Methodik
biodiversitaet-monitor.at
Dieses Dashboard zeigt den Zustand der biologischen Vielfalt in Österreich auf Grundlage offener Daten. Alle Zahlen stammen aus amtlichen Quellen oder Fachberichten, die Aufbereitung ist automatisiert und der Rechenweg ist hier offengelegt.
1. Was hier zu sehen ist
Neunzehn Messgrößen: die Fläche unter Schutz und die Herkunft dieses Schutzes, der Bestandsindex der Feld- und Wiesenvögel und derselbe Bestand Art für Art, der tägliche Bodenverbrauch, das Alter der Roten Listen, der Erhaltungszustand der Lebensraumtypen und Arten sowie derselbe Zustand nach Lebensraumgruppen, die Gefährdung der Biotoptypen, der ökologische Zustand der Fließgewässer und die Belastungen, denen Österreich das Verfehlen zuschreibt, die Waldfläche im Nachbarschaftsvergleich, die Baumartenanteile des bewirtschafteten Waldes, die Gefährdung waldgebundener Pflanzen und der Zustand der Waldlebensraumtypen nach zwei Messweisen, der Anteil der biologisch bewirtschafteten Agrarfläche, der Absatz von Pflanzenschutzmitteln, der europäische Wiesenfalterindex und die Bestandsentwicklung von Biber und Fischotter.
Sie messen Verschiedenes und lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen. Es gibt keinen belastbaren Index, der sie zu einer Note zusammenfasst — deshalb steht hier keiner.
Fünf Abschnitte stellen die nationalen Zahlen in den europäischen Zusammenhang. Das ist keine Zier: der Erhaltungszustand wird ohnehin nach den grenzüberschreitenden biogeografischen Regionen alpin und kontinental beurteilt, nicht nach Staatsgrenzen. Der Falterindex zeigt als einziger Abschnitt ausschließlich europäische Zahlen — eine österreichische Reihe ab 1991 gibt es nicht.
2. Datenquellen
Eurostat — sdg_15_20, terrestrische Schutzgebietsfläche Anteil der Landesfläche unter Schutz, 2011 bis 2023. Umfasst national ausgewiesene Schutzgebiete und Natura-2000-Gebiete; Überschneidungen sind von der Europäischen Umweltagentur herausgerechnet. Wird bei jedem Lauf frisch abgerufen.
EEA — Designated terrestrial protected areas in Europe (SEBI 007)
Datenpaket der Abbildung 2 (FIG2-290046-SEBI007-v3),
Blatt „Original Data“: Anteil der Landesfläche unter Natura 2000 und unter
nationaler Ausweisung, überschneidungsfrei, für alle Mitgliedstaaten.
Stichjahr Ende 2023, zusammengesetzt aus Natura 2000 (Ende 2023) und den
national gemeldeten Gebieten (CDDA, Mai 2024). EEA standard re-use policy.
Wird bei jedem Lauf frisch abgerufen.
Eurostat — sdg_15_60, Index weit verbreiteter Vogelarten EU-Aggregat für gemeine Feldvogelarten, 39 Arten aus 26 Staaten, geglättete Schätzung. Nur das Aggregat, keine Länderwerte. Wird bei jedem Lauf frisch abgerufen.
Eurostat — sdg_15_61, Grünland-Schmetterlingsindex Index der Wiesenfalter, 1991 bis 2024, 1991 = 100, geglättete Reihe. Erhoben von Butterfly Conservation Europe und dem European Butterfly Monitoring Scheme, geführt als Indikator der Europäischen Umweltagentur (SEBI 028); 17 Arten, Daten aus allen 27 EU-Mitgliedstaaten. Nur das EU-Aggregat, keine Länderwerte. Wird bei jedem Lauf frisch abgerufen.
Eurostat — for_area, Waldfläche Waldfläche nach FAO-Definition, 1990 bis 2025 in sechs Stützjahren. Der einzige geprüfte Datensatz, der auch die Nicht-EU-Nachbarn Schweiz und Liechtenstein mit echten Werten führt. Wird bei jedem Lauf frisch abgerufen.
Eurostat — sdg_02_40, ökologisch bewirtschaftete Fläche Anteil an der landwirtschaftlich genutzten Fläche, umgestellte Flächen und Flächen in Umstellung zusammen. Rund 35 Meldeländer. Wird bei jedem Lauf frisch abgerufen.
