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Biodiversitätsmonitor › Lebensräume

Wie viele Biotoptypen in Österreich sind gefährdet?

Datenstand Teilbände 2002 bis 2008, Abruf 24. August 2026

Das Umweltbundesamt unterscheidet für Österreich 488 Biotoptypen und hat 383 davon bewertet. 284 dieser 383 stehen in einer Gefährdungsstufe — 74,2 Prozent, also drei von vier. Fünf Typen gelten als völlig vernichtet, 33 weitere als von der Vernichtung bedroht. Der jüngste Teilband dieser Roten Liste stammt aus dem Jahr 2008.

Rote Liste der Biotoptypen

Was diese Zahl nicht sagt

74,2 Prozent sind ein Anteil an den 383 bewerteten Typen, nicht an allen 488. Die Liste gibt den Wissensstand von 2002 bis 2008 wieder, und weil es nur eine Ausgabe gibt, zeigt sie keinen Trend.

Was der Balken zeigt

Stufe Kürzel Biotoptypen Anteil
völlig vernichtet RE 5 1,3 %
von Vernichtung bedroht CR 33 8,6 %
stark gefährdet EN 123 32,1 %
gefährdet VU 123 32,1 %
nicht gefährdet LC 93 24,3 %
ohne Angabe — 6 1,6 %

Die Verteilung hat ihr Gewicht in der Mitte. Die beiden mittleren Stufen tragen mit je 123 Typen zusammen 246 der 383 bewerteten — fast zwei Drittel liegen also in den Kategorien „stark gefährdet“ und „gefährdet“. Die Stufe „nicht gefährdet“ ist mit 93 Typen die drittstärkste Einzelkategorie, und ganz oben, wo die Skala am schärfsten wird, stehen 5 und 33 Typen. Zusammengenommen ergeben die vier Gefährdungsstufen die 284 gefährdeten Typen.

Mitgezählt sind dabei die fünf völlig vernichteten Typen. Das Umweltbundesamt rechnet in der Übersichtstabelle seiner Themenseite nur die Stufen „von Vernichtung bedroht“, „stark gefährdet“ und „gefährdet“ zusammen, also 279 von 383, und kommt so auf 73 Prozent. Beide Zahlen stammen aus derselben Einstufung. Sie unterscheiden sich nur darin, ob die fünf Lebensräume, die es nicht mehr gibt, als gefährdet mitgezählt werden.

Die Balken sind nach Schweregrad sortiert, nicht nach Länge.

Fünf Typen als „völlig vernichtet“ zu führen heißt: Diese Lebensräume gibt es in Österreich nicht mehr. Es ist die einzige Stufe der Skala, die keine Prognose ist, sondern ein abgeschlossener Vorgang — und sie ist mit 1,3 Prozent zugleich die kleinste.

Wie die Zahlen zu lesen sind

Erstens: 74,2 Prozent sind ein Anteil an 383, nicht an 488. Von den 488 unterschiedenen Biotoptypen wurden 105 gar nicht erst eingestuft; sie galten als nicht besonders schutzwürdig. Diese 105 sind damit nicht die ungefährdete Restmenge — sie sind gar nicht bewertet worden. Wer die 284 auf alle 488 bezieht, bekommt eine kleinere Zahl, die aber etwas anderes misst: nämlich den Anteil an einer Grundgesamtheit, für die es die Bewertung nie gab. Dieser Anteil wird hier deshalb nicht gezeigt. Jede Prozentangabe auf dieser Seite bezieht sich auf die 383 bewerteten Typen.

Der Nenner ist damit selbst schon ein Auswahlentscheid der Quelle. Er ist begründet — eine Rote Liste bewertet, was schutzwürdig ist —, aber er ist keine Naturgegebenheit.

Zweitens: Die Liste ist alt, und sie ist nicht aus einem Guss. Die Teilbände erschienen gestaffelt zwischen 2002 und 2008 — welche Lebensraumgruppe in welchem Jahr bewertet wurde, zeigt die Tabelle in „Die 105 Unbewerteten — und warum es keinen Trend gibt“. Die Grafik zeigt also keinen Stichtag, sondern sechs Jahre Erhebungsarbeit, zu einer Verteilung zusammengelegt. Zwischen der Bewertung des Waldes und der der Gewässer liegen sechs Jahre — und zwischen der jüngsten Bewertung und heute liegen achtzehn.

