dem Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan 2021, also mit Österreichs eigener Veröffentlichung statt mit derselben EU-Meldung: Bestand 8.116 Wasserkörper in beiden Quellen, Netzlänge 32.101 gegen 32.135 Kilometer (0,11 Prozent Abstand). Fundstelle: Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (2022), Nationaler Gewässerbewirtschaftungsplan 2021, Wien, April 2022, Kapitel 1.2.1.1, S. 14 (PDF, Textband).

Weiterverwendung: Die Daten stehen unter CC BY 4.0. Die Europäische Umweltagentur ist als Originalquelle zu nennen, und der Sinn der Angaben darf nicht entstellt werden; für Inhalte Dritter auf den EEA-Seiten gilt die Lizenz nicht (EEA Legal Notice, Abschnitt Copyright).

Nächste Aktualisierung: Die bisherigen Meldezyklen (2010, 2016, 2022) liegen sechs Jahre auseinander; ein Termin für den nächsten liegt nicht vor.

Zitieren und einbetten

Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Belastungen der Fließgewässer. biodiversitaet-monitor.at/querbauwerke/ · Daten: EEA WISE-WFD, CC BY 4.0 · Datenstand Meldezyklus 2022

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Häufige Fragen

Was ist ein Querbauwerk?

Ein quer zur Fließrichtung stehendes Bauwerk — Wehr, Sohlschwelle, Staumauer, Schleuse. Es unterbricht die Durchgängigkeit des Gewässers für Fische, Sediment und Geschiebe. In Österreich ist ein solches Bauwerk für 2.669 der 8.116 gemeldeten Gewässerabschnitte angegeben.

Wie viele Flüsse in Österreich sind verbaut?

Die Frage lässt sich mit diesen Daten nicht in Flüssen beantworten, nur in Planungsabschnitten. Eine Verbauung ist für 3.234 der 8.116 Abschnitte gemeldet; weil Belastungen fast nur dort gemeldet werden, wo das Ziel verfehlt wird, ist das keine Zählung aller verbauten Gewässer. Von den 4.031 Abschnitten, die den guten Zustand verfehlen — alle 3.234 verbauten gehören dazu —, tragen damit vier von fünf die Verbauung als gemeldeten Grund.

Ist Wasserkraft schuld?

Aus diesen Daten lässt sich das nicht sagen: Gemeldet wird der Zweck eines Querbauwerks, nicht sein Anteil an der Zielverfehlung. Als Zweck wird Hochwasserschutz häufiger genannt (1.971 Wasserkörper) als Wasserkraft (949). Ein Bauwerk kann mehreren Zwecken dienen, die Zahlen sind deshalb keine Aufteilung.

Was ist ein Wasserkörper?

Ein Planungsabschnitt der Wasserrahmenrichtlinie, im Mittel rund vier Kilometer lang. Österreichs Gewässernetz ist in 8.116 davon geteilt.