Eurostat — aei_fm_salpest09, Absatz von Pflanzenschutzmitteln
In Verkehr gebrachte Menge Wirkstoff in Kilogramm, Österreich, 2011
bis 2024. Abgerufen werden die Gesamtreihe und die Gruppe F01
(anorganische Fungizide); für 2015 ist die Aufteilung vertraulich. Wird
bei jedem Lauf frisch abgerufen.
EEA Discodata — ökologischer Zustand der Fließgewässer
Tabelle [WISE_WFD].[latest].[SWB_SurfaceWaterBody],
Meldezyklus 2022: 8.116 Oberflächenwasserkörper Österreichs mit zusammen
32.135 Flusskilometern, nach Zustandsklasse. Gegenprobe: Nationaler
Gewässerbewirtschaftungsplan 2021, Abschnitt 1.2.1.1 — 32.101 km in
8.116 Wasserkörpern, Abstand 0,11 %. Wird bei jedem Lauf frisch
abgerufen.
EEA Discodata — Belastungen der Fließgewässer
Tabelle
[WISE_WFD].[latest].[SWB_SurfaceWaterBody_swSignificantPressureType],
Meldezyklus 2022: die von Österreich gemeldeten signifikanten Belastungen
je Wasserkörper, ausgezählt über die 4.031 Wasserkörper, die das Ziel
verfehlen. CC BY 4.0. Wird bei jedem Lauf frisch abgerufen.
BirdLife Österreich / BMLUK — Farmland Bird Index für Österreich 1998 bis 2024: Teufelbauer, N. & Seaman, B. (2025), Teilbericht Indikator 2024, Wien, Juni 2025, Tab. 5, S. 11. Der Wert für 2025 stammt aus der Aussendung von BirdLife Österreich vom 10.08.2026. Bestandsindex von 23 Vogelarten des Offenlands, 1998 = 100. Abgeschrieben, Stand 2025.
BirdLife Österreich — Monitoring der Brutvögel Österreichs, Artentrends Teufelbauer, N. & Seaman, B. (2026): Bericht über die Saison 2025, Tab. 3, S. 11–13; Zahl der Zählstrecken aus Tab. 1. Bestandsveränderung je Art seit 1998, dazu drei Arten, die erst ab 2008 gerechnet werden. Abgeschrieben, Stand 2025.
Eionet — Artikel-17-Berichtswerkzeug, Lebensraumtypen und Arten Meldung Österreichs nach Artikel 17 FFH-Richtlinie, Berichtsperiode 2019–2024, alle neun Arten- und neun Lebensraumgruppen, ausgezählt am 26.08.2026. Die Vorperiode stammt aus der Spalte „Prev. CS“ desselben Berichts. Gegenprobe: Umweltbundesamt (2020), REP-0734 Band 2, S. 6–7. Abgeschrieben, Stand 2019–2024.
Eionet — Artikel-17-Berichtswerkzeug, Säugetiere Bestandsspannen für Biber und Fischotter aus den Berichtsperioden 2001–2006 bis 2019–2024. Gegenproben: BOKU Wildbiologie (Biber), Land Niederösterreich, Fischotter-Kartierung 2022/23. Abgeschrieben, Stand 2019–2024.
ÖROK — Flächeninanspruchnahme und Versiegelung in Österreich ÖROK-Schriftenreihe Nr. 220, Dezember 2025, Ergebnisse 2022 und 2025. Abgeschrieben, Stand 2025.
Umweltbundesamt — Stand der Aktualisierung der Roten Listen Übersicht Oktober 2025: Erscheinungsjahr und vorgesehener Aktualisierungszeitraum je Tiergruppe. Abgeschrieben, Stand 2025.
Umweltbundesamt — Rote Liste gefährdeter Biotoptypen Österreichs Teilbände M-155 bis M-174, erschienen 2002 bis 2008. Abgeschrieben, Stand 2008 — die älteste Quelle dieser Seite.
Österreichische Waldinventur — Baumartenanteile Anteil von Nadelholz, Laubholz sowie Blößen, Lücken und Sträuchern an der bewirtschafteten Waldfläche, vier Erhebungsperioden von 1992/96 bis 2018/23. Tabellen 22_08_A, 22_34_A und 1_l, selbst nachgerechnet. Abgeschrieben, Stand 2018/23; Freigabe des BFW angefragt.
