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Wie viel Moor hat Österreich noch?
Datenstand Mai 2025 (Moorinventar), Abruf 8. Oktober 2026
Österreich hat rund 44.000 Hektar Moor, etwa 0,5 Prozent der Staatsfläche. Die größten Flächen liegen im Burgenland und in Salzburg. 61 Prozent liegen in einem Schutzgebiet. Wo der Zustand bekannt ist, sind 64 Prozent der Moorfläche mäßig bis stark beeinträchtigt; der Schilfgürtel des Neusiedler Sees ist dabei nicht mitgerechnet. Von rund 100.000 Hektar organischer Böden sind 41 Prozent entwässert. Organische Böden haben einen hohen Anteil an organischer Substanz, etwa Torf, und liegen auch unter Wald, Grünland und Acker.
Moorfläche je Bundesland
Was diese Zahl nicht sagt
Die Moorfläche ist auf ±8 Prozent genau. Die Zustandsangaben beruhen auf einem Teil der Datenquellen des Inventars, lassen den Schilfgürtel des Neusiedler Sees aus und sind nicht je Bundesland ausgewiesen. Wie viel Moor schon wiedervernässt wurde, erfasst keine der Datenquellen; der Entwurf des Nationalen Wiederherstellungsplans nennt nur Ziele.
Wo die Moore liegen
Das Moorinventar des Umweltbundesamts von 2025 zählt 43.973 Hektar Moor. Ein Viertel davon liegt im Burgenland (11.261 Hektar), ein Fünftel in Salzburg (8.936 Hektar). Grund für den Vorsprung des Burgenlands ist der Schilfgürtel des Neusiedler Sees: Das Inventar zählt ihn mit 9.700 Hektar als Moorfläche. Nach Burgenland und Salzburg folgen Kärnten und Vorarlberg mit jeweils 5.500 bis 5.800 Hektar. In Wien sind es 125 Hektar.
Das Inventar zählt mehr Moorfläche als frühere Erhebungen. Der Grund ist eine breitere Datenbasis und die Aufnahme von Anmooren und Bruchwäldern (nasse Wälder auf Moorboden, in denen Erlen und Weiden wachsen), kein Zuwachs an Mooren.
Niedermoore, also Moore, die vom Grundwasser gespeist werden, nehmen mit 24.629 Hektar mehr als die Hälfte der Fläche ein (56 Prozent). Hochmoore, die hauptsächlich Regenwasser bekommen und von Torfmoosen geprägt sind, umfassen 3.435 Hektar (7,8 Prozent), Übergangsmoore zwischen beiden 1.318 Hektar (3,0 Prozent). Moorwälder (mit Fichten, Kiefern oder Birken) und Bruchwälder kommen zusammen auf 4.363 Hektar (9,9 Prozent). 9.452 Hektar (21,5 Prozent) führt das Inventar als sonstige Moorfläche: nasse Seggenrieder, Röhrichte und Streuwiesen, oft auf Torf- oder Anmoorboden. Deckenmoore (vom Regen gespeiste Moore, die bei hohem Niederschlag unabhängig von der Geländeform wachsen) und Kondenswassermoore (gespeist von Kondenswasser aus kalter Luft, die aus Blockhalden strömt) gehören zu den seltenen Moortypen; zusammen umfassen sie 522 Hektar. Die übrigen 254 Hektar der Moorfläche sind Quellfluren (Pflanzenbestände an Quellaustritten). Das Inventar erfasst sie mit, weil sie oft mit Moorflächen im engeren Sinn verzahnt vorkommen.
In welchem Zustand sie sind
Für etwa die Hälfte der Datenquellen, aus denen das Inventar zusammengesetzt ist, gibt es Angaben zum Zustand. Wo der Zustand bekannt ist, sind 36 Prozent der Moorfläche unberührt oder wenig beeinträchtigt, 64 Prozent mäßig bis stark. Der Schilfgürtel des Neusiedler Sees ist dabei nicht mitgerechnet, weil seine Einstufung laut Inventar veraltet ist und die große Einzelfläche die Statistik verzerren würde. Nach der Meldung Österreichs an die EU — dem Zustandsbericht nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU) — erreicht bei den Mooren, Sümpfen und Quellen keine der 16 Bewertungen die Stufe „günstig“. Bewertet wird jeder der neun Lebensraumtypen in jeder Region, in der er vorkommt — der alpinen und der kontinentalen; nicht jeder Typ kommt in beiden vor, daher sind es 16 Bewertungen (siehe Lebensraumgruppen). Als Belastungen mit hohem Einfluss — die Einstufung nimmt Österreich selbst vor — nennt die Meldung am häufigsten die Entwässerung und Veränderungen des Wasserabflusses, bei je 7 der 16 Bewertungen.
