Wie viele Bäume bieten Höhlen, Risse und Mulm?
Datenstand Mai 2026 (Waldbiodiversitätsbericht, Waldinventur 2022–2024 vorläufig), Abruf 10. Oktober 2026
Rund 19 Prozent der lebenden Bäume in Österreichs Wald tragen mindestens ein Mikrohabitat, etwa eine Höhle, einen Riss, einen toten Ast oder eine Mulmhöhle – einen mit zersetztem Holz gefüllten Hohlraum. Solche Bäume heißen Habitatbäume. Die Zahl ist vorläufig: Sie stammt aus der ersten Hälfte einer laufenden Erhebung der Waldinventur. In Trittsteinbiotopen – kleinen naturnahen Waldflächen, die für 10 bis 20 Jahre aus der Nutzung genommen sind – liegt der Anteil bei 30 Prozent. Je dicker der Baum, desto häufiger: Dort tragen ab 80 Zentimetern Durchmesser 94 Prozent ein Mikrohabitat.
Bäume mit Mikrohabitat
Was diese Zahl nicht sagt
Der Bundeswert ist vorläufig und beruht auf der Hälfte der Probeflächen. Die Trittsteinbiotope sind ausgesuchte naturnahe Flächen und stehen nicht für den ganzen Wald. Gezählt sind Bäume mit mindestens einem Mikrohabitat, nicht wie viele oder welche sie tragen.
Was ein Mikrohabitat ist
Mikrohabitate sind klar abgegrenzte Strukturen an einem Baum: Spechthöhlen, Risse, abgestorbene Äste, Mulmhöhlen oder wassergefüllte Höhlungen im Stamm. Viele, oft hoch spezialisierte Arten brauchen sie zumindest für einen Teil ihres Lebens, darunter höhlenbrütende Vögel, Fledermäuse, holzbewohnende Insekten, Pilze und Flechten. Mikrohabitate entstehen, wenn ein Baum altert, verletzt wird oder ein Specht ihn bearbeitet.
Das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) erfasst sie nach einem international einheitlichen Katalog an lebenden und toten Bäumen ab 10 Zentimetern Durchmesser in Brusthöhe; auf standardisierten Probeflächen von 300 Quadratmetern wird jeder Baum von allen Seiten mit dem Fernglas abgesucht. Seit 2022 erhebt das BFW Mikrohabitate auch in der Österreichischen Waldinventur.
Was die Waldinventur zeigt
Die erste bundesweite Auswertung, für die Jahre 2022 bis 2024, zählt 348 Millionen Bäume mit Mikrohabitat unter 1.846 Millionen lebenden Bäumen ab 10 Zentimetern Durchmesser. Zahlen je Bundesland oder je Hektar sind nicht veröffentlicht.
Was naturnahe Flächen zeigen
Das BFW hat bisher 455 Trittsteinbiotope mit 1.405 Hektar eingerichtet. Auf 872 Aufnahmeflächen in solchen Beständen trugen 5.400 von 17.716 lebenden Bäumen mindestens ein Mikrohabitat, 30 Prozent. Auf 94 Prozent dieser Aufnahmeflächen stand mindestens ein Habitatbaum.
Mit dem Durchmesser steigt der Anteil stark: 23 Prozent bei 10 bis 35 Zentimetern, 63 Prozent bei 35 bis 50, 80 Prozent bei 50 bis 80 und 94 Prozent ab 80 Zentimetern. Dicke, alte Bäume haben über lange Zeit Verletzungen, Totholz und holzbewohnende Organismen angesammelt. Unter den verbreitetsten Baumarten trugen Schwarzerle (54 Prozent) und Bergahorn (46 Prozent) am häufigsten ein Mikrohabitat; bei der Fichte waren es 37 Prozent, bei der Buche 36 und bei der Hainbuche 21 Prozent.
Was noch fehlt
Einen Zielwert gibt es nicht: Das BFW will ihn erst vorschlagen, wenn umfassende Daten für große Teile Österreichs vorliegen. Wie sich der Anteil verändert, lässt sich erst mit einer zweiten Erhebung sagen.
Verwandte Auswertungen
Woher die Daten kommen
Linser S., Lapin K., Bradley O., Gschwantner T. & Russ W. (2026): Waldbiodiversitätsbericht. BFW-Berichte 155/2026, Kapitel Habitatbäume, Tabelle 13 und Abbildungen 36 und 37 (S. 60–63). PDF. Die Übersicht am Anfang des Berichts nennt für die Trittsteinbiotope rund 39 Prozent; die Werte hier folgen Tabelle 13, die die Baumzahlen nennt.
Umweltbundesamt (2025): Biodiversitäts-Indikatoren, Report REP-0911, Indikator 3.1.7. PDF.
Nächste Aktualisierung: mit der nächsten Auswertung der Waldinventur.
Zitieren und einbetten
Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Habitatbäume. biodiversitaet-monitor.at/habitatbaeume/ · Daten: BFW, Waldbiodiversitätsbericht (2026) · Datenstand Mai 2026 (Waldbiodiversitätsbericht, Waldinventur 2022–2024 vorläufig)
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Häufige Fragen
Was ist ein Habitatbaum?
Ein lebender oder toter Baum, an dem sich mindestens ein Mikrohabitat findet – eine Höhle, ein Riss, ein abgestorbener Ast oder eine mit zersetztem Holz gefüllte Höhlung (Mulmhöhle). Viele spezialisierte Arten sind auf solche Strukturen angewiesen, von Spechten und Fledermäusen bis zu holzbewohnenden Käfern und Pilzen.
Wie viele Habitatbäume gibt es in Österreich?
Nach der vorläufigen Waldinventur 2022 bis 2024 tragen rund 19 Prozent der lebenden Bäume ab 10 Zentimetern Durchmesser mindestens ein Mikrohabitat, 348 von 1.846 Millionen Bäumen.
Warum sind dicke Bäume so wichtig?
Weil ein alter Baum viel Zeit hatte, Verletzungen, Totholz und holzbewohnende Organismen anzusammeln – und damit Mikrohabitate. In naturnahen Trittsteinbiotopen tragen 94 Prozent der Bäume ab 80 Zentimetern Durchmesser ein Mikrohabitat, bei 10 bis 35 Zentimetern sind es 23 Prozent.