Waldbiodiversitätsbericht 2026 — gefährdete Waldarten BFW-Berichte 155/2026, Tabelle 7: waldgebundene Gefäßpflanzen nach Gefährdungsstufe in den Roten Listen 1986, 1999 und 2022, je 1.341 bewertete Arten. Der auszugsweise Abdruck ist laut Impressum des Berichts mit Quellenangabe gestattet. Abgeschrieben, Stand Rote Liste 2022.
Eionet — Artikel-17-Berichtswerkzeug, Waldlebensraumtypen Meldung Österreichs für die Berichtsperiode 2019–2024, Gruppe „Forests“: 32 Bewertungen über 20 Waldlebensraumtypen, selbst ausgezählt am 28.08.2026. Das Werkzeug führt keine Prozentübersicht. Gegenprobe über die eigene Flächensumme: 92,8 % gegen die 93 % des Waldbiodiversitätsberichts. Abgeschrieben, Stand 2019–2024.
3. Zwei Sorten von Zahlen, die nicht vermischt werden
Anders als beim Schwesterprojekt arbeitsmarkt-monitor.at lässt sich hier nicht alles automatisch abrufen. Österreich erhebt zur Biodiversität reichlich, veröffentlicht aber überwiegend PDF-Fachberichte ohne Datenanhang. Die Pipeline unterscheidet deshalb:
- Laufend: neun Reihen kommen bei jedem Lauf frisch aus dem Netz — sechs von der Eurostat-Schnittstelle (Schutzgebiete, EU-Vogelindex, Falterindex, Waldfläche, Bio-Anteil und Pestizidabsatz), dazu das Datenpaket des EEA-Indikators zur Schutzherkunft und zwei Abfragen an EEA Discodata (Zustand und Belastungen der Fließgewässer).
- Gepflegt: elf Reihen sind aus einer Publikation abgeschrieben. Sie tragen im Datensatz Quelle, Berichtsjahr und Abrufdatum.
Jede Quelle in der Fußzeile des Dashboards trägt deshalb eine Marke: laufend oder Stand JJJJ. Ohne sie liest sich eine dreijährige Zahl wie eine tagesaktuelle.
Die Pipeline meldet im Protokoll, wenn eine gepflegte Reihe älter ist als ihr erwarteter Erscheinungsrhythmus — zwei Jahre beim Vogelindex, bei den Artentrends, bei den Roten Listen und bei den Baumarten, vier beim Bodenverbrauch, sieben beim Erhaltungszustand, bei den Lebensraumgruppen, bei den Waldlebensraumtypen und bei Biber und Fischotter, fünfzehn bei den Biotoptypen und fünfundzwanzig bei den Waldarten. Sie bricht dabei nicht ab: eine veraltete Zahl ist kein Fehler, sondern ein Pflegehinweis. So verfällt keine Zahl unbemerkt.
Ein Rhythmus allein genügt allerdings nicht: er merkt, wenn eine Zahl alt wird, nicht, ob sie aus dem neuesten Bericht stammt. Bei den Artentrends hält die Pipeline deshalb zusätzlich die veröffentlichte Verteilung — 14 Arten mit Rückgang, 4 gleich, 2 mit Zunahme — gegen die abgeschriebene und meldet, sobald beide auseinanderlaufen.
4. Wie die Daten hierherkommen
Eine automatische Pipeline ruft die sechs Eurostat-Reihen und die drei Datensätze der Europäischen Umweltagentur ab, rechnet die Auswertungen und legt kompakte Datendateien ab, die diese Seite lädt. Sie läuft wöchentlich am Montag und schreibt nur dann etwas fort, wenn sich die Werte tatsächlich geändert haben — ein täglicher Lauf wäre Leerlauf, weil die Quellen jährlich bis dreijährlich liefern.
Ändert eine Quelle ihren Aufbau, bricht die Pipeline mit einer Meldung ab, statt eine falsche Zahl weiterzureichen. Fällt eine Datendatei aus, fehlt nur ihr Abschnitt, und der Ausfall wird in der Fußzeile des Dashboards benannt.