Wie sich die Moore verändert haben, lässt sich nur an einer Stichprobe ablesen. 33 Moore wurden 2024 erneut erhoben und mit dem Moorschutzkatalog von 1992 verglichen, einer früheren bundesweiten Bestandsaufnahme der Moore. Die erfasste Fläche dieser 33 Moore war im Mittel um 30 Prozent kleiner als 1992, und der Anteil wenig beeinträchtigter Flächen war deutlich niedriger. Weil die Methode anders war, lässt sich daraus laut Moorinventar nicht unbedingt ein Trend ableiten.
Entwässerte organische Böden und das Klima
Der Bodenbericht des Umweltbundesamts („Organische Böden in Österreich“) zählt organische Böden gleich welcher Nutzung: 100.119 Hektar, davon Wald 41.571 Hektar, Grünland 34.798, Feuchtgebiete 12.082, Acker 6.583, Siedlungen 1.933, Fließ- und Stillgewässer 1.726, sonstiges Land 1.425. Das Moorinventar zählt anders: Es erfasst Flächen mit potenziell torfbildender Vegetation, unabhängig davon, ob dort ein organischer Boden ausgeprägt ist; Torfböden ohne Moorvegetation nimmt es nicht auf. Laut Bodenbericht sind 41.326 der 100.119 Hektar organischer Böden entwässert, darunter alle Flächen unter Acker und Siedlungen. Entwässerter Torf zersetzt sich und setzt Treibhausgase frei, vor allem Kohlendioxid. Die entwässerten organischen Böden geben jährlich 992 Kilotonnen CO₂-Äquivalente ab, so viel wie 1,4 Prozent der Treibhausgase, die Österreich 2022 ausgestoßen hat. CO₂-Äquivalente sind eine Einheit, die die Klimawirkung aller Treibhausgase in Kohlendioxid ausdrückt.
Was der Wiederherstellungsplan vorsieht
Der Entwurf des Nationalen Wiederherstellungsplans (Stand 1. September 2026) zählt nur landwirtschaftlich genutzte, entwässerte Moorböden: 12.440 Hektar. Bis 2030 sollen 3.730 Hektar davon Wiederherstellungsmaßnahmen unterliegen, 930 Hektar davon der Wiedervernässung. Bis 2040 sollen es 4.980 Hektar Maßnahmen und 1.660 Hektar Wiedervernässung sein, bis 2050 6.220 und 2.070 Hektar.
Diese Flächen stehen im Plan als Ziele. Österreich kündigt an, davon weniger wiederzuvernässen, und nimmt dafür eine Ausnahme der EU-Wiederherstellungsverordnung (Verordnung (EU) 2024/1991) in Anspruch. Der Plan begründet das mit Gebäuden und Infrastruktur in der Nähe, mit der Wasserwirtschaft und mit anderen Schutzgütern, etwa Bodenbrütern und der Großtrappe im Seewinkel. Um wie viel weniger, legt spätestens der überarbeitete Plan 2032 fest.
Was schon läuft
Das bisher größte Moorprojekt Österreichs ist LIFE AMooRe, ein Projekt im Förderprogramm LIFE der EU für Umwelt-, Naturschutz- und Klimaprojekte; beteiligt sind alle neun Bundesländer und zwei Ministerien. Seit Jänner 2024 arbeitet es daran, auf rund 1.400 Hektar die Bedingungen für 13 Lebensraumtypen und 37 Arten zu verbessern.
Verwandte Auswertungen
- Lebensraumgruppenwie es den Mooren nach der Meldung an die EU geht.
- Schutzgebiete in Österreichwie viel Fläche unter Schutz steht.
