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Biodiversitätsmonitor › Arten

Wie viele gebietsfremde Pflanzenarten gibt es in Österreich?

Datenstand September 2022 (Checkliste, erschienen 2025), Abruf 6. Oktober 2026

Die Checkliste der Neophyten Österreichs von 2025 führt 1.615 gebietsfremde Pflanzenarten, die nach 1492 mit dem Menschen ins Land gekommen sind. 1950 waren davon 513 nachgewiesen, 2010 bereits 1.351. Zwei Drittel aller datierten Erstnachweise stammen aus der Zeit nach 1950. Die meisten Arten tauchen nur vorübergehend auf; 227 haben sich dauerhaft und verbreitet festgesetzt.

Neophyten in Österreich: Erstnachweise seit 1800

Was diese Zahlen nicht sagen

Ein Erstnachweis zeigt, wann jemand eine Art gefunden hat, nicht wann sie kam. Die Kurve mischt deshalb echte Ausbreitung mit der Geschichte des Suchens: Wo mehr gesucht wird, wird mehr gefunden.

Was ein Neophyt ist

Neophyten sind Pflanzen, die erst nach 1492 nach Österreich gekommen sind, mit Handel, Verkehr, Gärten und Landwirtschaft. Das Jahr steht für die Entdeckung Amerikas, nach der der Austausch von Pflanzen zwischen den Kontinenten stark zunahm. Was schon früher kam, etwa mit dem Ackerbau der Jungsteinzeit, heißt Archäophyt und zählt hier nicht.

Die Checkliste zählt jede gebietsfremde Pflanze, die mindestens einmal wildwachsend gefunden wurde. Sie unterscheidet drei Stufen: etabliert (die Art hält sich ohne Zutun und ist verbreitet), lokal etabliert (sie hält sich nur an wenigen Stellen) und unbeständig (sie taucht auf, bildet aber keine dauerhaften Bestände). Österreichweit sind 227 Arten etabliert, 207 lokal etabliert und 1.181 unbeständig.

Genau genommen sind die 1.615 Einträge Taxa, also Einheiten der Systematik: 1.388 Arten, dazu Unterarten, Kreuzungen und Artengruppen. Diese Seite sagt der Einfachheit halber „Arten“.

Seit 1950 steil

Vor 1800 waren 33 Neophyten belegt, 1850 waren es 118, 1900 dann 264. Im 20. Jahrhundert wurde die Kurve steiler: 513 im Jahr 1950, 1.083 im Jahr 2000, 1.351 im Jahr 2010.

Von den 1.561 Arten mit datiertem Erstnachweis wurden 1.048 erst nach 1950 zum ersten Mal gefunden, 478 erst nach 2000. Genau bekannt ist das Jahr laut den Autorinnen und Autoren nur bei 955 Arten; bei den übrigen kennen sie einen Zeitraum. Die Linie zeigt deshalb den groben Verlauf, nicht einzelne Jahre oder Jahrzehnte.

Zur Einordnung rechnen die Autorinnen und Autoren: Österreich hat rund 3.460 Arten und Unterarten von Gefäßpflanzen, ohne einige Gattungen, die sich kaum in Arten trennen lassen, etwa Brombeeren und Löwenzahn (Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen, Schratt-Ehrendorfer et al. 2022). Die 1.458 Neophyten, die als Art oder Unterart gelten, entsprächen 42 Prozent davon. Zählt man nur die 412 unter ihnen, die sich halten, ob verbreitet oder nur an wenigen Stellen, sind es 12 Prozent. Die 227 etablierten und 207 lokal etablierten Einträge weiter oben schließen auch Kreuzungen und Artengruppen ein.

Warum die Linie nach 2010 blass ist

Ein Erstnachweis ist das Jahr, in dem eine Pflanze zum ersten Mal wildwachsend gefunden und beschrieben wurde. Bis ein Fund in einer Florenliste oder Fachzeitschrift steht, vergehen oft Jahre. Deshalb fehlen für die jüngsten Jahre noch viele Funde, die erst später gemeldet werden.

Jede Kurve von Erstnachweisen flacht deshalb am rechten Rand ab, auch wenn die Einschleppung gleich bleibt oder zunimmt. Diese Seite zeichnet die Jahre bis 2010 voll und die Jahre danach blass. Sie gehören dazu, sind aber noch nicht vollständig.

Woher die Neophyten kommen

Am häufigsten stammen sie aus dem gemäßigten Asien (760 Arten), gefolgt von anderen Teilen Europas (606), Nordamerika (389) und Afrika (310). Eine Art kann in mehreren Erdteilen heimisch sein.

Wie sie gekommen sind, ist bei gut 60 Prozent bekannt. Mit großem Abstand am häufigsten sind sie aus Gärten, Parks oder Feldern verwildert (912 Arten). 118 reisten unabsichtlich mit einem Fahrzeug oder einem anderen Transportmittel mit, 33 als Verunreinigung einer Ware.

Verwandte Auswertungen

Woher die Daten kommen

Glaser M., Gilli C., Griebl N., Hohla M., Pflugbeil G., Stöhr O., Pilsl P., Ehrendorfer-Schratt L., Niklfeld H., Walter J., Pagitz K. & Essl F. (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition). Preslia 97: 413–539, doi:10.23855/preslia.2025.413. Lizenz CC BY 4.0. Die Datensammlung wurde im September 2022 abgeschlossen.

Die Zahlen dieser Seite sind aus der Artenliste im Anhang der Veröffentlichung (Appendix 1) gezählt; die Gliederung in 1.388 Arten, die 955 genau datierten Erstnachweise und die Rechnung zu den 3.460 Gefäßpflanzen stammen aus dem Text (S. 419 und 421). Einzelne Summen im Text weichen vom Anhang um wenige Arten ab. Für 54 Arten nennt die Checkliste kein Jahr des Erstnachweises, für 52 davon bewusst, weil sie vielleicht schon vor 1492 gekommen oder erst im Anbau entstanden sind; die Linie endet deshalb bei 1.561.

Nächste Aktualisierung: mit der nächsten Auflage der Checkliste.

Zitieren und einbetten

Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Neophyten in Österreich. biodiversitaet-monitor.at/neophyten/ · Daten: Glaser et al. (2025), Checklist of Austrian neophytes, Preslia 97 · Datenstand September 2022 (Checkliste, erschienen 2025)

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Häufige Fragen

Wie viele Neophyten gibt es in Österreich?

Die Checkliste der Neophyten Österreichs von 2025 führt 1.615 gebietsfremde Pflanzenarten, die nach 1492 eingeführt wurden. 227 davon sind etabliert, 207 lokal etabliert und 1.181 unbeständig.

Was ist ein Neophyt?

Eine Pflanze, die erst nach 1492 mit dem Menschen in ein Gebiet gekommen ist, etwa über Gärten, Handel oder Verkehr. Pflanzen, die schon früher kamen, heißen Archäophyten.

Nimmt die Zahl der Neophyten in Österreich zu?

Ja. 1950 waren 513 gebietsfremde Pflanzenarten nachgewiesen, 2010 bereits 1.351. Zwei Drittel aller datierten Erstnachweise stammen aus der Zeit nach 1950.

Woher kommen die Neophyten in Österreich?

Am häufigsten aus dem gemäßigten Asien, gefolgt von anderen Teilen Europas, Nordamerika und Afrika. Die meisten sind aus Gärten, Parks oder Feldern verwildert.