5. Wie gerechnet wird
- Schutzgebiete: die Achse beginnt bei 26 % und nicht bei null, weil die Aussage der Abstand zum Ziel von 30 % ist. Der Stillstand seit 2021 wird auf gerundeten Werten gesucht — sonst erzeugen 0,04 Prozentpunkte Differenz eine Scheinbewegung.
- Vögel: die Achse beginnt bei null, weil dort die Größe des Rückgangs die Aussage ist. Die EU-Reihe hat die Basis 2000, die österreichische die Basis 1998; die EU-Linie wird auf 1998 umbasiert, weil ein Kettenindex bezugsjahrfrei ist. Beide messen Häufigkeit, nicht Artenzahl, und sie zählen unterschiedliche Artenlisten — gleiche Richtung, nicht dieselbe Messgröße. Der Wert für 2025 stammt aus einem anderen Berichtsjahrgang als die Jahre davor, und der Index wird jährlich neu gerechnet; dass 2025 der niedrigste Wert seit 1998 ist, steht hier deshalb als Aussage von BirdLife und nicht als eigene Rechnung.
- Vögel Art für Art: ausgewertet sind die 20 Arten, die seit 1998 durchgehend gezählt werden. Drei weitere — Bergpieper, Steinschmätzer, Heidelerche — werden erst ab 2008 gerechnet und stehen getrennt darunter; 17 Jahre neben 27 zu stellen wäre ein stiller Vergleich zweier Dinge. Der Zitronenzeisig ist als 24. Art definiert, wird aber wegen zu kleiner Stichprobe nicht ausgewertet. „Gleich geblieben“ heißt: keine gesicherte Richtung — nicht „gemessen unverändert“.
- Wiesenfalter: gezeigt wird die geglättete Reihe. Die ungeglättete schwankt wetterbedingt zweistellig von Jahr zu Jahr und ließe jeden Sommer wie eine Trendwende aussehen.
- Biber und Fischotter: die Balken zeigen Spannen, keinen Mittelwert — die Zahlen sind Hochrechnungen aus Revierkartierungen. Für den Fischotter bleibt die Periode 2013–2018 leer, weil Österreich damals besetzte Rasterzellen statt Individuen gemeldet hat; eine Umrechnung erzeugte einen Einbruch, den es nicht gab. Das Ausrottungsjahr 1869 steht auf einer Kachel und nicht auf der Achse: auf einer Kategorieachse wäre der Abstand von 1869 zu 2001 so breit wie sechs Jahre.
- Bodenverbrauch: Balken statt Linie, weil die Werte Periodenmittel sind. Eine Linie würde dazwischen Jahreswerte behaupten, die niemand erhoben hat.
- Rote Listen: der helle Teil des Balkens ist der Zeitraum, den das Umweltbundesamt selbst für eine Neuauflage vorsieht — sechs Jahre bei Wirbeltieren, zwölf bei den übrigen. Der dunkle Teil ist das, was darüber hinausgeht. Die Schwelle stammt aus der Spalte „Aktualisierungszeitraum“ der Quelle.
- Erhaltungszustand: gezählt werden Bewertungen, nicht Schutzgüter. Österreich liegt in zwei biogeografischen Regionen, und jeder Lebensraumtyp und jede Art wird in jeder einzeln beurteilt — 114 Bewertungen für 71 Lebensraumtypen, 338 für 211 Arten. Der Bericht vermerkt bei jeder Änderung, ob sie tatsächlich ist oder nur auf besserem Wissen oder geänderter Methode beruht; die Grafik trennt das, weil sonst besseres Wissen wie eine Erholung aussieht.
- Biolandbau: alle Länder werden im selben Jahr verglichen. Der Datensatz reicht weiter, Österreich meldet zuletzt für 2020 — ein Ranking auf „neuestes Jahr je Land“ stellte sonst 2020 gegen 2024. Das EU-Aggregat bleibt aus der Rangliste heraus, sonst verschöbe es Österreichs Platz.
- Baumarten: die Reihe rechnet durchgehend gegen den bewirtschafteten Wald. So fällt der Nadelholzanteil von 69,2 auf 59,8 %, also um 9,4 Punkte. Wer die veröffentlichten Werte nebeneinanderstellt, sieht 19,2 Punkte — gut die Hälfte davon ist der Wechsel des Nenners, nicht der Wald.