- Natura 2000 im Waldwarum Moor- und Auwälder auf „schlecht“ stehen.
Woher die Daten kommen
Egger G., Rehberger O. & Kudrnovsky H. (2025): Moorinventar Österreich. Umweltbundesamt, Report REP-0988, Wien. PDF. Datenstand Mai 2025; Moorfläche je Bundesland aus Tabelle 10 (S. 40), Schilfgürtel des Neusiedler Sees auf S. 39, Moortypen aus Tabelle 15 (S. 65), ihre Beschreibung aus Tabelle 3 (S. 16) und S. 40, Erfassungskriterium des Inventars auf S. 13, Zustand auf S. 6 und S. 43–44.
Europäische Umweltagentur (EEA), Reportnet 3 (Meldeplattform der EU-Mitgliedstaaten): Meldung Österreichs nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie, Berichtsperiode 2019–2024, Erhaltungszustand und gemeldete Belastungen, gezählt je Lebensraumtyp und Region; zuletzt geliefert am 18. März 2026, abgerufen am 23. Oktober 2026. CC BY 4.0.
Moldaschl E., Mayer M., Weiß M., Matthews B., Schmid C., Banko G. & Weiss P. (2025): Organische Böden in Österreich: Ausmaß, Bewirtschaftung und Treibhausgasemissionen. Umweltbundesamt, Report REP-0932, Wien. PDF. Flächen, Entwässerung und Emissionen aus der Zusammenfassung (S. 5), entwässerte Flächen unter Acker und Siedlungen aus Tabelle 6a (S. 29), Begriff organischer Boden auf S. 14–15.
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (Landwirtschaftsministerium, 2026): Nationaler Wiederherstellungsplan Österreich, Entwurf, Stand 1. September 2026, Kapitel 11.1.4 und 11.2 (S. 103–108). PDF.
LIFE AMooRe: Projektinfo, abgerufen am 8. Oktober 2026.
Die beiden Berichte des Umweltbundesamts stehen unter „Alle Rechte vorbehalten“. Die Zahlen sind mit Quellenangabe zitiert, die Grafik ist eine eigene Darstellung.
Nächste Aktualisierung: mit der nächsten Fassung des Moorinventars und der Endfassung des Wiederherstellungsplans.
Zitieren und einbetten
Biodiversitätsmonitor Österreich (2026): Moore in Österreich. biodiversitaet-monitor.at/moore/ · Daten: Umweltbundesamt, Moorinventar Österreich (2025) · Datenstand Mai 2025 (Moorinventar)
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Häufige Fragen
Wie viel Moor gibt es in Österreich?
Laut dem Moorinventar des Umweltbundesamts von 2025 rund 44.000 Hektar, etwa 0,5 Prozent der Staatsfläche. Die größten Flächen liegen im Burgenland und in Salzburg.
Wie viel Moorfläche in Österreich ist geschädigt?
Wo der Zustand bekannt ist, sind 64 Prozent der Moorfläche mäßig bis stark beeinträchtigt. Angaben dazu gibt es für etwa die Hälfte der Datenquellen, aus denen das Inventar zusammengesetzt ist; der Schilfgürtel des Neusiedler Sees ist nicht mitgerechnet.
Warum sind entwässerte organische Böden ein Klimaproblem?
Entwässerter Torf zersetzt sich und setzt Treibhausgase frei, vor allem Kohlendioxid. In Österreich sind 41 Prozent der organischen Böden (Böden mit hohem Anteil an organischer Substanz, etwa Torf) entwässert und geben jährlich 992 Kilotonnen CO₂-Äquivalente ab, so viel wie 1,4 Prozent der Treibhausgase Österreichs im Jahr 2022.
Wie viel Moor soll in Österreich wiedervernässt werden?
Der Entwurf des Nationalen Wiederherstellungsplans nennt als Ziel 930 Hektar landwirtschaftlich genutzter Moorböden bis 2030 und 2.070 Hektar bis 2050. Österreich kündigt an, davon weniger wiederzuvernässen; um wie viel, legt spätestens der überarbeitete Plan 2032 fest. Wiederherstellungsmaßnahmen insgesamt sollen bis 2050 6.220 der 12.440 Hektar erfassen.