Was das praktisch bedeutet: Ein Typ, der 2002 als gefährdet eingestuft wurde, kann heute anders dastehen, in beide Richtungen. Die Zahl 284 ist der Stand des Wissens von 2008, nicht der Zustand von 2026.

Drittens: Es gibt keine zweite Ausgabe, also keinen Trend. Aus dieser Grafik lässt sich nicht ablesen, ob die Lage besser oder schlechter geworden ist. Es existiert genau ein Stand. Wer aus den Balken eine Entwicklung liest, liest sie hinein.

Viertens: „ohne Angabe“ ist keine Entwarnung. Sechs Typen ließen sich keiner Kategorie zuordnen — die Zahl ist der Rest zwischen den 383 bewerteten und den 377 eingestuften Typen, die Quelle nennt sie nicht eigens. Sie stehen in der Grafik als eigener Balken und zählen nicht zu „nicht gefährdet“.

Was ein Biotoptyp ist — und was er nicht ist

Ein Biotoptyp ist eine Klasse von Lebensräumen, nicht ein einzelner Ort und nicht eine Art. Bewertet wird nicht der Zustand einer bestimmten Wiese, sondern die Gefährdung des Typs „Wiese dieser Ausprägung“ in ganz Österreich.

Welchen Zuschnitt die Quelle dabei wählt, zeigt die Gliederung ihrer Teilbände am deutlichsten (Tabelle in „Die 105 Unbewerteten — und warum es keinen Trend gibt“). Zwei Dinge fallen daran auf. Äcker sind mitgezählt, und Siedlungsbiotope ebenfalls — die Liste beschränkt sich also nicht auf naturnahe Lebensräume, sondern schließt vom Menschen geschaffene und bewirtschaftete Typen ein. Und die Bände erschienen nacheinander über sechs Jahre — daher der Vorbehalt zum Alter der Liste.

Diese Seite verwendet „Biotoptyp“ und „Lebensraumtyp“ gleichbedeutend. Fachlich ist das nicht dasselbe wie der Lebensraumtyp der FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU), der auf der Seite zum Erhaltungszustand der Lebensräume gemeint ist: Dort geht es um 71 Schutzgüter aus einem EU-Anhang (114 Bewertungen, weil jeder Typ in beiden Naturräumen Österreichs getrennt bewertet wird), hier um 488 Typen aus einer nationalen Systematik. Die beiden Zahlenwelten sind nicht ineinander umrechenbar.

Die 105 Unbewerteten — und warum es keinen Trend gibt

Der zweite Befund dieser Seite steht nicht im Balken, sondern daneben. Die 105 der 488 Biotoptypen, die in keiner Kategorie stehen, sind mehr als ein Fünftel des gesamten Bestands und deutlich mehr, als die beiden schärfsten Stufen zusammen umfassen (5 und 33). Die Auswahl ist also vor der Bewertung passiert: Eine Rote Liste ist keine Vollerhebung aller Lebensräume, sondern eine Bewertung derjenigen, die man für bewertenswert hielt.

Die Liste besteht aus fünf Teilbänden:

Teilband Jahr Inhalt
M-155 2002 Konzept
M-156 2002 Wälder, Forste, Vorwälder
M-167 2004 Grünland, Trockenrasen, Gehölze
M-174 2005 Moore, Hochgebirgsrasen, Äcker, Zwergstrauchheiden, geomorphologische Biotoptypen
ohne Nummer 2008 Binnengewässer, Siedlungsbiotope

Diese fünf Bände sind zusammen eine Ausgabe, nicht fünf Zeitpunkte: Die Jahre stehen für unterschiedliche Lebensraumgruppen, nicht für unterschiedliche Messungen desselben Gegenstands. Eine zweite Ausgabe, aus der ein Vergleich würde, existiert nicht.

Verwandte Auswertungen

  • Wie alt das Wissen über gefährdete Arten istdas Gegenstück zu dieser Seite: Von 27 Tiergruppen haben 3 eine aktuelle Rote Liste, die älteste (Käfer, 1994) ist 32 Jahre alt. Dort geht es um das Alter des Wissens, hier um seinen Inhalt — und beide Male ist das Alter Teil des Befunds.
  • Erhaltungszustand der Lebensraumtypendieselbe Frage, andere Systematik: Im Zustandsbericht nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie sind 26 von 114 Bewertungen günstig (22,8 Prozent). Die Zahlen sind nicht mit den Biotoptypen verrechenbar, sie beschreiben eine andere Grundgesamtheit.
  • Erhaltungszustand nach Lebensraumgruppenwo die Lage besonders schlecht ist: 2 von 24 Grünland-Bewertungen sind günstig, im Wald 9 von 32.