- Waldarten: der Nenner bleibt über alle drei Listen bei 1.341 bewerteten Arten. Die Aussage liegt nicht in der Summe, sondern in der Verschiebung nach oben: „vom Aussterben bedroht“ steigt von 11 auf 43 Arten. Die im Bericht genannten 1.803 Arten sind der bewertete Bestand, nicht die Zahl der gefährdeten.
- Waldzustand nach zwei Messweisen: flächenbezogen wird der Teilwert „Struktur und Funktion“ mit der gemeldeten Fläche gewichtet ausgezählt, in der Gesamtbewertung zählt jeder Lebensraumtyp einmal. Ein Typ gilt dort als ungünstig, sobald einer von vier Teilwerten ungünstig ist.
- Fließgewässer: beide Balken zeigen denselben Bestand, einmal nach der Zahl der Wasserkörper, einmal nach ihrer Länge gewichtet. Der Abstand von 6,6 Punkten ist kein Methodenunterschied, sondern die Größenverteilung: Die mittlere Länge steigt von 2,97 km in der besten auf 6,10 km in der schlechtesten Klasse.
- Schutzherkunft: die beiden Teile sind überschneidungsfrei — Fläche, die zugleich Natura 2000 und national ausgewiesen ist, zählt nur einmal. Die Summe ist deshalb dieselbe Zahl wie im Abschnitt darüber, nur zerlegt: 29,3 % für Österreich, 26,4 % für die EU-27. Die Achse endet bei 35 und nicht bei 30, weil ein Ende bei 30 die Marke, die hier bewusst fehlt, zur Achsengrenze machte.
- Belastungen der Fließgewässer: Nenner sind die 4.031 Wasserkörper, die das Ziel verfehlen, nicht alle 8.116. Ein Wasserkörper kann mehrere Belastungen tragen; die Balken summieren sich auf 5.542 und damit auf mehr als den Nenner. Deshalb ist jeder Balken zweigeteilt — der dunkle Teil zählt nur die Wasserkörper, bei denen diese Ursache allein genannt ist (Verbauung: 1.690 von 3.234). Die drei Meldezyklen 2010, 2016 und 2022 stehen in der Tabelle, aber nicht im Bild: 2010 hat Österreich die Verbauung fast nur als Sammelcode gemeldet, die Aufschlüsselung nach Zweck gibt es erst ab 2016.
- Pestizide: die Balken tragen die Aufteilung, die
Linie den Gesamtabsatz. „Anorganisch“ ist die Gruppe
F01, die Eurostat selbst so nennt — nicht Kupfer plus Schwefel. Daran hängt der Befund: Auf die enge Lesart hin sinkt der Anteil, auf die Gruppe hin steigt er von 21,8 auf 26,0 %. Für 2015 ist die Aufteilung vertraulich; die Balken fehlen dort, die Linie läuft durch. Eine Marke bei −50 % steht nicht daneben: Das Ziel der Farm-to-Fork-Strategie misst Einsatz und Risiko über einen gewichteten Indikator, nicht den Absatz in Kilogramm, und die Verordnung, die es verbindlich gemacht hätte, ist 2023 gescheitert.
6. Grenzen der Aussagekraft
- Die Schutzgebietszahl misst Fläche, nicht Schutzintensität: ein Landschaftsschutzgebiet zählt gleich wie eine Nationalpark-Kernzone.
- Die Waldfläche ist eine Mengenangabe, kein Zustandsmaß — eine Fichtenmonokultur zählt so viel wie ein Auwald. Der eigentliche Indikator im Wald ist das Totholz; sein Anteil am Holzvorrat liegt in Österreich bei rund 3 % (Waldinventur 2018–2023). Eine Zeitreihe dazu ist maschinell nicht abrufbar.
- Beanspruchter Boden ist nicht dasselbe wie versiegelter: von rund 5.610 km² Inanspruchnahme waren 2022 etwa 2.961 km² tatsächlich versiegelt, also 52,8 %.
- Der Falterindex ist ein EU-Aggregat ohne Österreich-Linie. Österreich beteiligt sich seit 2020 am europäischen Monitoring und zählt inzwischen auf rund 480 Standorten — für einen Verlauf ab 1991 ist das zu kurz.
- Bei Biber und Fischotter steckt in den jüngsten Zahlen auch bessere Erfassung. Österreich meldet für die Periode 2019–2024 nur im Alpenraum eine tatsächliche Verbesserung; im kontinentalen Teil ist keine Änderung vermerkt. Der Vermerk bezieht sich zudem auf die Bewertung des Erhaltungszustands, nicht auf die einzelne Bestandszahl. Seit 2019 erlauben mehrere Bundesländer wieder eine begrenzte Entnahme.
- Hinter den Artentrends stehen sehr unterschiedlich breite Stichproben: sechs Zählstrecken bei der Grauammer, 210 beim Stieglitz. Beide Trends sind statistisch gesichert, aber nicht gleich breit abgestützt.
- Bei den Biotoptypen beziehen sich alle Anteile auf die 383 bewerteten Typen, nicht auf alle 488. Die Teilbände erschienen zwischen 2002 und 2008; eine Neuauflage steht aus.
- Der Erhaltungszustand stammt aus der Berichtsperiode 2019–2024. Der nächste Bericht folgt dem Sechsjahreszyklus der FFH-Richtlinie.
- Vier Tiergruppen haben überhaupt keine Rote Liste. Ein Balken der Länge null läse sich als „gerade aktualisiert“ — sie stehen deshalb als Satz unter der Grafik und nicht in ihr.
- Die Aufbereitung erfolgt automatisiert. Maßgeblich sind die amtlichen Originalquellen. Texte, Grafiktitel und Hinweiszeilen werden vor der Veröffentlichung von der im Impressum genannten Person geprüft und freigegeben. Automatisiert ist der Weg der Zahlen von der Quelle in die Grafik, nicht die redaktionelle Entscheidung. Wer einen Fehler findet: kurze Nachricht an mail@philipreitsperger.com.
- Fließgewässer sind nur dort bewertet, wo das Einzugsgebiet über 10 km² liegt; für kleinere Gewässer gibt es keine flächendeckende Beurteilung. Für 12,3 % des Netzes gilt ein weicherer Maßstab: erheblich veränderte und künstliche Gewässer werden am guten Potenzial gemessen, nicht am guten Zustand.
- Die drei Meldezyklen 2010, 2016 und 2022 sehen wie ein Trend aus (41,5 → 46,2 → 49,1 %), sind aber keiner: Abgrenzung und Bewertungsmethodik haben zwischen den Zyklen gewechselt. Die Grafik zeigt deshalb nur den jüngsten Stand.
- Bei den Baumarten steht die Freigabe des BFW noch aus; die gezeigten Bundeswerte stammen aus dem Waldbiodiversitätsbericht, dessen Abdruck mit Quellenangabe gestattet ist.
- Die Schutzherkunft misst wie der Abschnitt darüber Fläche, nicht Schutzintensität; woher die Ausweisung kommt, sagt nichts über die Strenge der Auflagen. Eine Zielmarke steht in diesem Abschnitt bewusst nicht: Die 30 % der EU-Biodiversitätsstrategie gelten der EU als Ganzes, die bei 26,4 % steht — „Österreich verfehlt sein Ziel“ geben diese Daten nicht her.
- Die Belastungen sind eine Zuschreibung, kein Wirkungsnachweis. Die Wasserrahmenrichtlinie definiert eine signifikante Belastung als eine, die die Zielerreichung gefährdet; gemeldet wird sie deshalb so gut wie nur dort, wo das Ziel verfehlt wird. Von 3.879 Wasserkörpern mit gemeldeter Belastung erreichen drei das Ziel. Ein Vergleich „verbaut gegen unverbaut“ ergäbe deshalb keine Ökologie, sondern die Meldelogik. Und ein Wasserkörper ist ein Planungsabschnitt von im Mittel 4,0 km, kein Fluss.
- Der Pestizidabsatz ist die in Verkehr gebrachte Menge, nicht die ausgebrachte und nicht ihre Wirkung: Ein Kilogramm Schwefel wiegt hier so viel wie ein Kilogramm eines synthetischen Wirkstoffs.
7. Lizenz und Weiterverwendung
Grafiken und aufbereitete Daten stehen unter CC BY 4.0, Namensnennung biodiversitaet-monitor.at. Für die Rohdaten gelten die Lizenzen der jeweiligen Quelle; sie stehen oben bei jedem Eintrag.
Die Datenpipeline und die Diagramme liegen offen auf GitHub. Wer eine Zahl nachrechnen will, findet dort den Weg von der Quelle bis zur Grafik.