Woher die Daten kommen

Umweltbundesamt, Rote Listen gefährdeter Biotoptypen Österreichs, Teilbände M-155 bis M-174 und ein Band ohne Nummer, erschienen 2002 bis 2008. Übersichtsseite: umweltbundesamt.at/umweltthemen/naturschutz/rotelisten/biotoptypen. Abgerufen am 24. August 2026.

Die Zahlen sind aus der Publikation übernommen, Stand 2008; sie aktualisieren sich nicht von selbst. Die Verteilung entspricht den Zahlen, die das Umweltbundesamt auf seiner Themenseite zu den Roten Listen der Biotoptypen nennt: 5, 33, je 123 und 93 von 383 bewerteten Typen („Fünf Biotoptypen sind völlig vernichtet …, 33 sind von völliger Vernichtung bedroht … und je 123 Biotoptypen sind stark gefährdet … oder gefährdet …. Nur 93 schutzwürdige Biotoptypen sind ungefährdet“; Übersichtstabelle: Summe 488 Biotoptypen, 383 schutzwürdig, 73 % gefährdet). Die Erscheinungsjahre der Teilbände folgen den Titelblättern der Bände: Monographien Band 156 (Wälder, Forste, Vorwälder; Essl, Egger, Ellmauer, Aigner), Umweltbundesamt, Wien 2002 (PDF), und Band 174 (Traxler, Minarz, Englisch, Fink, Zechmeister, Essl), Umweltbundesamt, Wien 2005 (PDF).

Weiterverwendung: Eine offene Lizenz ist nicht angegeben: Die Teilbände tragen den Vermerk „Alle Rechte vorbehalten“, und das Impressum des Umweltbundesamts lässt „Nachdrucke mit Quellenangaben zu nicht kommerziellen Zwecken“ zu (Impressum, Abschnitt Nutzungsgenehmigungen). Die Zahlen sind mit Quellenangabe zitiert; wer sie darüber hinaus weiterverwenden will, wendet sich an das Umweltbundesamt.

Nächste Aktualisierung: Die Themenseite des Umweltbundesamts nennt keinen Termin.

Zitieren und einbetten

Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Rote Liste der Biotoptypen. biodiversitaet-monitor.at/biotoptypen/ · Daten: Umweltbundesamt, Rote Listen gefährdeter Biotoptypen Österreichs, Teilbände 2002–2008 · Datenstand Teilbände 2002 bis 2008

Die Zahlen dieser Seite als Datei: biotoptypen.json

Häufige Fragen

Was ist ein Biotoptyp?

Eine Klasse von Lebensräumen, nicht ein einzelner Ort. Die Rote Liste bewertet nicht eine bestimmte Wiese oder ein bestimmtes Moor, sondern die Gefährdung des jeweiligen Typs in ganz Österreich. Das Umweltbundesamt unterscheidet 488 solcher Typen, von Wäldern und Trockenrasen über Moore und Binnengewässer bis zu Äckern und Siedlungsbiotopen.

Wie viele Lebensraumtypen in Österreich sind gefährdet?

284 von 383 bewerteten Biotoptypen stehen in einer Gefährdungsstufe, das sind 74,2 Prozent. Fünf gelten als völlig vernichtet, 33 als von der Vernichtung bedroht, je 123 als stark gefährdet und als gefährdet. Die übrigen 105 der insgesamt 488 Typen wurden nicht bewertet.

Was ist der Unterschied zur Roten Liste der Arten?

Es sind zwei getrennte Werke. Die Roten Listen der Arten bewerten Tier- und Pflanzenarten und erscheinen je Tiergruppe — von 27 Tiergruppen haben derzeit 3 eine aktuelle Liste. Die Rote Liste der Biotoptypen bewertet dagegen Lebensraumtypen, also die Art der Orte, an denen diese Arten vorkommen. Ein Lebensraum kann gefährdet sein, ohne dass eine einzelne darin lebende Art auf einer Artenliste steht — und umgekehrt.

Wie aktuell ist die Rote Liste der Biotoptypen?

Die Teilbände erschienen zwischen 2002 und 2008, der jüngste ist damit achtzehn Jahre alt. Die Übersichtsseite des Umweltbundesamts führt keinen jüngeren Teilband.